Ratgeber

Warnungen aufs Handy: Cell Broadcast, NINA und der Warntag

Warnungen von Bund, Ländern und Kommunen kommen auf zwei Wegen aufs Handy: per Cell Broadcast direkt über das Mobilfunknetz, ohne App und ohne Anmeldung, und über Warn-Apps wie NINA. Für Cell Broadcast braucht ein Smartphone Android ab Version 11 oder iOS ab 16.1. Die höchste Warnstufe lässt sich nicht abschalten, die beiden anderen schon. Lassen Sie die Stufe Gefahreninformation eingeschaltet: Über sie kommen seit November 2025 auch die Entwarnungen.

Von Geprüft am 8 Min. Lesezeit

Älteres Paar steht von hinten gesehen am Fenster und beobachtet Gewitterwolken über den Dächern, auf der Fensterbank liegt ein Smartphone
KI-generiert

Seit dem 23. Februar 2023 können Behörden jedes eingeschaltete Handy in einem Gebiet direkt warnen. Das Verfahren heißt Cell Broadcast, in Deutschland DE-Alert. Die Warnung geht wie eine Durchsage an alle Geräte, die in den betroffenen Funkzellen eingebucht sind. Es braucht keine App, keine Telefonnummer und keine Ortung.

Ergänzend gibt es Warn-Apps wie NINA, die auch für Orte warnen, an denen Sie gerade nicht sind. Beide Wege zusammen erreichen viele Menschen. Bei der Umfrage des BBK zum Warntag 2025 gaben 97 Prozent der Befragten an, gewarnt worden zu sein, 75 Prozent allein über Cell Broadcast. Damit die Warnung auch bei Ihnen ankommt, lohnt ein Blick in die Einstellungen.

Verbreiteter IrrtumWer am Handy die Testwarnungen ausschaltet, bekommt am Warntag keine Probewarnung.

Was stimmtDie Probewarnung kam am Warntag 2026 als „Notfallalarm“, also in der höchsten Stufe, und die lässt sich nicht abschalten. Der Schalter für Testwarnungen gehört zu einem anderen Kanal.

So funktioniert Cell Broadcast

Die gesetzliche Grundlage ist § 164a des Telekommunikationsgesetzes. Er verpflichtet die Mobilfunknetzbetreiber, Warnungen an alle Mobilfunkgeräte in dem Gebiet auszusenden, das die warnende Behörde bestimmt. Ausgelöst werden sie über das Modulare Warnsystem des Bundes, kurz MoWaS, das auch Radio, Fernsehen und Warn-Apps beliefert. Die technischen Einzelheiten legt die Technische Richtlinie DE-Alert der Bundesnetzagentur fest.

Nach dieser Richtlinie wird eine Warnung im Regelfall sechsmal im Abstand von zwei Minuten ausgesendet. Wer in dieser Zeit in die Zelle kommt oder das Handy einschaltet, bekommt sie also noch. Personenbezogene Daten werden dafür nicht erhoben, betont das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK); die Verarbeitung läuft im Betriebssystem des Handys. Weitere Einstellungen für mehr Privatsphäre am Smartphone sammelt der Ratgeber Datenschutz am Smartphone.

Voraussetzungen

  • Aktuelles System: Android ab Version 11 oder iOS ab Version 16.1. Ältere Geräte empfangen die Warnungen laut BBK zum Teil nicht.
  • Eingeschaltet: Das Handy ist an und nicht im Flugmodus.
  • Funktionierendes Netz: Die Funkzelle arbeitet. Fällt das Netz aus, kommt auch keine Warnung; wie man eine Störung erkennt, steht im Ratgeber Netzstörung.

Ob Ihr Gerät noch Updates bekommt, zeigt der Ratgeber Update-Politik der Hersteller. Bei einfachen Telefonen entscheidet der Hersteller: Die Richtlinie setzt voraus, dass ein Gerät die festgelegten Kanäle kennt, was teils auch über die SIM-Karte eingerichtet werden kann. Wer ein Tastenhandy kauft, sollte deshalb nach Cell Broadcast fragen.

Was in einer Warnung steht

Eine Cell-Broadcast-Warnung ist eine reine Textnachricht, die sich über den Bildschirm legt. Das Beispiel in der Technischen Richtlinie zeigt den typischen Aufbau: erst Gefahr und Gebiet, dann Warnstufe sowie warnende Stelle mit Datum und Uhrzeit. Am Ende stehen eine Handlungsempfehlung wie „Hören Sie regionale Radiosender“ und ein Verweis auf weitere Informationen unter warnung.bund.de. Für jede Stufe sieht die Richtlinie zwei Kanäle vor, einen für Deutsch und einen für andere Sprachen wie Englisch.

Lesen Sie die Nachricht ganz und folgen Sie der Empfehlung. Ausführlichere Hinweise und Karten zeigen die Warn-Apps oder die Website warnung.bund.de, die das BBK auch für Geräte ohne passende App anbietet.

Die Warnstufen und was sich abschalten lässt

Im Menü der Handys tauchen bis zu fünf Kategorien auf. Ihre Namen und Grundeinstellungen schreibt die Technische Richtlinie DE-Alert vor. Die Tabelle zeigt, welche Stufe des Bundes in welcher Kategorie ankommt – und damit, was Sie verpassen, wenn Sie einen Schalter umlegen.

Kategorien von DE-Alert auf dem Handy nach TR DE-Alert, Ausgabe 1.1, und BBK, Stand Oktober 2026
Kategorie im MenüWarnstufe des Bundesab WerkabschaltbarSignal
NotfallalarmWarnstufe 1 (hoch)anneinSirenenton bis zum Antippen, höchstens fünf Minuten, auch bei „Nicht stören“
Extreme GefahrWarnstufe 2 (mittel)anjaSirenenton, zehn Sekunden
Erhebliche Gefahrin der Zuordnung der Richtlinie nicht belegtanjaSirenenton, zehn Sekunden
GefahreninformationWarnstufe 3 (niedrig), dazu EntwarnungenanjaWarnung mit Sirenenton, Entwarnung mit SMS-Ton
Testwarnungeigener Testkanalauseinschaltbarnicht für die Probewarnung am Warntag genutzt

Beachten Sie den Modus „Nicht stören“. Nach der Gerätetabelle der Richtlinie dringt nur der Notfallalarm durch diesen Modus; Warnungen der übrigen Kategorien erscheinen dann ohne Ton auf dem Bildschirm. Wer nachts „Nicht stören“ nutzt, wird also nur von der höchsten Stufe geweckt. Das ist so gewollt, sollte aber bekannt sein – etwa wenn Sie in einem Hochwassergebiet wohnen und auch Warnungen der mittleren Stufe sofort hören möchten.

Das BBK fasst die Regel zusammen: Die Warnstufen 2 und 3 lassen sich individuell unterdrücken, die höchste Stufe 1 nicht. Die Kategorie „Erhebliche Gefahr“ gibt es, weil das europäische Warnsystem vier Stufen vorsieht. In der deutschen Zuordnung kommen die drei Stufen des Bundes in den übrigen Kategorien an. Wer „Extreme Gefahr“ ausschaltet, verpasst Warnungen der mittleren Stufe; wer „Gefahreninformation“ ausschaltet, verpasst die niedrige Stufe und jede Entwarnung.

Warum die Gefahreninformation an bleiben sollte

Seit dem 25. November 2025 verschickt Cell Broadcast auch Entwarnungen. Damit sie niemanden unnötig aufschrecken, kommen sie automatisch in der niedrigsten Stufe, der Gefahreninformation, und mit einem leisen Ton. Android nutzt den eingestellten SMS-Ton, iOS den Standardton für SMS. Das BBK empfiehlt ausdrücklich, das Smartphone so einzustellen, dass auch Warnstufe 3 aktiviert ist.

Ein Haken bleibt. Die leise Entwarnung setzt eine aktuelle Softwareversion voraus. Fehlt sie, kommt die Entwarnung laut mit dem Standardton wie in Warnstufe 2. Am Warntag 2026 lief die Entwarnung um 11.45 Uhr erstmals ebenfalls über Cell Broadcast, mit reduzierter Lautstärke.

Schritt für Schritt: Warnungen auf Android und iPhone prüfen

Die Menüs heißen je nach Hersteller und Version unterschiedlich. Am schnellsten führt die Suche in den Einstellungen zum Ziel: Geben Sie „Notfall“ oder „Warnung“ ein.

Android

  • Google Pixel und viele andere: „Einstellungen“ → „Benachrichtigungen“ → „Notfallbenachrichtigungen für Mobilgeräte“
  • Samsung Galaxy: „Einstellungen“ → „Sicherheit und Notfall“ → „Notfallwarnungen“
  • Dort „Extreme Gefahr“ und „Gefahreninformation“ einschalten, die „Testwarnung“ nach Wunsch

iPhone

  • „Einstellungen“ → „Mitteilungen“ → ganz nach unten scrollen
  • Unter „Offizielle Warnmeldungen“ die Schalter für die Warnstufen einschalten
  • Welche Schalter erscheinen, hängt von iOS-Version und Netz ab

Einen Selbsttest gibt es nicht, denn Cell-Broadcast-Nachrichten lösen nur Behörden über MoWaS aus. Prüfen lässt sich die Einstellung; den Ernstfall üben Sie am bundesweiten Warntag.

Warnungen auf der Smartwatch

Auch manche Uhren zeigen Cell-Broadcast-Warnungen. Bei Samsung steht die Einstellung ab der Galaxy Watch4 unter „Einstellungen“ → „Sicherheit und Notfall“ → „Notfallwarnungen“; Testwarnungen sind dort ab Werk ebenfalls aus. Prüfen Sie nach dem Koppeln einer neuen Uhr, ob die Warnstufen dort genauso eingestellt sind wie am Handy.

Sirene auf einem Metallmast über roten Ziegeldächern vor blauem Spätsommerhimmel
Sirene, Radio, App und Handy: Am Warntag testen Bund, Länder und Kommunen alle Kanäle zur gleichen Zeit. KI-generiert

Der bundesweite Warntag

Einmal im Jahr testen Bund, Länder und Kommunen ihre Warnsysteme gemeinsam, immer am zweiten Donnerstag im September. Der sechste Warntag fand am 10. September 2026 statt. Um 11 Uhr lösten die Behörden die Probewarnung aus, um 11.45 Uhr folgte die Entwarnung. Die Warnung lief über Fernsehen, Radio, Smartphones, Cell Broadcast, Warn-Apps, digitale Stadtinformationstafeln, Sirenen und Lautsprecherwagen.

Auf dem Handy kam die Probewarnung als „Notfallalarm“, also in der Stufe, die auch den Modus „Nicht stören“ durchbricht. Das BBK zog eine positive Bilanz; Erfahrungen konnte die Bevölkerung bis zum 17. September 2026 in einer Online-Umfrage melden. Nach der Regel mit dem zweiten Donnerstag fällt der nächste Warntag auf den 9. September 2027.

Warnung aufs Handy: die StationenZeitleiste: Februar 2019 – Apps an einem System: KATWARN und BIWAPP an MoWaS angeschlossen, alle drei Apps zeigen dieselben Warnungen; 23.02.2023 – Cell Broadcast startet: Warnungen ohne App auf Handys mit Android ab 11 oder iOS ab 16.1; Juli 2025 – NINA mit Polizeiwarnungen: Großes Update zum zehnten Geburtstag der App; 25.11.2025 – Entwarnung per Cell Broadcast: leise, in der Stufe Gefahreninformation; 10.09.2026 – Sechster Warntag: Probewarnung als Notfallalarm, Entwarnung erstmals auch per Cell Broadcast; 09.09.2027 – Nächster Warntag: wie immer am zweiten Donnerstag im SeptemberWarnung aufs Handy: die StationenVon gemeinsamen Warn-Apps bis zur leisen Entwarnung per Cell BroadcastFebruar 2019Apps an einemSystemKATWARN undBIWAPP an MoWaSangeschlossen,alle drei Appszeigen dieselbenWarnungen23.02.2023Cell BroadcaststartetWarnungen ohneApp auf Handysmit Android ab 11oder iOS ab 16.1Juli 2025NINA mitPolizeiwarnungenGroßes Update zumzehntenGeburtstag derApp25.11.2025Entwarnung perCell Broadcastleise, in derStufeGefahreninformation10.09.2026Sechster WarntagProbewarnung alsNotfallalarm,Entwarnungerstmals auch perCell Broadcast09.09.2027Nächster Warntagwie immer amzweitenDonnerstag imSeptemberQuellen: BBK, Pressemitteilungen und Fachseiten 2019 bis 2026 – Stand Oktober 2026
Die jüngste Neuerung ist die leise Entwarnung. Sie kommt nur an, wenn die Stufe Gefahreninformation eingeschaltet ist.

NINA, KATWARN und BIWAPP: was die Apps zusätzlich können

Cell Broadcast warnt nur dort, wo Sie gerade sind. Warn-Apps füllen die Lücke: Sie warnen auch für abonnierte Orte, etwa den Wohnort der Eltern, und zeigen ausführlichere Hinweise. Abonnieren lassen sich in NINA Landkreise, Gemeinden oder ein Umkreis von einem bis neun Quadratkilometern. Die App des Bundes nutzen nach Angaben des BBK über zwölf Millionen Menschen.

  • Bevölkerungsschutz: Meldungen der Katastrophenschutzbehörden in Ländern und Kommunen.
  • Polizei: Seit Juli 2025 bündelt NINA Warnungen der Polizeibehörden von Bund und Ländern, zum Beispiel zu besonderen Lagen.
  • Wetter und Hochwasser: Unwetterwarnungen des Deutschen Wetterdienstes und Hochwasserinformationen von Bund und Ländern.
  • Datensparsam: Für Warnungen zum aktuellen Standort speichert NINA die Position nur lokal auf dem Gerät, und die App funktioniert ohne Angabe persönlicher Daten.

KATWARN und BIWAPP sind seit Februar 2019 an MoWaS angeschlossen. Seitdem bekommen Nutzer der drei Apps dieselben behördlichen Gefahrenmeldungen. Eine App reicht also. Wichtig ist nur, dass die App Benachrichtigungen senden darf und Energiesparfunktionen sie nicht im Hintergrund beenden.

Cell Broadcast und Warn-App im Vergleich, Stand Oktober 2026
MerkmalCell BroadcastWarn-App wie NINA
Installationkeine, Teil des BetriebssystemsApp aus dem Store
Wofür gewarnt wirdnur der aktuelle Aufenthaltsortaktueller Standort und abonnierte Orte
Braucht Internetnein, nur eine funktionierende Funkzelleja
Inhaltkurzer Text mit Verweis auf weitere Informationenausführliche Hinweise, Wetter, Hochwasser, Polizei
Datenkeine personenbezogenen Datenohne persönliche Angaben nutzbar, Standort bleibt auf dem Gerät

Vorsorge für den Stromausfall

Warnungen helfen nur, solange das Handy Strom hat. Eine geladene Powerbank gehört deshalb zur Notfallvorsorge; wie viele Ladungen sie liefert, rechnet die Kaufberatung Powerbank vor. Fällt das Mobilfunknetz großflächig aus, bleibt ein Radio mit Batterien als zusätzlicher Empfangsweg, den auch das BBK zu seinen Warnkanälen zählt.

Nächster Schritt

Öffnen Sie jetzt die Einstellungen und prüfen Sie, ob „Extreme Gefahr“ und „Gefahreninformation“ eingeschaltet sind. Wie Sie selbst Hilfe rufen, auch ohne Netz und ohne Sprache, steht im Ratgeber zum Notruf. Was der Staat sonst aufs Handy bringt, zeigt der Ratgeber zum Ausweis auf dem Handy. Alle Themen sammelt die Übersicht Ratgeber.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Warum habe ich am Warntag keine Warnung auf dem Handy bekommen?

Häufige Gründe sind ein zu altes Betriebssystem unter Android 11 oder iOS 16.1, der Flugmodus oder ein ausgeschaltetes Gerät. Auch wer in diesem Moment kein Netz hatte, bekam nichts, weil die Warnung über die Funkzelle läuft. Prüfen Sie Version und Einstellungen; der nächste Test kommt am Warntag 2027.

Kostet Cell Broadcast etwas oder verbraucht es Datenvolumen?

Nein. Die Warnungen laufen über einen eigenen Dienst des Mobilfunknetzes und nicht über das Internet. Die Kosten der Aussendung tragen nach § 164a TKG die Netzbetreiber, die Kosten der Einrichtung hat der Staat ihnen ersetzt. Für Sie fällt nichts an.

Warum kommt dieselbe Warnung mehrmals?

Die Netze senden eine Warnung im Regelfall sechsmal im Abstand von zwei Minuten aus, damit auch später eingeschaltete Handys sie erhalten. Anhand einer Kennung erkennt das Gerät, ob es Sie schon gewarnt hat. Erscheint trotzdem eine neue Meldung, lohnt ein genauer Blick: Behörden können eine Warnung aktualisieren.

Passt dazu

  • Ratgeber Ausweis auf dem Handy

    Die AusweisApp speichert keinen Ausweis – das soll erst die EU-Brieftasche d-you ab 2027.

  • Ratgeber Handy-Backup

    Chats, Authenticator-Codes und eSIM fehlen im System-Backup – und gelöschte Fotos verschwinden überall.

  • Ratgeber Daten übertragen

    Seit iOS 26.3 und Android 17 geht der Systemwechsel direkt per QR-Code – samt eSIM bei der Telekom.

  • Ausland Grenzregion

    Am Bodensee kann das Handy ins Schweizer Netz wechseln; nur bei der Telekom bleibt das ohne Aufpreis.