Ausland

Handy auf Kreuzfahrt und Fähre: warum das Bordnetz so teuer ist

Auf Kreuzfahrtschiffen und Fähren kann sich das Handy auf See in ein Bordnetz einbuchen, das über Satellit läuft. Dafür gilt weder EU-Roaming noch eine Preisobergrenze. Die gesetzliche Kostensperre bei höchstens 50 Euro netto im Monat greift nur für mobile Daten, nicht für Anrufe und SMS. Sicher fahren Sie mit Flugmodus und Bord-WLAN; im Hafen gilt wieder das Landnetz.

Von Geprüft am 6 Min. Lesezeit

Oberdeck eines Kreuzfahrtschiffs bei Sonnenuntergang mit weißen Satellitenkuppeln am Mast und leeren Liegestühlen
KI-generiert

An Bord gilt EU-Roaming nur, solange Ihr Handy ein Netz an Land empfängt: im Hafen, auf Flüssen und dicht an der Küste. Auf See übernimmt das Bordnetz, eine kleine Mobilfunkzelle im Schiff, die per Satellit mit dem Festland verbunden ist. Für solche Verbindungen gelten nach Angaben der EU-Kommission keine verbindlichen Preisobergrenzen. Bei Vodafone CallYa stehen sie in der teuersten Zone, bei 1&1 kosten sie mehr als in jeder Länderzone.

Gilt EU-Roaming an Bord? Stand Oktober 2026
SituationNetzEU-Roaming
Hafen oder Fluss in der EULandnetzja, zu Inlandskonditionen
Hafen außerhalb der EULandnetz des Landesnein, Auslandstarif Ihres Anbieters
Auf SeeBordnetz über Satellitnein, keine Preisobergrenze
Bord-WLANInternetzugang der Reedereikein Roaming, Abrechnung über die Reederei

Vor der Küste: wo Landnetz und Bordnetz sich überschneiden

Wann ein Bordnetz in EU-Gewässern senden darf, regeln Beschlüsse der EU-Kommission. Bordnetze für GSM und UMTS müssen mindestens zwei Seemeilen Abstand zur Basislinie halten, also rund 3,7 Kilometer zur Küste; für LTE sind es vier Seemeilen. Bis zur Zwölf-Meilen-Grenze, rund 22 Kilometer vor der Küste, sind nur Antennen im Schiffsinneren erlaubt.

Die Regeln gibt es, weil Landnetze an der Küste ein Stück aufs Wasser reichen. Dazwischen liegt eine Mischzone, in der das Handy das jeweils stärkere Signal wählt – mal das Landnetz, mal das Bordnetz. Wer beim Auslaufen noch Fotos verschickt, kann so unbemerkt in den Satellitentarif wechseln.

Vom Hafen auf die offene See: welches Netz wann greiftAblauf in 4 Schritten: Im Hafen – Landnetz: In EU-Häfen gilt EU-Roaming, in anderen Häfen der Auslandstarif Ihres Anbieters.; Bis 2 bzw. 4 Seemeilen – Bordnetz muss schweigen: In EU-Gewässern darf es hier nicht senden: GSM und UMTS ab 2, LTE ab 4 Seemeilen.; Bis 12 Seemeilen – Mischzone: Bordnetz nur mit Innenantennen, Landnetz teils noch da – das stärkere Signal gewinnt.; Offene See – Nur noch Bordnetz: Verbindung über Satellit: kein EU-Roaming, keine Preisobergrenze.Vom Hafen auf die offene See: welches Netz wann greiftRegeln für Bordnetze in EU-Gewässern, eine Seemeile sind 1.852 Meter1234Im HafenLandnetzIn EU-Häfen gilt EU-Roaming, in anderen Häfen der Auslandstarif Ihres Anbieters.Bis 2 bzw. 4 SeemeilenBordnetz muss schweigenIn EU-Gewässern darf es hier nicht senden: GSM und UMTS ab 2, LTE ab 4 Seemeilen.Bis 12 SeemeilenMischzoneBordnetz nur mit Innenantennen, Landnetz teils noch da – das stärkere Signal gewinnt.Offene SeeNur noch BordnetzVerbindung über Satellit: kein EU-Roaming, keine Preisobergrenze.Quelle: Beschluss 2010/166/EU und Durchführungsbeschluss (EU) 2017/191, Stand Oktober 2026
Je weiter die Küste zurückbleibt, desto sicherer hängt das Handy im teuren Bordnetz.

Die Kostensperre schützt nur beim Surfen

Die EU-Roaming-Verordnung verlangt eine automatische Grenze für mobile Daten, und zwar ausdrücklich auch in Bordnetzen (Artikel 14). Ohne andere Vereinbarung liegt sie bei höchstens 50 Euro ohne Mehrwertsteuer je Abrechnungsmonat. Bei 80 Prozent kommt eine Warnung, danach stoppt der Datendienst, bis Sie der weiteren Nutzung zustimmen.

Für Telefonate und SMS fehlt eine solche Grenze. Vorgeschrieben sind dort nur eine Preis-SMS beim Einbuchen und „angemessene Schritte“ gegen unbeabsichtigte Verbindungen, etwa das Sperren von Bordnetzen auf Wunsch (Artikel 13). Auch angenommene Anrufe kosten: In der Preisliste von 1&1 kostet eine ankommende Minute im Schiffsnetz so viel wie eine abgehende.

Verbreiteter IrrtumDie automatische Kostensperre schützt auf dem Schiff vor hohen Rechnungen

Was stimmtSie gilt nur für mobile Daten. Anrufe und SMS über das Bordnetz laufen ohne Obergrenze weiter, auch angenommene Gespräche.

Nachgerechnet, mit angenommenen Preisen: Kostet ein Megabyte im Bordnetz 10 Euro einschließlich Steuer, greift die Datensperre schon nach knapp sechs Megabyte. Kostet die Minute 5 Euro, schlägt ein 20-minütiges Gespräch nach Hause mit 100 Euro zu Buche, ohne dass etwas stoppt. Wie realistisch solche Werte sind, zeigt die Preisliste von 1&1 vom 19. September 2026: Ein Megabyte im Schiffsnetz kostet dort rund das Zwanzigfache des Preises in den USA, eine Gesprächsminute mehr als das Dreifache.

So handhaben Telekom, Vodafone, o2 und 1&1 das Bordnetz

Mobilfunk über Bordnetze auf Schiffen je Netzbetreiber, Stand Oktober 2026
NetzbetreiberBordnetz auf SeeHinweis
Telekomnutzbar, eigene Datenpässe für Schiffe„besondere Preise und Bedingungen“
Vodafonenicht im EU-Roaming enthaltenbei CallYa in Zone 4, der teuersten Zone
o2gesperrt: keine Anrufe, keine SMS, kein Surfeno2 verweist auf das WLAN der Reiseveranstalter
1&1Anrufe und SMS möglich, Daten derzeit deaktiviertBordnetze stehen einzeln in der Preisliste

Marken und Discounter im selben Netz können anders verfahren; maßgeblich ist die Preisliste Ihres Tarifs. Zum Vergleich: In der Schweiz ist Roaming in Flugzeugen und auf Schiffen laut der Regulierungsbehörde Bakom standardmäßig gesperrt und muss eigens freigeschaltet werden. In der EU müssen Sie eine solche Sperre selbst beim Anbieter veranlassen.

Bordnetz erkennen: diese Namen zeigt das Handy an

Ein Bordnetz meldet sich mit dem Namen seines Betreibers, nicht mit dem eines Landes. Beim Einbuchen sollten Sie eine SMS bekommen; die EU-Kommission sieht diese Warnung ausdrücklich vor. In der Partnerliste der Telekom und der Preisliste von 1&1 stehen unter anderem diese Schiffsnetze:

Bordnetze auf Schiffen in den Listen von Telekom und 1&1, Stand Oktober 2026
NetznameNetzkennungEinsatz laut Liste
Telenor Maritime (MCP)901 12Schiffe
Cellular at Sea (AT&T Maritime Services)901 18Schiffe
Vodafone Malta Maritime901 19Schiffe
Telecom Italia Maritime (TIM)901 26unter anderem Costa Cruises
OceanCell (Síminn)274 08Fähren und Kreuzfahrtschiffe
OnMarine–Schiffe

Die meisten Kennungen beginnen mit 901. Namen oder Kennungen erscheinen in der manuellen Netzsuche, beim iPhone unter „Netzauswahl“, sobald Sie die automatische Wahl abschalten. Steht ein solcher Name in der Netzanzeige, sind Sie im Satellitentarif. Mit Satellitenverbindungen direkt zum Handy hat das nichts zu tun; sie behandelt die Seite Handy über Satellit.

Vor dem Ablegen: sechs Handgriffe

Mann steht von hinten gesehen am Heck einer Autofähre und blickt auf einen griechischen Hafen, der langsam kleiner wird
Beim Auslaufen kann das Handy unbemerkt vom Landnetz ins Bordnetz wechseln – der Flugmodus verhindert das. KI-generiert
  1. Bordnetze sperren lassen Fragen Sie Ihren Anbieter, ob er Verbindungen zu Satellitennetzen sperrt. Bietet er das an, muss die Sperre laut Verordnung jederzeit kostenlos möglich und umkehrbar sein.
  2. Flugmodus auf See Sobald das Schiff ablegt, den Flugmodus einschalten und bei Bedarf nur WLAN wieder aktivieren. So bucht sich das Handy weder ins Bord- noch ins Landnetz ein.
  3. Umleitungen löschen Mit ##002# verhindern Sie, dass nicht angenommene Anrufe über das Bordnetz zur Mailbox laufen und doppelt kosten; mehr unter Mailbox ausschalten.
  4. Hintergrunddaten bremsen Foto-Backup, App-Updates und Cloud-Synchronisierung auf „nur WLAN“ stellen.
  5. Häfen bewusst nutzen Im EU-Hafen gilt Ihr Inlandstarif. Außerhalb der EU vorab prüfen, wie Ihr Anbieter das Land einordnet, etwa die Türkei oder die USA.
  6. Bord-WLAN wählen Pakete der Reederei vergleichen. Telekom und o2 rechnen WLAN-Anrufe aus dem Ausland wie Gespräche aus Deutschland ab, Vodafone bietet WLAN-Telefonie im Ausland nicht an (VoLTE und WLAN-Call).

Wenn die Rechnung trotzdem hoch ausfällt

Beanstanden Sie die Rechnung innerhalb von acht Wochen nach Zugang, am besten schriftlich. Der Anbieter muss dann die Verbindungen einzeln aufschlüsseln und technisch prüfen (§ 67 Telekommunikationsgesetz). Prüfen Sie dabei, ob Preis-SMS, 80-Prozent-Warnung und Datensperre wie vorgeschrieben kamen. Hilft das nicht, vermittelt die Schlichtungsstelle Telekommunikation der Bundesnetzagentur kostenlos, wenn Sie sich vorher um eine Einigung mit dem Anbieter bemüht haben.

Notfall an Bord

Auf See ist im Notfall die Besatzung die erste Anlaufstelle. An Land gilt in der ganzen EU die kostenlose Notrufnummer 112.

Nächster Schritt

Im Flugzeug gelten ähnliche Regeln, an Landgrenzen lauern eigene Fallen. Eine Reise-eSIM hilft auf See nicht, weil sie ein Landnetz braucht – für Landgänge außerhalb der EU kann sie sich lohnen. Alle Länder im Überblick stehen unter Roaming und Ausland.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Kann ich auf dem Kreuzfahrtschiff WhatsApp nutzen, ohne dass es teuer wird?

Ja, über das WLAN der Reederei, wenn Sie gleichzeitig den Flugmodus einschalten oder das Datenroaming abstellen. Das WLAN-Paket rechnet die Reederei ab, nicht Ihr Mobilfunkanbieter. Achten Sie darauf, dass Foto-Backups nicht das Volumen eines kleinen Pakets aufbrauchen.

Gilt EU-Roaming auf einer Fähre zwischen zwei EU-Ländern?

Nur, solange Ihr Handy ein Netz an Land empfängt. Auf See kann auch auf Fähren ein Bordnetz aktiv sein; Vodafone und o2 nennen Fähren ausdrücklich. Ob Sie darin eingebucht sind, zeigen die Netzanzeige und die SMS Ihres Anbieters.

Passt dazu

  • Ausland Flugzeug

    Den Flugmodus regelt die Airline; Mobilfunk an Bord sendet erst ab 3.000 Metern und ist kein EU-Roaming.

  • Ausland Reise-eSIM

    Lohnt sich vor allem außerhalb der EU – mit Rechenweg gegen die Roaming-Option des eigenen Anbieters.

  • Ausland Grenzregion

    Am Bodensee kann das Handy ins Schweizer Netz wechseln; nur bei der Telekom bleibt das ohne Aufpreis.

  • Tarife Ohne Laufzeit

    Telekom, o2 und congstar verlangen für Flex keinen höheren Monatspreis – der Aufpreis steckt woanders.