Handy.RocksUnabhängig · Vernetzt

StartRatgeber › Datenschutz

Ratgeber · Sicherheit

Datenschutz auf dem Smartphone: was wirklich wirkt

Von Alexander Müller Aktualisiert am 23. Juli 2026 Geprüft gegen Herstellerangaben 7 Minuten Lesezeit

Kurzantwort

Der größte Teil der Daten, die ein Smartphone abgibt, wird nicht gestohlen – er wird legal erhoben, auf Grundlage von Zustimmungen, die wir selbst erteilt haben. Der zentrale Baustein dahinter ist die Werbe-ID: eine Kennung, die alle Apps auf dem Gerät lesen können und die ihre Beobachtungen erst zu einem Profil zusammenführt. Sie lässt sich in wenigen Schritten löschen oder zurücksetzen – der wirksamste Einzelgriff, den kaum jemand kennt. Danach zählen drei Dinge: Standortzugriff auf Während der Nutzung begrenzen, Berechtigungen regelmäßig durchsehen und den Aktivitätsverlauf beim Konto abschalten.

Datenschutz auf dem Smartphone wird meistens als Abwehr gegen Angreifer erklärt. Das ist der kleinere Teil. Der größere läuft geordnet ab: Apps fragen Berechtigungen an, Nutzer bestätigen sie, und was danach passiert, deckt eine Datenschutzerklärung ab, die niemand liest. Wer hier etwas ändern will, muss nicht sicherer werden, sondern sparsamer.

Die Werbe-ID: der Schlüssel, der alles verbindet

Jedes Smartphone trägt eine Kennung, die für Werbezwecke gedacht ist und die jede App auslesen darf. Für sich genommen ist sie harmlos – sie besteht nur aus einer Zeichenfolge. Ihre Wirkung entsteht durch die Verknüpfung: Weil alle Apps dieselbe Kennung sehen, lassen sich Beobachtungen aus verschiedenen Apps demselben Gerät zuordnen. Aus einzelnen Fragmenten wird so ein zusammenhängendes Profil.

Der wirksame Gegenschritt ist einfach: Die Kennung lässt sich in den Einstellungen zurücksetzen oder ganz löschen. Ist sie gelöscht, erhalten Apps beim Auslesen keine gültige Kennung mehr, und die Verknüpfung über App-Grenzen hinweg entfällt. Auf Apple-Geräten übernimmt eine Abfrage diese Aufgabe, die beim ersten Start jeder App erscheint und die Verfolgung standardmäßig verweigert, solange man nicht ausdrücklich zustimmt.

Wo die Einstellung zu finden ist

Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller und Version – gesucht ist der Bereich Datenschutz und dort der Eintrag zu Werbung oder Werbe-ID. Wir nennen bewusst keinen exakten Klickweg, weil er sich mit jeder größeren Systemversion ändert. Die Funktion selbst gibt es auf beiden Plattformen.

Was tatsächlich etwas bringt

Datenschutzmaßnahmen nach Wirkung Gegenüberstellung: hilft: Werbe-ID löschen oder zurücksetzen – Unterbricht die Verknüpfung über App-Grenzen hinweg – größter Effekt pro Handgriff; hilft: Standortzugriff auf Während der Nutzung stellen – Verhindert dauerhafte Ortung im Hintergrund, ohne Funktionen zu verlieren; hilft: Aktivitätsverlauf im Konto abschalten – Betrifft Standort- und Suchverlauf, die sonst dauerhaft gespeichert werden; hilft: Berechtigungen halbjährlich durchsehen – Apps sammeln Rechte an, die sie beim ersten Start brauchten und längst nicht mehr; schadet: Nur die Cookie-Banner wegklicken – Betrifft den Browser, nicht die Apps – dort läuft die Erhebung weiter; schadet: Auf einen VPN-Dienst allein setzen – Verbirgt die Verbindung, nicht die Kennung – Apps erkennen das Gerät weiterhin. Datenschutzmaßnahmen nach Wirkung Sortiert nach dem Verhältnis von Aufwand zu Ertrag Werbe-ID löschen oder zurücksetzen Unterbricht die Verknüpfung über App-Grenzen hinweg – größter Effekt pro Handgriff Standortzugriff auf Während der Nutzung stellen Verhindert dauerhafte Ortung im Hintergrund, ohne Funktionen zu verlieren Aktivitätsverlauf im Konto abschalten Betrifft Standort- und Suchverlauf, die sonst dauerhaft gespeichert werden Berechtigungen halbjährlich durchsehen Apps sammeln Rechte an, die sie beim ersten Start brauchten und längst nicht mehr × Nur die Cookie-Banner wegklicken Betrifft den Browser, nicht die Apps – dort läuft die Erhebung weiter × Auf einen VPN-Dienst allein setzen Verbirgt die Verbindung, nicht die Kennung – Apps erkennen das Gerät weiterhin
Ein einziger Handgriff wirkt stärker als die Summe aller App-Einstellungen: Ohne Werbe-ID lassen sich Beobachtungen nicht mehr zusammenführen.

Berechtigungen: die Rechte, die man nicht mehr sieht

Beim ersten Start fragt eine App nach Zugriffen, die sie in dem Moment plausibel braucht. Was fehlt, ist der Rückblick: Nach zwei Jahren hat sich eine Sammlung von Rechten angehäuft, die niemand mehr überblickt. Beide Systeme bieten deshalb eine Übersicht nach Berechtigung statt nach App – der aufschlussreichere Weg: Sie sehen auf einen Blick, welche zwölf Apps Zugriff auf das Mikrofon haben, und nicht umgekehrt.

Zwei Berechtigungen verdienen besondere Aufmerksamkeit, weil sie weitreichende Kontrolle ermöglichen und von Schadsoftware gezielt angefragt werden: die Bedienungshilfen und die Erlaubnis, andere Apps zu überlagern. Beide sind für die allermeisten Anwendungen unnötig.

Der Standort ist die aussagekräftigste Spur

Kein anderes Datum verrät so viel wie der Aufenthaltsort über die Zeit: Wohnort, Arbeitsplatz, Gewohnheiten, Kontakte. Entsprechend lohnend ist die Einschränkung. Der Unterschied zwischen Immer und Während der Nutzung ist dabei größer, als er klingt – im ersten Fall meldet die App den Standort auch dann, wenn Sie sie seit Wochen nicht geöffnet haben.

Prüfen Sie zusätzlich, ob der Standortverlauf im Konto Ihres Systemanbieters aktiv ist. Er wird unabhängig von einzelnen Apps geführt und lässt sich abschalten und löschen.

Was Datenschutz nicht leisten kann

Keine dieser Einstellungen schützt vor dem, was Sie selbst freigeben. Wer in einer gefälschten Anmeldemaske sein Passwort einträgt, hat kein Datenschutzproblem, sondern ist auf Phishing hereingefallen. Und wer einer App weitreichende Rechte erteilt, hebelt jede Schutzeinstellung aus – deshalb ist die Berechtigungsprüfung wichtiger als jede zusätzliche Software.

Ebenso wenig ersetzt Datenschutz die Gerätesicherheit: Ohne aktuelle Sicherheitsupdates nützt die sparsamste Konfiguration wenig. Wie lange die einzelnen Hersteller liefern, zeigt der Markenvergleich.

In zehn Minuten erledigt

Die sechs Schritte in der Reihenfolge ihrer Wirkung Ablauf in 6 Schritten: Schritt 1 – Werbe-ID zurücksetzen oder löschen: Unterbricht die Verknüpfung von Beobachtungen über App-Grenzen hinweg; Schritt 2 – Standortzugriff auf Während der Nutzung stellen: Ausnahmen nur für Navigation und Notfall-Apps; Schritt 3 – Mikrofon und Kamera nach Berechtigung durchsehen: Die Ansicht nach Recht statt nach App deckt Überraschungen schneller auf; Schritt 4 – Aktivitäts- und Standortverlauf im Konto abschalten: Wird unabhängig von einzelnen Apps geführt und oft übersehen; Schritt 5 – Automatische Löschung alter Daten aktivieren: Wirkt dauerhaft, statt einmalig aufzuräumen; Schritt 6 – Ungenutzte Apps entfernen: Jede entfernte App ist eine Datenquelle weniger. Die sechs Schritte in der Reihenfolge ihrer Wirkung Zusammen etwa zehn Minuten – der erste Schritt allein bringt am meisten 1 Schritt 1 Werbe-ID zurücksetzen oder löschen Unterbricht die Verknüpfung von Beobachtungen über App-Grenzen hinweg 2 Schritt 2 Standortzugriff auf Während der Nutzung stellen Ausnahmen nur für Navigation und Notfall-Apps 3 Schritt 3 Mikrofon und Kamera nach Berechtigung durchsehen Die Ansicht nach Recht statt nach App deckt Überraschungen schneller auf 4 Schritt 4 Aktivitäts- und Standortverlauf im Konto abschalten Wird unabhängig von einzelnen Apps geführt und oft übersehen 5 Schritt 5 Automatische Löschung alter Daten aktivieren Wirkt dauerhaft, statt einmalig aufzuräumen 6 Schritt 6 Ungenutzte Apps entfernen Jede entfernte App ist eine Datenquelle weniger
Sortiert nach Wirkung, nicht nach Aufwand. Die ersten drei Schritte dauern zusammen wenige Minuten und decken den größten Teil ab.

Sparsamkeit schlägt Software

Weniger Apps mit weniger Rechten wirken zuverlässiger als jedes Schutzprogramm.

Was Schutz-Apps leisten Alle Ratgeber ansehen

Häufige Fragen zum Datenschutz am Handy

Was ist die Werbe-ID und warum ist sie wichtig?

Eine Kennung, die jedes Smartphone trägt und die alle Apps auslesen können. Für sich genommen ist sie harmlos. Weil aber alle Apps dieselbe Kennung sehen, lassen sich ihre Beobachtungen demselben Gerät zuordnen – erst dadurch entsteht aus Einzeldaten ein Profil.

Wie lösche ich die Werbe-ID?

In den Systemeinstellungen im Bereich Datenschutz, dort unter dem Eintrag zu Werbung. Je nach Version lässt sie sich zurücksetzen oder ganz löschen. Ist sie gelöscht, erhalten Apps beim Auslesen keine gültige Kennung mehr. Auf Apple-Geräten übernimmt die Abfrage beim ersten App-Start diese Aufgabe.

Was ist der Unterschied zwischen Immer und Während der Nutzung?

Bei Immer darf eine App Ihren Standort auch dann abrufen, wenn Sie sie gar nicht geöffnet haben – also dauerhaft im Hintergrund. Bei Während der Nutzung nur, solange die App aktiv ist. Für fast alle Anwendungen außer Navigation reicht die zweite Einstellung vollständig aus.

Welche Berechtigungen sind besonders heikel?

Die Bedienungshilfen und die Erlaubnis, andere Apps zu überlagern. Beide erlauben weitreichende Kontrolle über das Gerät und werden von Schadsoftware gezielt angefragt. Für normale Anwendungen sind sie fast nie erforderlich.

Ist es besser, Berechtigungen nach App oder nach Recht zu prüfen?

Nach Recht. Die Ansicht nach Berechtigung zeigt auf einen Blick, wie viele Apps Zugriff auf Mikrofon, Kamera oder Standort haben. Diese Perspektive deckt Überraschungen schneller auf als das Durchgehen einzelner Apps.

Hilft ein VPN beim Datenschutz?

Nur begrenzt. Ein VPN verbirgt, über welche Verbindung Sie unterwegs sind, aber nicht, welches Gerät Sie nutzen. Apps erkennen Sie weiterhin an der Werbe-ID und an Ihren Anmeldedaten. Gegen App-Tracking wirkt es deshalb kaum.

Reicht es, Cookie-Banner abzulehnen?

Für den Browser ja, für Apps nein. Cookies betreffen Webseiten; die Datenerhebung in Apps läuft über andere Wege und wird von der Cookie-Auswahl nicht berührt. Beide Bereiche müssen getrennt eingestellt werden.

Was passiert mit Daten, die schon erhoben wurden?

Sie bleiben zunächst bestehen. Viele Anbieter erlauben aber, gespeicherte Verläufe zu löschen und eine automatische Löschung nach drei, achtzehn oder sechsunddreißig Monaten einzurichten. Das ist sinnvoller als einmaliges Aufräumen, weil es dauerhaft wirkt.

Wie oft sollte ich meine Einstellungen prüfen?

Etwa halbjährlich und immer nach einem größeren Systemupdate. Updates führen gelegentlich neue Funktionen mit voreingestellter Zustimmung ein, und Apps fordern im Laufe der Zeit zusätzliche Rechte an, die beim ersten Start noch nicht nötig waren.

Quellen und Stand: Herstellerangaben der Support-Seiten von Apple und Samsung · Erfahrungswerte von Reparatur- und Datenrettungsbetrieben · eigene Einordnung. Stand dieser Seite: 23. Juli 2026.

Dieser Ratgeber ersetzt keine Reparaturberatung. Bei sichtbaren Schäden, ausgefallenen Funktionen oder Geräten mit wichtigen Daten ohne Sicherung ist der Gang in einen Fachbetrieb die sichere Wahl – Wartezeit verschlechtert das Ergebnis.