Ratgeber

Datenschutz auf dem Smartphone: was wirklich etwas bewirkt

Der meiste Datenabfluss am Smartphone ist legal: Apps erheben Daten auf Grundlage von Freigaben, die Nutzer selbst erteilt haben. Am meisten bewirkt ein Handgriff, den kaum jemand kennt – unter Android die Werbe-ID löschen, auf dem iPhone Tracking-Anfragen ablehnen; dann können Apps ihre Beobachtungen nicht mehr über diese Kennung zusammenführen. Danach zählen der Standortzugriff nur während der Nutzung, ein regelmäßiger Blick auf die Berechtigungen und die automatische Löschung des Kontoverlaufs.

Von Geprüft am 8 Min. Lesezeit

Mann sitzt in der Abenddämmerung auf einem Balkon mit Lichterkette und blickt nachdenklich auf sein Smartphone
KI-generiert

Datenschutz auf dem Smartphone wird meist als Abwehr gegen Hacker erklärt. Das ist der kleinere Teil. Der größere läuft geordnet ab: Apps fragen nach Berechtigungen, Nutzer tippen auf „Erlauben“, und was danach geschieht, deckt eine Datenschutzerklärung ab. Wer daran etwas ändern will, muss nicht technisch aufrüsten, sondern Freigaben zurücknehmen.

Das BSI erinnert daran, dass beim täglichen Umgang mit Apps verschiedene Parteien ins Spiel kommen, denen Sie Ihre Daten öffnen – selbst wenn nur Sie das Gerät benutzen. Dazu gehören der Anbieter der App, eingebundene Werbe- und Analysedienste und der Anbieter des Betriebssystems. Die gute Nachricht: Die wirksamsten Gegenmittel sind wenige Schalter, und beide Systeme haben sie eingebaut.

Verbreiteter IrrtumWer Cookie-Banner ablehnt und ein VPN nutzt, ist vor Tracking auf dem Handy geschützt.

Was stimmtCookie-Banner betreffen Websites, ein VPN verbirgt nur die Verbindung. Apps erkennen das Gerät weiterhin an der Werbe-ID und an Ihren Anmeldedaten.

Die Werbe-ID: die Kennung, die alles verbindet

Jedes Smartphone trägt eine Kennung für Werbezwecke. Unter Android stellt Google sie über die Play-Dienste bereit, auf dem iPhone heißt sie IDFA. Für sich genommen ist sie eine Zeichenfolge ohne Namen. Ihre Wirkung entsteht, weil viele Apps dieselbe Kennung lesen können: So lassen sich Beobachtungen aus verschiedenen Apps einem Gerät zuordnen.

Seit Android 12 können Sie die Werbe-ID in den Einstellungen löschen, je nach Gerät unter „Datenschutz“ oder „Google“ und dort „Werbung“. Laut Google erhalten Apps danach statt der ID nur noch eine Folge von Nullen. Auf dem iPhone müssen Apps seit iOS 14.5 fragen, bevor sie Sie über Apps und Websites anderer Unternehmen hinweg verfolgen. Lehnen Sie ab, kann der Entwickler die IDFA nicht abrufen; wer den Schalter „Apps erlauben, Tracking anzufordern“ ausschaltet, bekommt gar keine Anfragen mehr.

Rechtlich ist das Auslesen solcher Kennungen kein Selbstläufer. Nach § 25 des Telekommunikation-Digitale-Dienste-Datenschutz-Gesetzes (TDDDG) ist der Zugriff auf Informationen in Ihrem Endgerät nur mit Ihrer Einwilligung zulässig, außer er ist für den gewünschten Dienst unbedingt erforderlich. Das Einwilligungsfenster beim ersten Start einer App ist deshalb mehr als eine Formsache.

Datenschutz am Smartphone: was wirkt und was kaumGegenüberstellung: Wirkt: Werbe-ID löschen (Android) oder Tracking-Anfragen ablehnen (iPhone), Standort nur während der Nutzung, wo möglich ungefähr, Berechtigungen nach Recht statt nach App prüfen, Ungenutzten Apps Rechte automatisch entziehen lassen, Kontoverlauf mit automatischem Löschen – Wirkt kaum: Nur Cookie-Banner ablehnen – betrifft Websites, nicht Apps, Ein VPN allein – verbirgt die Verbindung, nicht das Gerät, Einmal aufräumen – Apps fordern mit Updates neue Rechte anDatenschutz am Smartphone: was wirkt und was kaumSortiert nach dem, was Apps tatsächlich erschwert wirdWirktWerbe-ID löschen (Android) oder Tracking-Anfragenablehnen (iPhone)Standort nur während der Nutzung, wo möglichungefährBerechtigungen nach Recht statt nach App prüfenUngenutzten Apps Rechte automatisch entziehenlassenKontoverlauf mit automatischem LöschenWirkt kaumNur Cookie-Banner ablehnen – betrifft Websites,nicht AppsEin VPN allein – verbirgt die Verbindung, nichtdas GerätEinmal aufräumen – Apps fordern mit Updates neueRechte anQuellen: Google, Apple, BSI – Stand Oktober 2026
Die linke Spalte kostet zusammen etwa zehn Minuten. Die rechte beruhigt, ändert an der Datenerhebung durch Apps aber wenig.

Der Standort verrät am meisten

Kein anderes Datum sagt so viel über einen Menschen wie sein Aufenthaltsort über die Zeit: Wohnung, Arbeitsplatz, Arztbesuche, Gewohnheiten. Beide Systeme lassen den Zugriff je App abstufen. Auf dem iPhone gibt es „Nie“, „Nächstes Mal oder beim Teilen fragen“, „Beim Verwenden der App“ und „Immer“. Android kennt unter anderem „Nur während der Nutzung der App“ und „Jedes Mal fragen“.

Für fast alle Apps reicht der Zugriff während der Nutzung; „Immer“ brauchen Navigation im Hintergrund oder Notfall-Apps. Zusätzlich lässt sich die Genauigkeit drosseln: Apple beschreibt den Schalter „Genauer Standort“, ohne den eine App nur den ungefähren Ort erhält. Einer Wetter-App genügt das vollständig.

Bei Google hat sich der frühere Standortverlauf grundlegend geändert. Die Zeitachse von Google Maps bezieht ihre Daten heute direkt vom Gerät und ist für Google-Konten standardmäßig deaktiviert. Wer eine Sicherung einschaltet, legt eine verschlüsselte Kopie auf Googles Servern ab. Prüfen Sie also vor allem, ob Sie die Zeitachse irgendwann selbst eingeschaltet haben.

Mehr Spuren hinterlassen bei vielen Nutzern die Web- & App-Aktivitäten im Google-Konto. Dort speichert Google laut eigener Hilfe Suchanfragen und Aktivitäten in Diensten wie der Google Suche und Google Maps, dazu den ungefähren Standort und die IP-Adresse des Geräts. Die Einstellung lässt sich deaktivieren, auf Wunsch zusammen mit dem Löschen des bisherigen Verlaufs, oder mit einer automatischen Löschung begrenzen. Das gilt auch für iPhone-Nutzer, die mit ihrem Google-Konto angemeldet sind.

Berechtigungen nach Recht prüfen, nicht nach App

Beim ersten Start fragt eine App nach Zugriffen, die in dem Moment plausibel klingen. Nach zwei Jahren hat sich eine Sammlung von Rechten angehäuft, die niemand mehr überblickt. Android kennt nach Angaben des BSI etwa 160 verschiedene Berechtigungen, eingeteilt in Gruppen und Sicherheitsstufen. Bei der Stufe „dangerous“ ist laut BSI ein Missbrauch möglich; gemeint sind Zugriffe wie auf Kontakte, Standort, Kamera, Mikrofon oder SMS.

Aufschlussreicher als der Blick auf einzelne Apps ist deshalb die Übersicht nach Berechtigung. Sie zeigt, welche Apps auf Mikrofon, Kamera, Kontakte oder Standort zugreifen dürfen. Eine Taschenlampen-App mit Zugriff auf Ihre Kontakte fällt dort sofort auf.

Die wirksamen Einstellungen auf beiden Systemen, Stand Oktober 2026
WasAndroidiPhoneWas es verhindert
Werbe-KennungWerbe-ID löschen (ab Android 12)„Apps erlauben, Tracking anzufordern“ ausschaltenVerknüpfung über App-Grenzen hinweg
Standort„Nur während der Nutzung der App“„Beim Verwenden der App“, „Genauer Standort“ ausOrtung im Hintergrund
Rechte im Überblick„Berechtigungsmanager“ unter DatenschutzListe unter „Datenschutz & Sicherheit“vergessene Zugriffe
Ungenutzte Apps„App-Aktivität bei Nichtnutzung stoppen“keine Automatik – App löschenDatenzugriff schlafender Apps
Google-KontoverlaufZeitraum für automatisches Löschen wählengilt ebenso, wenn Sie Google-Apps nutzendauerhafte Profile beim Anbieter

Zwei Berechtigungen verdienen besondere Vorsicht, weil Schadsoftware sie gezielt anfragt: die Bedienungshilfen und der Zugriff auf Benachrichtigungen. Android sperrt beide bei manchen Installationen zunächst als „eingeschränkte Einstellungen“ und gibt sie erst nach einem ausdrücklichen „Eingeschränkte Einstellungen zulassen“ frei. Google warnt selbst, dass Sie damit Apps Zugriff auf vertrauliche Informationen gewähren. Kommt die Aufforderung dazu aus einer Nachricht oder von einem Anrufer, ist das ein Alarmzeichen.

Nachsehen, wer zugreift: die Berichte der Systeme

Beide Systeme zeigen, was im Hintergrund passiert – man muss nur wissen, wo. Auf dem iPhone sammelt der App-Datenschutzbericht unter „Datenschutz & Sicherheit“, wie oft und wann eine App in den letzten sieben Tagen auf Standort, Fotos, Kamera, Mikrofon oder Kontakte zugegriffen hat. Er listet auch die Internetadressen, die Apps kontaktiert haben. Die Daten bleiben laut Apple verschlüsselt auf dem Gerät, erfasst wird erst ab dem Einschalten.

Android bietet im Berechtigungsmanager die Sicht nach Berechtigung und dazu Schalter für den Kamerazugriff und den Mikrofonzugriff. Wer sie ausschaltet, sperrt den Sensor, bis er ihn wieder freigibt. Für Freigaben an Personen gibt es auf dem iPhone ab iOS 16 die Sicherheitsprüfung, ebenfalls unter „Datenschutz & Sicherheit“.

Die Sicherheitsprüfung zeigt, wer Zugriff auf Ihre Daten und Ihren Standort hat und welche Geräte mit Ihrem Apple Account verbunden sind. Mit dem Notfall-Reset beendet sie alle Freigaben auf einmal; Voraussetzung ist die Zwei-Faktor-Authentifizierung. Apple führt die Funktion in seinem Leitfaden zur persönlichen Sicherheit – also für Menschen, die fürchten, dass jemand aus ihrem Umfeld Daten oder Standort mitverfolgt.

Nachfragen, was gespeichert ist: das Auskunftsrecht

Was ein Anbieter bereits über Sie gespeichert hat, müssen Sie nicht erraten. Artikel 15 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) gibt Ihnen ein Recht auf Auskunft und auf eine Kopie der Daten. Laut der Bundesbeauftragten für den Datenschutz braucht die Anfrage keine Begründung und ist grundsätzlich kostenlos. Sie empfiehlt, die Auskunft schriftlich oder in sicherer elektronischer Form anzufordern; antworten muss der Anbieter in der Regel innerhalb eines Monats (Art. 12 DSGVO).

Große Plattformen bieten dafür eigene Werkzeuge. Google stellt mit dem Datenexport eine Kopie aus Diensten wie Gmail, Fotos, Kalender und YouTube bereit, dazu Daten zur Kontoaktivität; je nach Menge dauert das Minuten bis einige Tage. Das Herunterladen löscht allerdings nichts auf Googles Servern. Wer Daten loswerden will, nutzt die Löschfunktionen aus dem Abschnitt zum Standort oder beruft sich ausdrücklich auf sein Recht auf Löschung.

Der halbjährliche Rundgang durch die Einstellungen

  1. Werbe-Kennung Unter Android die Werbe-ID löschen, auf dem iPhone Tracking-Anfragen abschalten.
  2. Standort Alle Apps mit „Immer“ durchgehen und auf die Nutzungszeit begrenzen.
  3. Mikrofon, Kamera, Kontakte In der Übersicht nach Berechtigung prüfen, wer zugreifen darf, und Unnötiges entziehen.
  4. Kontoverlauf In den Aktivitätseinstellungen des Google-Kontos einen Zeitraum für das automatische Löschen festlegen.
  5. Aufräumen Apps entfernen, die Sie seit Monaten nicht geöffnet haben – jede gelöschte App ist eine Datenquelle weniger.

Wiederholen Sie den Rundgang etwa halbjährlich und nach jedem großen Systemupdate. Updates bringen gelegentlich neue Funktionen mit eigener Voreinstellung, und Apps fordern mit der Zeit Rechte an, die sie beim ersten Start noch nicht brauchten.

Frau hält auf einer Parkbank ein Smartphone und legt einen Finger über die Kamera auf der Rückseite
Datenschutz beginnt bei den Freigaben: Welche App darf Kamera, Mikrofon und Standort nutzen? KI-generiert

Was keine Einstellung leisten kann

Keine dieser Einstellungen schützt vor dem, was Sie selbst eingeben. Wer in einer gefälschten Anmeldemaske sein Passwort einträgt, hat kein Datenschutzproblem, sondern ist auf Phishing hereingefallen. Ebenso wenig ersetzt Sparsamkeit die Gerätesicherheit: Ohne aktuelle Sicherheitsupdates nützt die beste Konfiguration wenig. Wie lange Hersteller liefern, steht im Ratgeber Update-Politik.

Manchmal geht es auch nicht um Werbung, sondern um eine Person im eigenen Umfeld. Wer vermutet, dass jemand heimlich Zugriff auf das eigene Handy hat, findet Anzeichen und Hilfe im Ratgeber Stalkerware erkennen. Für die Konten selbst ist die Zwei-Faktor-Anmeldung der wichtigste Schutz; bei der Wahl des Systems kann Datenschutz ein Kriterium sein, wie der Vergleich iPhone oder Android zeigt.

Nächster Schritt

Sparsamkeit schlägt Software: Weniger Apps mit weniger Rechten wirken zuverlässiger als jedes Schutzprogramm. Weitere Themen sammelt die Übersicht Ratgeber.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026. Menübezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller und Systemversion.

Häufige Fragen

Hört mein Handy mich ab, um mir Werbung zu zeigen?

Belastbare Belege für ein heimliches Dauerlauschen zu Werbezwecken gibt es bislang nicht. Beide Systeme zeigen in der Statusleiste ein Symbol, sobald eine App das Mikrofon nutzt. Treffsichere Werbung erklärt sich meist anders: über Standort, Suchanfragen, die Werbe-ID und Daten aus anderen Apps.

Soll ich die Werbe-ID zurücksetzen oder löschen?

Löschen wirkt stärker. Beim Zurücksetzen bekommt das Gerät eine neue Kennung, mit der Apps sofort ein neues Profil beginnen können; nach dem Löschen erhalten sie nur noch Nullen. Auf älteren Android-Versionen ohne Löschfunktion ist regelmäßiges Zurücksetzen der zweitbeste Weg.

Sind Apps aus dem offiziellen Store automatisch datenschutzfreundlich?

Nein. Die Stores prüfen vor allem auf Schadsoftware und Regelverstöße, nicht darauf, wie sparsam eine App mit Daten umgeht. Die Datenschutzangaben auf der Store-Seite macht der Entwickler selbst. Ein Blick darauf vor der Installation lohnt trotzdem, weil er zeigt, welche Daten die App überhaupt beansprucht.

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