SAR-Wert beim Handy: was die Zahl bedeutet
Kurzantwort
Der SAR-Wert – die spezifische Absorptionsrate – gibt an, wie viel Sendeleistung der Körper im ungünstigsten Fall aufnimmt, gemessen in Watt pro Kilogramm. Der Grenzwert liegt in der EU bei 2,0 W/kg für Kopf und Rumpf, für die Extremitäten bei 4,0 W/kg. Alle im Handel erhältlichen Geräte halten ihn nach Herstellerangaben ein; die Werte für über 4.000 Modelle stehen in einer Datenbank des Bundesamts für Strahlenschutz. Entscheidend ist der Zusatz „im ungünstigsten Fall“: Gemessen wird bei voller Sendeleistung. Im Alltag sendet ein Handy fast immer schwächer – und wie stark, hängt weniger vom Gerät ab als vom Empfang: Bei schlechter Versorgung dreht jedes Smartphone auf, bei gutem Empfang regelt es herunter.
Der SAR-Wert ist eine der wenigen Angaben im Datenblatt, die auf einer vorgeschriebenen Messung beruhen. Trotzdem wird er selten richtig gelesen: Er ist kein Maß für die Belastung im Alltag, sondern eine Obergrenze unter Laborbedingungen.
Was gemessen wird
Die spezifische Absorptionsrate beschreibt, wie viel Hochfrequenzleistung Körpergewebe aufnimmt und in Wärme umsetzt. Gemessen wird an einem Modell, bei maximaler Sendeleistung des Geräts und in festgelegten Positionen: am Kopf und am Körper. Für den Betrieb am Körper hat die EU-Kommission den Messabstand vereinheitlicht, damit die Angaben vergleichbar bleiben.
| Anwendungsfall | Grenzwert | Bedeutung |
|---|---|---|
| Betrieb am Kopf | 2,0 W/kg | Telefonieren mit dem Gerät am Ohr |
| Betrieb am Körper | 2,0 W/kg | Gerät in der Tasche, gemessen mit festgelegtem Abstand |
| Tragen an den Extremitäten | 4,0 W/kg | etwa am Handgelenk |
| Umweltzeichen Blauer Engel | 0,5 W/kg am Kopf | freiwillig, deutlich strenger als der Grenzwert |
Der Grenzwert von 2,0 W/kg geht auf eine Empfehlung der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung zurück, der sich die deutsche Strahlenschutzkommission und die EU Ende der neunziger Jahre angeschlossen haben. Er enthält einen Sicherheitsabstand zu der Schwelle, ab der überhaupt eine messbare Wirkung auftritt.
Warum der Empfang mehr entscheidet als das Gerät
Dies ist der Punkt, der in den meisten Ratgebern fehlt. Ein Smartphone regelt seine Sendeleistung laufend nach: Ist die Funkzelle nah und die Verbindung gut, sendet es mit einem Bruchteil des Maximums. Am Rand der Zelle, im Keller, im Aufzug oder im fahrenden Zug dreht es auf – und nähert sich dem Wert, den die Messung beschreibt.
Daraus folgt eine unbequeme Konsequenz für die Kaufberatung: Ein Gerät mit sehr niedrigem SAR-Wert, das dauerhaft in schlechter Versorgung betrieben wird, kann den Körper stärker belasten als ein Gerät mit höherem Wert bei gutem Empfang. Wer die eigene Belastung senken will, schaut deshalb zuerst auf die Versorgung am eigenen Wohn- und Arbeitsort – der Ratgeber zur Netzabdeckung zeigt, wie sich das prüfen lässt.
Derselbe Mechanismus erklärt übrigens, warum der Akku bei schlechtem Empfang schneller leer wird: Es ist dieselbe Sendeleistung, einmal als Strahlung und einmal als Stromverbrauch betrachtet – siehe Ratgeber zur Akkulaufzeit.
Was stimmt und was nicht
Wo die Werte zu finden sind
Der SAR-Wert steht in der Bedienungsanleitung, auf der Herstellerseite und bei vielen Geräten in den Einstellungen unter den rechtlichen Hinweisen. Systematisch vergleichbar wird es über die Datenbank des Bundesamts für Strahlenschutz, die seit 2002 gepflegt wird und inzwischen mehrere tausend Modelle umfasst.
Das Umweltzeichen Blauer Engel setzt für Mobiltelefone einen strengeren Maßstab als der Grenzwert: höchstens 0,5 W/kg am Kopf. Es umfasst zugleich Kriterien zu Energieeffizienz und Reparierbarkeit – eine Kombination, die es sonst nur im EU-Energielabel gibt, dort allerdings ohne die SAR-Angabe.
Was das Bundesamt zur Vorsorge empfiehlt
Zum Forschungsstand hält das Bundesamt für Strahlenschutz fest, dass unterhalb der Grenzwerte keine gesundheitlichen Wirkungen nachgewiesen sind. Offene Fragen sieht es vor allem bei sehr langer und intensiver Nutzung über viele Jahre. Aus diesem Grund empfiehlt es Vorsorge – nicht weil ein Schaden belegt wäre, sondern weil sich die Belastung mit geringem Aufwand senken lässt:
Was diese Seite nicht leistet
Sie erklärt eine Messgröße und gibt die Vorsorgeempfehlungen der zuständigen Behörde wieder. Sie bewertet keine gesundheitlichen Risiken und ersetzt keine ärztliche Beratung. Wer sich ausführlicher informieren möchte, findet beim Bundesamt für Strahlenschutz den aktuellen Forschungsstand in aufbereiteter Form.
5G und die Grenzwerte
Für 5G gelten dieselben Grenzwerte wie für die älteren Mobilfunkgenerationen; auch 5G-fähige Geräte müssen den SAR-Wert von 2,0 W/kg einhalten. Der technische Unterschied liegt woanders – was 5G Standalone von den Vorgängern trennt, steht im Ratgeber zu 5G Standalone. Für die Sendeleistung des Handys gilt auch hier: Ein dichter ausgebautes Netz bedeutet kürzere Funkstrecken und damit tendenziell geringere Sendeleistung der Endgeräte.
Der Empfang zählt mehr als das Modell
Wer die Belastung senken will, telefoniert bei gutem Empfang, hält Abstand und meidet lange Gespräche im Funkloch. Das wirkt stärker als jede Kaufentscheidung.
Versorgung am eigenen Ort prüfen Warum das auch den Akku betrifftHäufige Fragen zum SAR-Wert
Was ist der SAR-Wert?
Die spezifische Absorptionsrate. Sie gibt an, wie viel Hochfrequenzleistung Körpergewebe aufnimmt und in Wärme umsetzt, gemessen in Watt pro Kilogramm. Ermittelt wird sie an einem Modell bei maximaler Sendeleistung des Geräts, also im ungünstigsten Fall und nicht im normalen Betrieb.
Wie hoch ist der Grenzwert?
In der EU gelten 2,0 Watt pro Kilogramm für den Betrieb am Kopf und am Körper sowie 4,0 Watt pro Kilogramm für das Tragen an den Extremitäten. Der Wert geht auf eine internationale Empfehlung zurück, der sich die deutsche Strahlenschutzkommission und die EU Ende der neunziger Jahre angeschlossen haben.
Halten alle Handys den Grenzwert ein?
Nach Herstellerangaben ja, auch die Modelle mit den höchsten gemessenen Werten. Das Bundesamt für Strahlenschutz erhebt die Werte seit 2002 bei den Herstellern und veröffentlicht sie in einer Datenbank mit mehreren tausend Geräten.
Wo finde ich den SAR-Wert meines Geräts?
In der Bedienungsanleitung, auf der Herstellerseite und bei vielen Geräten in den Einstellungen unter den rechtlichen Hinweisen. Für einen Vergleich mehrerer Modelle ist die Datenbank des Bundesamts für Strahlenschutz die übersichtlichere Quelle.
Strahlen 5G-Handys stärker?
Nein, für alle Mobilfunkgenerationen gelten dieselben Grenzwerte, und auch 5G-fähige Geräte müssen sie einhalten. Ein dichter ausgebautes Netz führt tendenziell sogar zu geringerer Sendeleistung der Endgeräte, weil die Funkstrecken kürzer werden.
Bedeutet ein niedriger SAR-Wert automatisch weniger Belastung?
Nur bei gleichen Bedingungen. Da ein Handy seine Sendeleistung dem Empfang anpasst, kann ein Gerät mit niedrigem Wert bei dauerhaft schlechter Versorgung stärker belasten als eines mit höherem Wert bei gutem Empfang. Die Versorgung am Ort wiegt im Alltag schwerer als das Modell.
Was empfiehlt das Bundesamt für Strahlenschutz?
Vorsorge mit einfachen Mitteln: bei gutem Empfang telefonieren, Abstand halten durch Headset oder Freisprechfunktion, lange Gespräche nicht im Funkloch führen und beim Kauf bei sonst gleichwertigen Geräten das mit dem niedrigeren SAR-Wert wählen. Für Kinder empfiehlt es zusätzlich, die Nutzungsdauer bewusst zu begrenzen.
Sind gesundheitliche Schäden nachgewiesen?
Das Bundesamt für Strahlenschutz hält fest, dass unterhalb der Grenzwerte keine gesundheitlichen Wirkungen nachgewiesen sind, und sieht offene Fragen vor allem bei sehr langer und intensiver Nutzung über viele Jahre. Aus diesem Grund empfiehlt es Vorsorgemaßnahmen, ohne ein belegtes Risiko zu behaupten.
Helfen Schutzhüllen oder Aufkleber gegen Strahlung?
Nein. Produkte, die Abschirmung versprechen, können die Verbindung stören, woraufhin das Gerät die Sendeleistung erhöht – der Effekt kehrt sich also um. Wirksam sind Abstand und guter Empfang, nicht Zubehör.
Was bedeutet der Blaue Engel für Handys?
Ein freiwilliges Umweltzeichen mit strengeren Anforderungen als der gesetzliche Grenzwert: höchstens 0,5 Watt pro Kilogramm am Kopf. Es umfasst zusätzlich Kriterien zu Energieeffizienz, Produktionskreislauf und Reparierbarkeit, wird aber nur von wenigen Modellen erfüllt.
Quellen und Stand: Angaben des Bundesamts für Strahlenschutz zu SAR-Werten, Grenzwerten und Vorsorgeempfehlungen sowie dessen SAR-Datenbank (Erhebung bei den Herstellern seit 2002) · Empfehlung der Internationalen Kommission zum Schutz vor nichtionisierender Strahlung zum Höchstwert von 2 W/kg · Vergabekriterien des Umweltzeichens Blauer Engel für Mobiltelefone · eigene Einordnung. Stand dieser Seite: 25. Juli 2026.
Diese Seite erklärt eine Messgröße und gibt die Empfehlungen der zuständigen Behörde wieder. Sie nimmt keine gesundheitliche Bewertung vor und ersetzt keine ärztliche Beratung. Für die Richtigkeit der Herstellerangaben in der SAR-Datenbank übernimmt das Bundesamt für Strahlenschutz ausdrücklich keine Gewähr.