Ratgeber

Akkulaufzeit beim Smartphone: was das EU-Label wirklich sagt

Vergleichbar ist die Akkulaufzeit erst seit dem 20. Juni 2025: Das EU-Energielabel nennt für jedes neue Smartphone die Laufzeit je Ladung in Stunden und Minuten und die Zahl der Ladezyklen, bis der Akku auf 80 Prozent seiner Kapazität fällt – mindestens 800. Aus dieser Zahl und Ihrem Ladeverhalten lässt sich abschätzen, wann der Akku nachlässt: Mit „≥ 1.000“ Zyklen und einer vollen Ladung pro Tag sind es rund 2,7 Jahre.

Von Geprüft am 8 Min. Lesezeit

Frau sitzt abends im Schneidersitz auf dem Sofa mit einem Smartphone, neben ihr liegt ein Ladekabel
KI-generiert

Die Kapazität in Milliamperestunden steht auf jedem Datenblatt, sagt aber wenig darüber, wie lange ein Handy durchhält. Seit dem 20. Juni 2025 gibt es eine bessere Grundlage. Jedes neue Smartphone in der EU trägt ein Energielabel mit zwei gemessenen Akku-Angaben. Die eine ist die Laufzeit je Ladung, die andere die Zahl der Ladezyklen, bis der Akku auf 80 Prozent seiner Kapazität fällt. Der Rechner übersetzt die zweite Angabe in Jahre.

Akku-Zyklen-Rechner

Wann hat mein Akku nur noch 80 Prozent?

Mit der Zyklenzahl vom EU-Energielabel. Gerechnet wird im Browser.

So arbeitet der Rechner: Sie tragen die Zyklenangabe vom Label ein, etwa „≥ 1.000“, und wie oft Sie an einem typischen Tag laden, gerechnet in vollen Ladungen. Der Rechner teilt die Zyklen durch Ihre Ladungen pro Jahr und zeigt, nach wie vielen Jahren der Akku etwa 80 Prozent seiner ursprünglichen Kapazität erreicht. Rechenweg und Beispiele stehen weiter unten, sodass Sie die Rechnung auch ohne Rechner nachvollziehen können.

Verbreiteter IrrtumDie Stunden auf dem EU-Label zeigen, wie lange man das Handy aktiv nutzen kann

Was stimmtIm Prüfzyklus ruht das Gerät 120 von 150 Minuten. Der Wert dient dem Vergleich zwischen Modellen, nicht als Bildschirmzeit.

Die zwei Akku-Angaben auf dem Label

Das Label nennt neben Energieeffizienz, Falltest, Reparierbarkeit und Schutzart zwei Werte zum Akku. Beide stammen aus Prüfungen, deren Ablauf die EU in der Delegierten Verordnung (EU) 2023/1669 festgelegt hat. Über den QR-Code auf dem Label gelangen Sie zur EU-Produktdatenbank EPREL mit allen Angaben des Modells. Dort lassen sich auch einzelne Modelle gezielt suchen. Im Laden muss das Label beim Gerät liegen; in Onlineshops steht meist nur ein farbiger Pfeil mit der Effizienzklasse, hinter dem sich per Klick das ganze Label öffnet.

Die Akku-Angaben des EU-Energielabels für Smartphones
AngabeWas gemessen wirdWie sie auf dem Label stehtWas sie nicht sagt
Laufzeit je LadungLaufzeit von 100 Prozent bis zum Abschalten in einem festen PrüfzyklusStunden und Minutenwie lange der Akku bei Ihrer Nutzung hält
Laufzeit in ZyklenZahl der vollen Ladezyklen, bis die Kapazität auf 80 Prozent fälltauf volle Hundert abgerundet, in Stufen von „≥ 800“ bis „≥ 1.400“wie stark Wärme und Zeit den Akku altern lassen
Mindestwert nach Ökodesign800 Zyklen mit mindestens 80 Prozent RestkapazitätPflicht für alle neuen Geräte–

Der Mindestwert von 800 Zyklen stammt aus der Ökodesign-Verordnung (EU) 2023/1670. Ein Modell mit „≥ 1.200“ hat im Test also deutlich mehr geschafft als das Pflichtmaß. Was die übrigen Felder bedeuten, erklärt der Ratgeber zum EU-Energielabel.

So entsteht die Stundenangabe

Für die Laufzeit je Ladung startet das Gerät voll geladen und durchläuft immer wieder dieselbe Runde, bis es sich abschaltet. Die Helligkeit ist dabei auf 200 Candela je Quadratmeter eingestellt, Stromsparfunktionen und Dunkelmodus sind aus, die Bildwiederholrate steht auf dem Standardwert. Eine Runde dauert 150 Minuten.

Eine Runde im Prüfzyklus des EU-LabelsBalkendiagramm: Inaktivität (viermal 30 Minuten): 120 min; Web-Surfen: 9 min; Daten hoch- und herunterladen: 8 min; Telefonanruf: 4 min; Videostreaming: 4 min; Videowiedergabe: 4 min; Computerspiel: 1 minEine Runde im Prüfzyklus des EU-LabelsMinuten je Tätigkeit; die Runde wiederholt sich von 100 Prozent bis zum AbschaltenInaktivität (viermal 30Minuten)120 minWeb-Surfen9 minDaten hoch- und herunterladen8 minTelefonanruf4 minVideostreaming4 minVideowiedergabe4 minComputerspiel1 minQuelle: Delegierte Verordnung (EU) 2023/1669, Anhang IV
Von 150 Minuten je Runde sind 120 Minuten Ruhe. Deshalb liegt der Laborwert weit über der Zeit, die ein Display am Tag leuchtet.

Nachgerechnet: Von 150 Minuten je Runde sind 120 Minuten Inaktivität, nur 30 Minuten entfallen auf Telefonieren, Surfen, Video, Spiel und Datenübertragung. Zeigt das Label 50 Stunden, hat das Gerät 20 Runden geschafft – mit 10 Stunden aktiver Nutzung und 40 Stunden Ruhe. Wer sein Handy viel nutzt, kommt deshalb auf deutlich weniger. Die EU-Kommission weist selbst darauf hin, dass die Laufzeit im Alltag von Apps, Helligkeit, Netzbedingungen und Signalstärke abhängt. Für den Vergleich zweier Modelle taugt der Wert trotzdem, weil alle nach demselben Ablauf geprüft werden. Die Zahlen auf dem Label meldet der Hersteller selbst; die Marktüberwachungsbehörden können sie nach einem festgelegten Verfahren nachprüfen.

Warum Milliamperestunden allein wenig sagen

Wie lange eine Ladung reicht, hängt nicht nur davon ab, wie viel Energie im Akku steckt, sondern auch davon, wie sparsam das Gerät damit umgeht. Genau das misst die Energieeffizienzklasse auf dem Label. Sie ergibt sich aus der gemessenen Laufzeit, geteilt durch Nennspannung mal Nennkapazität des Akkus – also aus der Laufzeit je gespeicherter Energie. Ein Gerät mit kleinerem Akku kann deshalb eine bessere Klasse erreichen als eines mit großem, wenn Display, Chip und Software sparsamer arbeiten.

Für die Kaufentscheidung heißt das: Die Milliamperestunden sagen, wie groß der Tank ist, die Effizienzklasse, wie sparsam der Motor fährt. Die Laufzeit je Ladung fasst beides zusammen, und die Zyklenangabe verrät, wie lange der Tank seine Größe behält.

Rechenweg: vom Label zu den Jahren

Ein Ladezyklus entspricht einer vollen Ladung von 0 auf 100 Prozent – in einem Schritt oder in mehreren. So definiert es auch die EU-Kommission in ihrer Information für Verbraucher. Zweimal von 50 auf 100 Prozent zu laden, ergibt also einen Zyklus. Die Rechnung hat zwei Schritte:

  1. Zyklen pro Tag = täglich nachgeladene Prozent geteilt durch 100
  2. Jahre bis etwa 80 Prozent = Zyklenangabe auf dem Label geteilt durch (Zyklen pro Tag mal 365)

Ein Beispiel: Sie laden morgens von 25 auf 100 Prozent und abends noch einmal 15 Prozent nach. Das sind 90 Prozent oder 0,9 Zyklen am Tag. Bei einem Gerät mit „≥ 1.000“ ergibt das 1.000 geteilt durch 328,5 – also rund 3,0 Jahre. Mit einem Akku der Stufe „≥ 1.400“ wären es 4,3 Jahre.

Jahre bis etwa 80 Prozent Kapazität nach Zyklenangabe und Ladeverhalten (eigene Rechnung)
Label0,5 Zyklen am Tag0,8 Zyklen1 Zyklus1,5 Zyklen
≥ 8004,42,72,21,5
≥ 1.0005,53,42,71,8
≥ 1.2006,64,13,32,2
≥ 1.4007,74,83,82,6
Jahre bis 80 Prozent bei einer vollen Ladung pro TagBalkendiagramm: Label ≥ 800 Zyklen: 2,2 Jahre; Label ≥ 1.000 Zyklen: 2,7 Jahre; Label ≥ 1.200 Zyklen: 3,3 Jahre; Label ≥ 1.400 Zyklen: 3,8 JahreJahre bis 80 Prozent bei einer vollen Ladung pro TagZyklenangabe des EU-Labels geteilt durch 365 Ladezyklen im JahrLabel ≥ 800 Zyklen2,2 JahreLabel ≥ 1.000 Zyklen2,7 JahreLabel ≥ 1.200 Zyklen3,3 JahreLabel ≥ 1.400 Zyklen3,8 JahreEigene Rechnung nach den Zyklenstufen der Delegierten Verordnung (EU) 2023/1669
Wer seltener voll lädt, kommt entsprechend länger hin. Die Rechnung erfasst nur den Verschleiß durch Ladezyklen, nicht durch Zeit und Wärme.

Wo die Rechnung an Grenzen stößt

  • Die Angabe ist ein Mindestwert. Die gemessene Zyklenzahl wird auf volle Hundert abgerundet. Ein Akku mit „≥ 1.000“ kann im Test auch 1.090 Zyklen geschafft haben.
  • Das Labor ist nicht Ihr Alltag. Geprüft wird mit dem Standard-Ladeverfahren des Herstellers. Hitze, häufiges Schnellladen und ungünstige Ladegewohnheiten lassen den Akku schneller altern; die Hersteller müssen diese Faktoren seit Juni 2025 in ihren Anleitungen erklären.
  • Auch die Zeit zählt. Ein Akku altert nicht nur durch Ladezyklen. Wer wenig lädt, sollte die Rechnung deshalb nicht beliebig in die Zukunft verlängern – über das Ende der Updates hinaus nützt sie ohnehin wenig.
  • 80 Prozent sind keine Grenze zum Defekt. Danach läuft das Gerät weiter, nur kürzer. Ob sich dann ein Akkutausch lohnt, hängt vor allem an der Restlaufzeit der Updates.
  • Ältere Geräte haben keine Zyklenangabe. Für Geräte, die vor dem 20. Juni 2025 in Verkehr gebracht wurden, gibt es kein Label. Hier hilft nur der Akkuzustand in den Einstellungen.

Akkuzustand ablesen und schonen

Für neue Smartphones schreibt die Ökodesign-Verordnung vor, dass Nutzer vier Werte aus dem Batteriemanagement abrufen können. Es sind das Herstellungsdatum des Akkus, das Datum der ersten Nutzung, die Zahl der vollen Ladezyklen und der Akkuzustand in Prozent der Nennkapazität. Für den Rechner ist das ein guter Ausgangspunkt. Teilen Sie die bisherigen Zyklen durch die Tage seit der ersten Nutzung, kennen Sie Ihre persönlichen Zyklen pro Tag.

Ein Beispiel: Das Handy meldet 310 volle Ladezyklen, die erste Nutzung liegt 400 Tage zurück. Das sind rund 0,78 Zyklen am Tag. Bei einem Akku mit „≥ 1.000“ bleiben bis zur 80-Prozent-Marke noch etwa 690 Zyklen. Geteilt durch 0,78 mal 365 ergibt das knapp zweieinhalb Jahre. Passt dieser Zeitpunkt nicht zum Ende der Update-Versorgung, wissen Sie früh, ob irgendwann ein Akkutausch ansteht.

Außerdem muss jedes neue Gerät eine wählbare Ladeoption anbieten, die bei 80 Prozent stoppt. Ist ein Akku voll, darf er standardmäßig erst wieder geladen werden, wenn er unter 95 Prozent fällt. Wer die 80-Prozent-Grenze nutzt, verlängert nach Angabe der EU die Lebensdauer des Akkus. Mehr zu Wärme und Ladetempo steht im Ratgeber Schnellladen.

Was die Laufzeit im Alltag frisst

Für die Laufzeit einer einzelnen Ladung zählen vor allem Display und Empfang. Eine helle, schnell aktualisierte Anzeige verbraucht viel; ein Handy am Rand der Funkzelle sendet mit hoher Leistung. Bricht die Laufzeit plötzlich ein, steckt meist eine App oder ein schlechter Standort dahinter – die Ursachen ordnet die Hilfe-Seite Akku schnell leer. Wie stark das Display ins Gewicht fällt, erklärt der Ratgeber OLED und AMOLED.

Was Laufzeit kostet und was kaum ins Gewicht fällt Gegenüberstellung: hilft: Helligkeit des Displays – Der größte Einzelposten – jede Stufe weniger wirkt sofort und dauerhaft; hilft: Schlechter Empfang – Bei einem Balken sendet das Gerät mit voller Leistung und sucht ständig nach; hilft: Bildwiederholrate und Auflösung – 120 Hz und die höchste Auflösung kosten spürbar, oft ohne sichtbaren Gewinn; hilft: Standort im Hintergrund – Dauerhafte Ortung durch mehrere Apps summiert sich über den Tag; schadet: Apps aus dem Speicher wischen – Kostet Strom, statt welchen zu sparen – der Neustart der App ist teurer; schadet: Bluetooth dauerhaft ausschalten – Moderne Funkmodule verbrauchen im Leerlauf sehr wenig – der Aufwand lohnt nicht. Was Laufzeit kostet und was kaum ins Gewicht fällt Sortiert nach Wirkung im Alltag, nicht nach Verbreitung des Ratschlags ✓ Helligkeit des Displays Der größte Einzelposten – jede Stufe weniger wirkt sofort und dauerhaft ✓ Schlechter Empfang Bei einem Balken sendet das Gerät mit voller Leistung und sucht ständig nach ✓ Bildwiederholrate und Auflösung 120 Hz und die höchste Auflösung kosten spürbar, oft ohne sichtbaren Gewinn ✓ Standort im Hintergrund Dauerhafte Ortung durch mehrere Apps summiert sich über den Tag × Apps aus dem Speicher wischen Kostet Strom, statt welchen zu sparen – der Neustart der App ist teurer × Bluetooth dauerhaft ausschalten Moderne Funkmodule verbrauchen im Leerlauf sehr wenig – der Aufwand lohnt nicht
Die vier wirksamen Punkte betreffen alle dasselbe: Wie hell und wie oft das Gerät sendet oder leuchtet. Der Rest ist Kosmetik.
Wanderer rastet auf einem Felsen am Bergweg und hält ein Smartphone, im Hintergrund ein weites Tal
Unterwegs mit schwachem Empfang sinkt die Laufzeit schneller, als das Label vermuten lässt. KI-generiert

Beim Kauf: welche Zahl zählt

Vergleichen Sie beim Neukauf zuerst die Zyklenangabe und dann die Laufzeit je Ladung. Die Milliamperestunden helfen nur beim Vergleich ähnlicher Geräte. Achten Sie darauf, dass beide Modelle ein Label haben: Restposten, die vor dem 20. Juni 2025 in Verkehr gebracht wurden, dürfen ohne Label verkauft werden. Bei gebrauchten und aufbereiteten Geräten zählt der Akkuzustand mehr als jedes Datenblatt; worauf Sie achten sollten, steht in den Ratgebern Gebrauchtes Handy kaufen und Refurbished oder neu.

Wenn der Akku nachlässt

Unter etwa 80 Prozent Akkuzustand wird ein Tausch interessant – sofern das Gerät noch Updates bekommt.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026. Die Tabelle der Jahre ist eine eigene Rechnung auf Grundlage der Zyklenstufen des Labels.

Häufige Fragen

Wo sehe ich, wie viele Ladezyklen mein Handy schon hat?

Bei Geräten, die seit dem 20. Juni 2025 neu in Verkehr gebracht werden, müssen Zyklenzahl und Akkuzustand für Nutzer abrufbar sein, meist in den Einstellungen unter Akku oder Batterie. Den Prüfwert des Modells finden Sie auf dem EU-Label oder in der EU-Datenbank EPREL.

Zählt jedes Aufladen als ein Ladezyklus?

Nein. Ein Zyklus entspricht einer vollen Ladung von 0 auf 100 Prozent, auch wenn sie sich auf mehrere Teilladungen verteilt. Wer zweimal von 50 auf 100 Prozent lädt, hat einen Zyklus verbraucht.

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