Ratgeber

Notruf mit dem Handy: was ohne SIM, ohne Netz und ohne Sprache geht

Wählen Sie 110 für die Polizei und 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst – kostenlos, auch ohne Guthaben und bei gesperrtem Vertrag. Ohne eingelegte, betriebsbereite SIM-Karte oder eSIM ist ein Handy-Notruf in Deutschland dagegen nicht möglich; die Notrufverordnung schließt das aus. Ist Ihr eigenes Netz weg, stellt ein fremdes Netz die 112 durch. Beim Anruf schickt das Smartphone seinen Standort automatisch an die Leitstelle, und wer nicht sprechen kann, nutzt die App nora.

Von Geprüft am 8 Min. Lesezeit

Junge Frau steht von hinten gesehen in der Dämmerung an einer Landstraße und telefoniert, neben ihr liegt ein Fahrrad im Gras
KI-generiert

Zwei Nummern muss jeder kennen: 110 für die Polizei, 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst. Die 112 gilt in der ganzen EU und ist kostenlos. Rund um diese Nummern kursieren aber Irrtümer, die im Ernstfall Zeit kosten – allen voran der über die SIM-Karte.

Verbreiteter IrrtumEinen Notruf kann man mit jedem Handy absetzen, auch ganz ohne SIM-Karte.

Was stimmtIn Deutschland nicht: Seit dem 1. Juli 2009 sind Notrufe von Mobiltelefonen ohne Mobilfunkkarte unzulässig, so steht es in § 4 der Notrufverordnung. Eine leere Prepaid-Karte oder ein wegen Zahlungsverzug gesperrter Vertrag reichen dagegen aus.

Welche Nummer wofür

Im Zweifel ist die 112 nie falsch. Nach Angaben der EU-Kommission kümmert sich die Leitstelle selbst um den Fall oder leitet den Anruf an den passenden Notdienst weiter. Trotzdem spart die richtige Nummer einen Umweg.

Notruf- und Servicenummern in Deutschland, Stand Oktober 2026
NummerWer sich meldetWofür
110PolizeiStraftaten, Bedrohung, Gefahr durch andere Menschen
112Feuerwehr und RettungsdienstBrände, Unfälle, medizinische Notfälle; gilt EU-weit
116 117Ärztlicher BereitschaftsdienstErkrankungen, die nicht lebensbedrohlich sind, aber nicht bis zum nächsten Tag warten können
116 116Sperr-NotrufBankkarten, Online-Banking und Online-Ausweis sperren

Wann der Notruf klappt und wann nicht

Die Notrufverordnung regelt genau, wann ein Handy-Notruf durchkommen muss. Sie wurde zuletzt im Mai 2024 geändert, die Regeln zur SIM-Karte gelten unverändert. Die Tabelle übersetzt die Paragrafen in Alltagssituationen.

Handy-Notruf in Deutschland nach Situation, Stand Oktober 2026
SituationNotruf möglich?Grundlage
Prepaid-Karte ohne Guthabenja§ 4 Abs. 3 Notrufverordnung
Vertrag wegen Zahlungsverzug gesperrtja§ 4 Abs. 3 Notrufverordnung
Anschluss endgültig aufgehobennein§ 4 Abs. 3 Notrufverordnung
Handy ohne SIM-Karte und ohne eSIMnein§ 4 Abs. 8 Nr. 1 Notrufverordnung
Eigenes Netz ohne Empfang, ein anderes Netz verfügbarja, über die 112§ 4 Abs. 8 Nr. 2 Notrufverordnung
Kein Mobilfunk, aber WLANja, mit der vorher eingerichteten App nora; nicht per WLAN CallAngaben der Länder zu nora, Angaben von o2 und Vodafone
Weder Mobilfunk noch WLAN, freier Himmelbei einigen Modellen per SatellitAngaben von Apple und Google
Telefon, das nur 2G beherrscht, nach der 2G-Abschaltungneinkein passendes Netz mehr

Die Pflicht zur SIM-Karte hat einen Grund: Bis 2009 ließ sich die 112 auch ohne Karte wählen. Nach Angaben der Notrufabfragestellen waren damals über 80 Prozent dieser Anrufe missbräuchlich, und ermitteln ließ sich der Anrufer nicht. Seitdem muss eine betriebsbereite Karte im Gerät stecken, damit die Leitstelle eine Rufnummer sieht. Den Missbrauch von Notrufen bestraft § 145 StGB mit bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Im Funkloch die 112 wählen

Hat Ihr eigenes Netz an einem Ort keinen Empfang, müssen die anderen Netzbetreiber Notrufe unter 112 auch für Kunden fremder Netze durchstellen. Die Verordnung garantiert das ausdrücklich für die 112. Steht im Display „Nur Notrufe“ oder „SOS“, wählen Sie deshalb die 112 und nicht die 110, auch wenn eigentlich die Polizei gebraucht wird. Was hinter „Nur Notrufe“ stecken kann, erklärt die Hilfe-Seite Kein Netz; dauerhafte Lücken lassen sich über den Ratgeber Funkloch melden.

WLAN Call ersetzt den Mobilfunk beim Notruf nicht. Nach Angaben von o2 und Vodafone laufen Notrufe nicht über die WLAN-Telefonie; das Handy sucht dafür automatisch ein Mobilfunknetz. Die Regeln je Netz vergleicht der Ratgeber VoLTE und WLAN Call.

Wie die Leitstelle erfährt, wo Sie sind

Früher kannte die Leitstelle nur die Funkzelle, aus der ein Notruf kam. Auf dem Land kann das ein Gebiet von mehreren Kilometern sein. Heute schickt das Smartphone seinen Standort selbst mit; das Verfahren heißt Advanced Mobile Location, kurz AML. Ein Pilotbetrieb startete im Herbst 2019 bei der Integrierten Leitstelle Freiburg, die Ortungsdaten seitdem bundesweit verarbeitet.

Sie müssen dafür nichts einstellen: Wählen Sie 112, schalten sich laut Telekom im Hintergrund automatisch GPS und WLAN-Ortung ein. Das funktioniert auf iPhones ab iOS 11.3 und auf Android-Geräten ab Version 4. Die Daten werden verschlüsselt übertragen, nur nach einem eingegangenen Notruf abgerufen und spätestens nach 60 Minuten gelöscht. Ein Bewegungsprofil entsteht nach Angaben der Polizei nicht.

Was nach dem Wählen der 112 passiertAblauf in 6 Schritten: Wählen – Sie rufen 110 oder 112 an: Kostenlos, auch ohne Guthaben – aber nur mit betriebsbereiter SIM oder eSIM.; Netz – Die zuständige Leitstelle wird bestimmt: Das Netz leitet den Notruf nach dem Standort an die örtlich zuständige Stelle.; Handy – Ortung startet im Hintergrund: GPS und WLAN-Ortung schalten sich bei der 112 automatisch ein.; Server – Position geht verschlüsselt an AML: Bei der 112 bundesweit, bei der 110 in immer mehr Ländern.; Leitstelle – Abruf nur zum laufenden Notruf: Dazu kommen Rufnummer und Anbieterkennung, auch bei unterdrückter Nummer.; 60 Minuten – Die Ortungsdaten werden gelöscht: Ein Bewegungsprofil entsteht nach Angaben der Polizei nicht.Was nach dem Wählen der 112 passiertStandort und Rufnummer kommen automatisch bei der Leitstelle an123456WählenSie rufen 110 oder 112 anKostenlos, auch ohne Guthaben – aber nur mit betriebsbereiter SIM oder eSIM.NetzDie zuständige Leitstelle wird bestimmtDas Netz leitet den Notruf nach dem Standort an die örtlich zuständige Stelle.HandyOrtung startet im HintergrundGPS und WLAN-Ortung schalten sich bei der 112 automatisch ein.ServerPosition geht verschlüsselt an AMLBei der 112 bundesweit, bei der 110 in immer mehr Ländern.LeitstelleAbruf nur zum laufenden NotrufDazu kommen Rufnummer und Anbieterkennung, auch bei unterdrückter Nummer.60 MinutenDie Ortungsdaten werden gelöschtEin Bewegungsprofil entsteht nach Angaben der Polizei nicht.Quellen: Notrufverordnung § 4, Deutsche Telekom, Polizei, connect – Stand Oktober 2026
Der automatisch übermittelte Standort ergänzt Ihre Angaben. Sagen Sie trotzdem immer zuerst, wo es passiert ist.

Bei der 112 ist AML bundesweit in den Mobilfunknetzen und Leitstellen eingeführt. Bei der Polizeinummer 110 kommt es schrittweise, weil jedes Land eigene rechtliche Grundlagen braucht. Laut Vodafone hatten im Februar 2026 mindestens 13 Bundesländer die Voraussetzungen geschaffen oder testeten die Technik.

Unabhängig von AML übermittelt der Netzbetreiber bei jedem Notruf drei Angaben: Ihre Rufnummer, Angaben zum Standort des Geräts und eine Kennung des Anbieters. Das schreibt § 4 Absatz 4 der Notrufverordnung vor, und zwar auch dann, wenn Sie Ihre Nummer sonst unterdrücken. Wie die Unterdrückung im Alltag funktioniert, steht unter Nummer unterdrücken. Welche Leitstelle den Anruf bekommt, entscheidet das Netz ebenfalls anhand des Standorts: Der Notruf geht an die örtlich zuständige Stelle.

So melden Sie einen Notfall richtig

Die Leitstelle führt Sie mit Fragen durch das Gespräch. Wer die Reihenfolge kennt, spart trotzdem Sekunden. Das Innenministerium Baden-Württemberg nennt als Meldepunkte Name und Standort, Ereignisort, Ereignisbeschreibung und die Zahl der Verletzten.

  1. Wo ist es passiert? Ort, Straße, Hausnummer oder ein markanter Punkt. Der automatisch übermittelte Standort ergänzt diese Angabe, er ersetzt sie nicht.
  2. Was ist passiert? Unfall, Brand, Sturz, Gewalt – in einem Satz.
  3. Wie viele Verletzte? Dazu die Verletzungen, die Sie erkennen können.
  4. Wer ruft an? Ihr Name und eine Nummer für Rückfragen.
  5. Warten Legen Sie erst auf, wenn die Leitstelle das Gespräch beendet. Oft folgen Rückfragen oder Anleitungen zur Ersten Hilfe.

Notruf aus Versehen

Smartphones lösen auf Tastendruck einen Notruf aus, etwa wenn man eine Taste mehrmals schnell drückt. Das rettet Leben, erzeugte aber viele ungewollte Anrufe aus Hosentaschen. Nach Angaben von Vodafone sank der Anteil dieser Hosentaschen-Notrufe von zeitweise 30 Prozent auf unter fünf Prozent.

Ist es doch passiert, bleiben Sie in der Leitung und sagen kurz, dass kein Notfall vorliegt. In den Einstellungen unter „Notruf SOS“ beim iPhone oder „Sicherheit und Notfall“ bei vielen Android-Geräten sehen Sie, welche Tastenkombination einen Notruf auslöst.

Notruf ohne Sprache: nora, Fax und Gebärdensprache

Nicht jeder kann im Notfall sprechen – wegen einer Hör- oder Sprachbehinderung oder weil Reden gefährlich wäre. Dafür gibt es seit dem 28. September 2021 nora, die offizielle Notruf-App der Bundesländer. Sie erreicht bundesweit die Leitstellen von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst.

  • Vorher registrieren: nora verlangt eine Handynummer, an die ein Bestätigungscode per SMS geht; manchmal folgt ein automatischer Bestätigungsanruf. Richten Sie die App deshalb in Ruhe ein und nicht erst im Notfall.
  • Wenige Fragen, Standort automatisch: Die App fragt mit Symbolen und in leichter Sprache höchstens fünf Fragen zur Notlage und übermittelt den Standort. Danach öffnet sich ein Chat mit der Leitstelle.
  • Stiller Notruf: In bedrohlichen Lagen schreibt die Leitstelle nur im Chat und ruft nicht zurück.
  • Internet genügt: nora braucht eine Datenverbindung. Laut Betreiber reicht der langsame Standard EDGE, auch eine reine WLAN-Verbindung funktioniert.
  • Nur in Deutschland: Die App funktioniert überall in Deutschland, läuft ab Android 5.0 und iOS 12 und ist kostenlos.

Die App hilft auch Dritten: Wer einen Notfall beobachtet, kann über nora Hilfe für eine andere Person rufen. Daneben bleiben zwei ältere Wege: Hör- und sprachbehinderte Menschen können ein Notruf-Fax an die 112 schicken. Der Tess-Relay-Dienst vermittelt kostenlos Notrufe an 110 und 112 mit Dolmetschern für Gebärden- oder Schriftsprache. Weitere Einstellungen für eine leichtere Bedienung sammelt der Ratgeber Bedienungshilfen.

Hand eines älteren Mannes drückt den runden Knopf eines Hausnotruf-Senders, den er an einer Kordel um den Hals trägt
Viele Hausnotrufe funken über 2G. Vor der Abschaltung lohnt der Blick ins Datenblatt: Unterstützt das Gerät LTE? KI-generiert

Notrufgeräte, 2G-Abschaltung und Notruf ohne Netz

Viele Hausnotrufe, Aufzugstelefone und einfache Notrufhandys funken noch über 2G. Die Netzbetreiber haben angekündigt, 2G abzuschalten. Ein Gerät, das nur 2G beherrscht, findet danach keine Funkzelle mehr, auch nicht für die 112.

Prüfen Sie deshalb jetzt, ob ein Notrufgerät LTE und Telefonie über LTE unterstützt. Die Termine je Netz stehen im Ratgeber 2G-Abschaltung. Wer ein Telefon für ältere Angehörige sucht, achtet auf dasselbe – weitere Kriterien nennt die Kaufberatung Seniorenhandy.

Im Auto übernimmt das eCall-System den Notruf. Nach einem schweren Unfall wählt es selbst die 112 und teilt den Standort mit; Neuwagen sind laut EU-Kommission damit ausgestattet. Auch für eCall gilt: Ältere Systeme hängen am alten Mobilfunk, die Einzelheiten stehen ebenfalls im Ratgeber zur 2G-Abschaltung.

Ist gar kein Netz da, bleibt bei neueren Modellen der Satellit. Seit iOS 16.2 bietet Apple in Deutschland „Notruf SOS via Satellit“ für das iPhone 14 und neuer an, nach der Aktivierung zwei Jahre lang kostenlos. Google bietet „Notruf über Satellit“ ab dem Pixel 9 an, mit Ausnahme des Pixel 9a. Beide Dienste brauchen freie Sicht auf den Himmel und sind nur gedacht, wenn weder Mobilfunk noch WLAN verfügbar sind; mehr dazu im Ratgeber Handy über Satellit.

Notruf im Ausland

Die 112 funktioniert in allen EU-Staaten kostenlos vom Festnetz und vom Handy. In acht EU-Ländern ist sie sogar die einzige Notrufnummer, etwa in Dänemark, den Niederlanden und Schweden. Nach Angaben der EU-Kommission ist sie auch in der Schweiz und weltweit in GSM-Mobilfunknetzen erreichbar.

Die App nora hilft im Ausland nicht weiter, sie funktioniert nur in Deutschland. Was sonst auf Reisen gilt, steht im Bereich Roaming und Ausland.

Drei Dinge, die Sie vor dem Notfall erledigen

  • nora installieren und registrieren, solange Sie Zeit haben.
  • Den Notfallpass im iPhone oder die Notfallinformationen unter Android ausfüllen; Apple übermittelt den Notfallpass zum Beispiel beim Satelliten-Notruf mit.
  • Hausnotruf und Notrufhandys älterer Angehöriger auf LTE prüfen.

Nächster Schritt

Nicht nur Sie können Hilfe rufen – der Staat kann Sie auch warnen, direkt aufs Handy. Wie Sie Cell Broadcast richtig einstellen, zeigt der Ratgeber zur Warnung aufs Handy. Warum die echte Polizei nie unter 110 anruft, steht im Ratgeber zum Telefonbetrug; alle Themen sammelt die Übersicht Ratgeber.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Muss ich das Handy entsperren, um 112 zu wählen?

Nein. iPhone und Android-Smartphones zeigen auf dem Sperrbildschirm einen Knopf „Notruf“, über den Sie 110 und 112 ohne Code wählen können. Das funktioniert auch auf einem fremden Handy, solange darin eine betriebsbereite SIM-Karte steckt.

Speichert die Notruf-App nora meine Daten?

Nur kurz. Personenbezogene Daten löscht der Betreiber nach eigenen Angaben wenige Tage nach dem Notruf automatisch; übrig bleiben pseudonymisierte Metadaten, die nach zehn Jahren gelöscht werden. Freiwillig hinterlegte Angaben etwa zu Vorerkrankungen helfen der Leitstelle im Einsatz.

Funktioniert der Notruf auch über WLAN Call?

Nein. o2 und Vodafone schreiben, dass Notrufe nicht über die WLAN-Telefonie laufen; das Handy wechselt dafür automatisch ins Mobilfunknetz. Ohne jedes Mobilfunksignal bleibt nur die App nora, die auch über das WLAN funktioniert.

Passt dazu

  • Ratgeber Warnung aufs Handy

    Wer die Gefahreninformation abschaltet, verpasst seit November 2025 auch jede Entwarnung.

  • Ratgeber Ausweis auf dem Handy

    Die AusweisApp speichert keinen Ausweis – das soll erst die EU-Brieftasche d-you ab 2027.

  • Ratgeber Handy-Backup

    Chats, Authenticator-Codes und eSIM fehlen im System-Backup – und gelöschte Fotos verschwinden überall.

  • Hilfe Handy orten

    Erst orten und sperren, zuletzt löschen – und 116 116 sperrt nur SIM-Karten von Telekom und congstar.