Ratgeber
Telefonbetrug erkennen: die Maschen und wo Sie sie melden
Fast jede Masche am Telefon folgt demselben Muster: Ein Anrufer erzeugt Angst oder Zeitdruck und will Geld, Wertsachen oder einen Code. Die wirksamste Gegenwehr ist, aufzulegen und die Person oder Stelle unter einer Nummer zurückzurufen, die Sie selbst kennen. Die angezeigte Rufnummer beweist nichts, sie lässt sich fälschen. Bei akuter Gefahr wählen Sie 110; Ping-Anrufe, Spam und gefälschte Nummern melden Sie der Bundesnetzagentur.

Am Telefon fehlt alles, was sonst misstrauisch macht: kein Gesicht, kein Briefkopf, keine Zeit zum Nachdenken. Genau darauf bauen Betrüger. Sie geben sich als Enkel, Polizistin, Bankberater oder Paketbote aus und schaffen eine Lage, in der Menschen sofort handeln. Wie verbreitet der Ärger mit Rufnummern ist, zeigen die Zahlen der Bundesnetzagentur: 2025 gingen dort 85.158 Beschwerden zu Rufnummernmissbrauch ein, von Spam-SMS bis zu gefälschten Anrufernummern.
Die Geschichten wechseln, die Bauweise bleibt. Wer das Muster einmal durchschaut hat, erkennt auch neue Varianten. Diese Seite ordnet die verbreiteten Maschen, erklärt, warum die Nummer im Display nichts beweist, und zeigt, wo Sie was melden.
Verbreiteter IrrtumDie Nummer im Display verrät, wer anruft.
Was stimmtAbsenderrufnummern lassen sich fälschen. Die Bundesnetzagentur nennt sie ausdrücklich nicht uneingeschränkt vertrauenswürdig – selbst eine echte Behördennummer im Display beweist nichts.
Sechs Maschen auf einen Blick
Die Tabelle stellt die Maschen nebeneinander, die Polizei und Bundesnetzagentur derzeit beschreiben. Die letzte Spalte ist die wichtigste: An dieser Stelle scheitert jeder Versuch, wenn Sie nicht mitspielen.
| Masche | So beginnt es | Was verlangt wird | Woran sie scheitert |
|---|---|---|---|
| Schockanruf | Ein Angehöriger habe einen schweren Unfall verursacht; eine angebliche Polizistin oder ein Staatsanwalt ist am Apparat | Kaution oder Geld für eine Operation, oft bar an einen Abholer | Auflegen und den Angehörigen selbst anrufen |
| Enkeltrick | „Rate mal, wer hier spricht“ | Bargeld wegen einer angeblichen Notlage, abgeholt von einem Boten | Keinen Namen raten, Rückruf unter der bekannten Nummer |
| Falsche Polizei | Ihr Geld sei zu Hause oder auf der Bank nicht sicher | Ersparnisse und Schmuck einem „Polizisten in Zivil“ übergeben | Die Polizei holt kein Geld ab und ruft nie unter 110 an |
| Falscher Bankmitarbeiter | Auffällige Abbuchungen, das Konto müsse gesichert werden | TAN, Freigabe in der Banking-App oder Überweisung auf ein „sicheres Konto“ | Auflegen und die Nummer auf der Bankkarte wählen |
| Ping-Anruf | Das Telefon klingelt nur kurz, im Display steht eine ausländische Nummer | Ihren Rückruf | Nicht zurückrufen, Vorwahl prüfen |
| „Hallo Mama“ | Nachricht von unbekannter Nummer: Das Kind habe ein neues Handy | Dringende Rechnungen überweisen | Unter der alten, gespeicherten Nummer anrufen |
Schockanruf und Enkeltrick: wie Angst das Denken abschaltet
Beim Schockanruf meldet sich eine angebliche Polizistin oder ein angeblicher Staatsanwalt. Ein Angehöriger habe einen Unfall verursacht und komme nur gegen Kaution frei, oder er brauche Geld für eine lebensrettende Operation. Die Polizei beschreibt, dass Täter ihre Opfer bewusst in der Leitung halten. So bleibt keine Zeit zum Nachdenken und keine Gelegenheit, jemanden anzurufen.
Der Enkeltrick ist leiser, folgt aber derselben Logik. „Rate mal, wer hier spricht“ – wer jetzt einen Namen nennt, hat dem Anrufer seine Rolle geliefert. Nach Angaben der Polizei suchen Täter gezielt ältere und allein lebende Menschen, etwa über Telefonbucheinträge mit älteren Vornamen. Sie rät deshalb, den Vornamen im Telefonbuch abzukürzen und Anrufer grundsätzlich ihren Namen selbst nennen zu lassen.
Neu ist die Stimme: Die Polizeiliche Kriminalprävention warnte im Februar 2026, dass künstliche Intelligenz täuschend echte Stimmimitationen ermöglicht. Eine vertraute Stimme ist damit kein Beweis mehr. Was bleibt, ist der Rückruf unter der Nummer, die Sie für diesen Menschen gespeichert haben. Wie KI am Telefon sonst arbeitet, erklärt der Ratgeber KI am Telefon.
Ein Familienkennwort vereinbaren
Die Polizei empfiehlt ein Kennwort, an dem sich Angehörige am Telefon erkennen. Vereinbaren Sie es persönlich, schreiben Sie es nicht in einen Chat und fragen Sie danach, sobald jemand am Telefon Geld will. Wer es nicht kennt, bekommt nichts, egal wie echt die Stimme klingt.
Falsche Polizisten und die 110 im Display
Bei dieser Masche erfragen Täter am Telefon die finanziellen Verhältnisse und behaupten dann, Geld und Wertsachen seien zu Hause oder sogar auf der Bank nicht sicher. Ein Polizist in Zivil werde sie abholen. Laut Polizei verlangen die Täter höchste Verschwiegenheit und drängen Opfer, ständig mit ihnen am Telefon zu bleiben, damit sie weder Angehörige noch die echte Polizei informieren. Die Polizei stellt klar: Sie bittet nie um Geld oder Wertsachen, und sie ruft nie unter der 110 an.
Lange war die 110 im Display das Markenzeichen dieser Masche. Seit dem 1. Dezember 2022 müssen Netzbetreiber Anrufe abbrechen, die 110, 112, 0900- oder 0137-Nummern als Absender tragen; so verlangt es § 120 des Telekommunikationsgesetzes. Die Täter sind ausgewichen: Laut Polizei erscheinen durch Manipulation inzwischen echte Behördennummern im Display. Wählen Sie deshalb selbst und nie über die Rückruftaste.
Falsche Bankmitarbeiter
Im September 2025 warnte die Bundesnetzagentur vor bundesweiten Anrufen angeblicher Polizisten und Bankangestellter, die Angerufene zu Überweisungen oder Bargeldübergaben bewegen wollen. Am Telefon geht es meist um eine TAN, eine Freigabe in der Banking-App oder eine „Sicherheitsüberweisung“. Seriöse Banken fragen am Telefon nicht nach TANs oder Freigaben. Dasselbe gilt für die PIN Ihres Personalausweises, die nur Ihnen gehört – mehr dazu im Ratgeber Ausweis auf dem Handy.
Ping-Anrufe: teuer wird erst der Rückruf
Ein Ping-Anruf klingelt nur kurz, sodass Sie nicht abnehmen können. Zurück bleibt eine verpasste Nummer, die neugierig macht. Wer zurückruft, landet bei einem teuren Anschluss im Ausland. Die Bundesnetzagentur weist dabei auf die Verwechslungsgefahr mit deutschen Vorwahlen hin.
| Ortsvorwahl | Ländervorwahl | Land |
|---|---|---|
| 0261 Koblenz | 00261 | Madagaskar |
| 0381 Rostock | 00381 | Serbien |
| 0231 Dortmund | 00231 | Liberia |
Einen Schutz hat die Bundesnetzagentur eingebaut. Im Mobilfunk hören Sie vor Anrufen zu 56 Ländervorwahlen aus Afrika, Osteuropa und dem pazifischen Raum eine kostenlose Preisansage. Sie warnt, dass Sie gerade eine ausländische Nummer anrufen und dass das teuer werden kann – wer dann auflegt, zahlt nichts. Die Anordnung gilt befristet bis zum 1. März 2027.
Melden Sie Ping-Anrufe der Bundesnetzagentur mit Datum, Uhrzeit und angezeigter Nummer; ohne angezeigte Nummer gibt es keinen Ansatzpunkt. Die Behörde kann Rufnummern abschalten, Rechnungslegungs- und Inkassoverbote verhängen und so helfen, bereits gezahlte Entgelte zurückzuholen. Stimmt ein Betrag auf der Rechnung nicht, fordern Sie einen ungekürzten Einzelverbindungsnachweis an.
„Hallo Mama, hallo Papa“: Betrug per Messenger
Die Masche beginnt mit einer SMS oder Messenger-Nachricht von unbekannter Nummer: Das Handy sei kaputt, dies sei die neue Nummer. Wenig später kommt die Bitte um Geld. Laut Polizei heißt es oft, das neue Smartphone sei noch nicht fürs Online-Banking freigeschaltet, dringende Rechnungen müssten aber heute bezahlt werden. Die Forderungen sind meist vierstellig.
- Prüfen: Rufen Sie unter der alten, gespeicherten Nummer an, auch wenn die Nachricht behauptet, sie funktioniere nicht mehr.
- Nicht diskutieren: Die Polizei rät, mit mutmaßlichen Betrügern gar nicht erst zu schreiben, auch nicht zum Spaß.
- Keine Codes weitergeben: Verifizierungscodes holen ein Messenger-Konto auf ein fremdes Gerät. Die Polizei rät, sie nie weiterzugeben.
- Profil schützen: Zeigen Sie Ihr Profilbild nur gespeicherten Kontakten und schalten Sie die Zwei-Faktor-Anmeldung des Messengers ein.
Ist Geld überwiesen, sichern Sie Bildschirmfotos des Chats, rufen sofort Ihre Bank an und erstatten Anzeige. Nach Angaben der Polizei lässt sich Geld manchmal noch zurückholen. Mehr zu Betrug per SMS und Link steht im Ratgeber Phishing und Smishing. Wie Täter mit erschlichenen Codes sogar Ihre Rufnummer übernehmen, erklärt der Ratgeber SIM-Swapping.

Gefälschte Nummern: was das Gesetz verhindert und was nicht
Das Fälschen der Anrufernummer heißt Call-ID-Spoofing. § 120 TKG zieht zwei Grenzen. Erstens müssen alle beteiligten Anbieter Anrufe abbrechen, die Notrufnummern, Premiumdienste wie 0900 und 0137, Auskunftsnummern mit 118 oder Kurzwahlen als Absender zeigen. Zweitens dürfen deutsche Nummern nur angezeigt werden, wenn der Anruf aus dem deutschen Netz übergeben wird; kommt er aus dem Ausland, muss die Anzeige unterdrückt werden.
Eine Ausnahme bleibt bewusst: Wer mit deutscher Handynummer im Ausland unterwegs ist und nach Deutschland anruft, wird weiter mit seiner Nummer angezeigt. Dass gefälschte Nummern trotzdem durchkommen, zeigen die aktuellen Warnungen der Polizei vor echten Behördennummern im Display. Mit Anrufen, bei denen jemand die eigene Nummer bewusst unterdrückt, hat das übrigens nichts zu tun – wie das geht, steht unter Nummer unterdrücken.
Wenn Ihre eigene Nummer missbraucht wird
Manchmal trifft es die eigene Nummer: Fremde rufen zurück und beschweren sich über Anrufe, die Sie nie geführt haben. Melden Sie das der Bundesnetzagentur über ihr eigenes Formular für Rufnummernmanipulation, und zwar schnell. Die Behörde braucht Datum, Uhrzeit und die angerufenen Nummern. Nach ihren Angaben löschen die Anbieter die Verkehrsdaten in der Regel nach sieben Tagen.
Wer zuständig ist: melden, sperren, anzeigen
Telefonbetrug fällt in mehrere Zuständigkeiten. Die Polizei verfolgt Straftaten, die Bundesnetzagentur kümmert sich um missbrauchte Rufnummern, die Bank um Ihr Geld. Die Tabelle ordnet zu.
| Situation | Stelle | Was Sie bereithalten |
|---|---|---|
| Betrüger am Apparat, Abholer angekündigt, Übergabe läuft | Polizei 110 | Was gesagt wurde, wer kommen soll |
| Geld überwiesen, TAN oder Kartendaten genannt | Ihre Bank, Sperr-Notruf 116 116 | Kontodaten, Zeitpunkt, Empfängerkonto |
| Ping-Anruf, Spam-SMS, unerlaubte Werbung, gefälschte Nummer | Bundesnetzagentur: Ärger mit Rufnummern und Anrufen | Datum, Uhrzeit, angezeigte Nummer, Bildschirmfoto |
| Betrugsversuch ohne Schaden | Polizei vor Ort oder Onlinewache | Nummer, Uhrzeit, Ablauf des Gesprächs |
| Unsicher, ob eine Forderung echt ist | Verbraucherzentrale | Schreiben, Rechnung, Notizen zum Anruf |
Die Meldungen wirken. 2025 hat die Bundesnetzagentur rund 6.200 Rufnummern abgeschaltet und für mehr als 2.000 Rufnummern verboten, Rechnungen zu stellen oder Geld einzutreiben. Sie betont, dass sie dafür auf Hinweise aus der Bevölkerung angewiesen ist. Lästige Nummern sperren Sie zusätzlich direkt am Handy; die Wege für Android und iPhone stehen auf der Hilfe-Seite Spam-Anrufe blockieren.
Nächster Schritt
Sprechen Sie mit älteren Angehörigen über die Maschen und vereinbaren Sie ein Familienkennwort. Wie Sie im Ernstfall selbst richtig Hilfe rufen, erklärt der Ratgeber zum Notruf. Alle weiteren Themen stehen in der Übersicht Ratgeber.
Quellen und Stand
- Polizeiliche Kriminalprävention: Schockanrufe: So schützen Sie sich vor Telefonbetrug
- Polizeiliche Kriminalprävention: Enkeltrick – Ablauf, Zielgruppe, Vorname im Telefonbuch
- Polizeiliche Kriminalprävention: Informationsblatt „Vorsicht: Falscher Polizist am Telefon“ – 110 im Display, keine Abholung von Geld, keine Rückruftaste
- Polizeiliche Kriminalprävention: Messenger-Betrug – Ablauf, Forderungen, Tipps
- Polizeiliche Kriminalprävention: Falsche Enkel, echte Gefahr (25. Februar 2026) – KI-Stimmen, echte Behördennummern im Display
- Bundesnetzagentur: Ärger mit Rufnummern und Anrufen
- Bundesnetzagentur: Ping-Anrufe und Hinweis zur Preisansage für 56 Ländervorwahlen (20. Februar 2024, befristet bis 1. März 2027)
- Bundesnetzagentur: Manipulation von Rufnummern – Regeln seit 1. Dezember 2022, Löschung der Verkehrsdaten
- Bundesnetzagentur: Wie können Sie sich schützen?
- Bundesnetzagentur: Aktuelle Hinweise – Warnung vor Polizei- und Bankanrufen vom 23. September 2025
- Bundesnetzagentur: Beschwerdezahlen im Bereich Rufnummernmissbrauch weiter auf hohem Niveau (9. Februar 2026)
- Bundesministerium der Justiz: § 120 TKG – Rufnummernübermittlung
- Sperr-Notruf: 116 116
Geprüft am 4. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Kostet es etwas, einen Ping-Anruf anzunehmen?
Nein. Ein angenommener Anruf kostet Sie im Inland nichts, und Ping-Anrufe legen ohnehin auf, bevor Sie abheben können. Teuer wird nur der Rückruf an die ausländische Nummer. Im Mobilfunk warnt bei 56 Ländervorwahlen eine kostenlose Preisansage, bevor Gebühren entstehen.
Soll ich bei unbekannten Nummern überhaupt abnehmen?
Abnehmen ist ungefährlich. Heikel wird es erst, wenn Sie auf Forderungen eingehen, persönliche Daten nennen oder zurückrufen. Wer sich nicht mit Namen meldet und Druck macht, bekommt keine Auskunft – legen Sie dann einfach auf.
Was tue ich, wenn der angekündigte Abholer schon vor der Tür steht?
Öffnen Sie nicht und übergeben Sie nichts. Rufen Sie die Polizei unter 110 an und beschreiben Sie, wer vor der Tür steht und wer vorher angerufen hat. Sagen Sie dazu, dass es um einen mutmaßlichen Telefonbetrug geht.
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