Ausland
Handy in Großbritannien: Was nach dem Brexit beim Roaming gilt
Großbritannien gehört seit dem Brexit nicht mehr zum EU-Roaming. Telekom, Vodafone, o2 und 1&1 rechnen das Land trotzdem freiwillig wie die EU ab: Sie telefonieren und surfen zu Inlandsbedingungen. Diese Zusage kann jeder Anbieter ändern, o2 nennt als Frist den 31. Dezember 2026. Auf den Kanalinseln und der Isle of Man gelten bei mehreren Anbietern andere Preise.

Mit dem Ende der Brexit-Übergangsphase am 31. Dezember 2020 ist Großbritannien aus dem EU-Roaming ausgeschieden. Deutsche Anbieter dürften dort also wieder eigene Preise verlangen. Stand Oktober 2026 tun das die vier deutschen Netzbetreiber nicht: Telekom, Vodafone, o2 und 1&1 rechnen England, Schottland, Wales und Nordirland freiwillig wie die EU ab. Ausnahmen gibt es auf den Kanalinseln, der Isle of Man und teils in Gibraltar. Den Notruf erreichen Sie über die 999 und die 112.
Freiwillig statt Pflicht: was die vier Netze zusagen
Die Tabelle zeigt, wie die Netzbetreiber Großbritannien und die britischen Sondergebiete einstufen und wie lange ihre Zusage gilt.
| Netz | Großbritannien | Zusage gilt | Kanalinseln, Isle of Man | Gibraltar |
|---|---|---|---|---|
| Telekom | wie EU-Roaming | „weiterhin“, ohne Frist | wie EU (Ländergruppe 1) | wie EU (Ländergruppe 1) |
| Vodafone | Teil der EU-Roaming-Zone | ohne Frist | CallYa: Zone 2 | EU-Zone |
| o2 | Abrechnung wie Zone 1 (EU) | bis 31.12.2026, Verlängerung vorbehalten | Isle of Man: Zone 2 | Zone 2 |
| 1&1 | Abrechnung wie EU-Zone | „vorerst“, Änderung jederzeit vorbehalten | Weltzone 2 | EU-Zone |
Wer mit einem dieser Tarife nach Großbritannien reist, nutzt Minuten, SMS und Datenvolumen wie in der EU, einschließlich der Fair-Use-Grenze, die der Tarif für das EU-Ausland vorsieht. Wie diese Grenze berechnet wird, steht unter Fair Use im EU-Ausland. Anders als in der EU hat die Zusage aber keine gesetzliche Grundlage. Endet sie, gelten die Preise, die der Anbieter für Länder außerhalb der EU vorsieht.
Die Formulierungen zeigen, wie unterschiedlich fest die Zusagen sind. Die Telekom schreibt, dass für ihre Kunden in Großbritannien „weiterhin“ die Bedingungen wie beim EU-Roaming gelten. Vodafone nennt Großbritannien ausdrücklich einen Teil seiner EU-Roaming-Zone. o2 setzt eine Frist bis Ende 2026, 1&1 behält sich jederzeit eine Änderung vor. Die Einstufung der Sondergebiete bei der Telekom stammt aus ihrer Länderliste für Geschäftskunden, die bei Vodafone aus der Preisliste für CallYa-Prepaid.
Kanalinseln, Isle of Man und Gibraltar: die Ausnahmen
Jersey, Guernsey und die Isle of Man gehören nicht zum Vereinigten Königreich, sondern unterstehen direkt der britischen Krone. Deshalb führen manche Anbieter sie in einer anderen Preisstufe. Die Telekom rechnet sie wie die EU ab. Vodafone nimmt die Kanalinseln bei CallYa ausdrücklich von Großbritannien aus und führt Jersey und die Isle of Man in Zone 2. o2 stuft die Isle of Man in Zone 2 ein, 1&1 alle drei Inseln in Weltzone 2.
Gibraltar ist ein britisches Überseegebiet an der Südspitze Spaniens. Telekom, Vodafone und 1&1 rechnen es wie die EU ab, o2 nach Zone 2. Wer von Spanien aus einen Tagesausflug macht, sollte als o2-Kunde deshalb auf das eingebuchte Netz achten und sich vorher über die Preise der Zone 2 informieren.
Discounter und Prepaid: eigene Länderlisten
Die Zusagen der Netzbetreiber gelten zunächst für ihre eigenen Tarife. Marken, die ein fremdes Netz nutzen, etwa Discounter im Supermarkt, entscheiden selbst, wie sie Großbritannien einstufen. Welche Marke in welchem Netz funkt, zeigt die Übersicht Mobilfunkmarken.
Bei Prepaid-Karten der Netzbetreiber gilt dieselbe Regel wie bei ihren Verträgen: Vodafone führt Großbritannien ohne die Kanalinseln auch bei CallYa in Zone 1. So prüfen Sie Ihren Tarif vor der Reise:
- Länderliste suchen Öffnen Sie Preisliste oder Produktinformationsblatt Ihres Tarifs und suchen Sie die Länderliste für Roaming.
- Großbritannien finden Steht das Land in der EU-Zone oder mit einem Hinweis auf EU-Preise, gelten Inlandsbedingungen. Steht es in einer anderen Zone, gelten deren Preise.
- Frist und Sondergebiete prüfen Achten Sie auf Daten wie das Ende 2026 bei o2 und auf eigene Einträge für Kanalinseln, Isle of Man und Gibraltar.

Fähre und irische Grenze
Auf Fähren über den Ärmelkanal oder die Nordsee kann sich das Handy in ein Bordnetz einbuchen, das über Satellit funkt. Solche Netze sind nicht preisreguliert und gehören auch nicht zur freiwilligen Großbritannien-Regel. o2 schließt Satellitenverbindungen auf Fähren ganz aus, 1&1 hat die Datennutzung dort zum Schutz vor hohen Kosten gesperrt. Schalten Sie an Bord am besten den Flugmodus ein und nutzen Sie das Bord-WLAN; mehr unter Handy auf Kreuzfahrt und Fähre.
Zwischen Irland und Nordirland gibt es keine sichtbare Grenze, Ihr Handy wechselt aber zwischen irischen und britischen Netzen. Solange Ihr Anbieter Großbritannien wie die EU abrechnet, spielt das keine Rolle. Als o2-Kunde prüfen Sie vor Reisen ab Januar 2027, ob o2 die Regel verlängert hat.
Wenn die Zusage endet: Alternativen
Solange alle vier Netze wie in der EU abrechnen, brauchen ihre Kunden keine Zusatzoption. Für Marken ohne Großbritannien-Regel oder für den Fall, dass ein Anbieter seine Zusage beendet, gibt es drei Wege:
- Reise-eSIM: Datentarif für Großbritannien, vor der Abreise installiert; Ihre Nummer bleibt über die deutsche Karte erreichbar. Mehr unter Reise-eSIM.
- Britische Prepaid-Karte: Lohnt sich vor allem bei längeren Aufenthalten, etwa für ein Studium; Sie bekommen dann eine britische Rufnummer.
- WLAN: In Hotels, Cafés und Unterkünften meist vorhanden; Messenger-Anrufe kosten dort keine Roaminggebühren.
Die Schweiz zeigt, wie es ohne freiwillige Zusage aussieht: Dort rechnet nur die Telekom wie in der EU ab, mehr dazu unter Roaming in der Schweiz.
Notruf, Mailbox und Kostenbremse
In Großbritannien erreichen Sie den Notruf über die 999 und über die 112. Für mobile Daten gilt die Kostenbremse Ihres Anbieters: Ohne andere Vereinbarung stoppt die Datenverbindung bei 50 Euro netto. Rufumleitungen und Mailbox kosten bei den vier Netzbetreibern so viel wie in der EU. Wer eine Marke ohne Großbritannien-Regel nutzt, löscht Umleitungen vor der Reise mit ##002# – die Anleitung steht unter Mailbox ausschalten. Alle Länder im Überblick zeigt die Seite Roaming und Ausland.
Quellen und Stand
- EU-Kommission: Roaming: Questions and Answers – Roaming wie zu Hause gilt seit dem EU-Austritt nicht mehr für Großbritannien
- Telekom: Surfen und Telefonieren im Ausland: Was beim Roaming wichtig ist – „weiterhin“ Bedingungen wie beim EU-Roaming; Telekom Geschäftskunden: Telefonieren und surfen im Ausland – Ländergruppe 1
- Vodafone: Roaming und Telefonieren im Ausland – Großbritannien Teil der EU-Roaming-Zone; InfoDok 397 CallYa Roaming, September 2026 – Kanalinseln, Isle of Man, Gibraltar
- o2: o2 Roaming – Abrechnung wie Zone 1 bis 31.12.2026, Zone 2, keine Satellitenverbindungen auf Fähren
- 1&1: Erweiterte Preisliste Mobilfunk, Stand 19.09.2026 – Großbritannien vorerst wie EU-Zone, Weltzone 2, Fähren und Schiffe
- Österreichisches Außenministerium: Reiseinformation Vereinigtes Königreich – Notruf 999 oder 112, Status von Isle of Man und Kanalinseln
- netzwelt: Roaming in Großbritannien nach dem Brexit – EU-Regeln bis zum Ende der Übergangsphase am 31. Dezember 2020
Geprüft am 4. Oktober 2026. Die Zusagen sind freiwillig und können sich ändern; verbindlich ist die Preisliste Ihres Tarifs.
Häufige Fragen
Brauche ich in Großbritannien einen Reisestecker für das Ladegerät?
Ja. In Großbritannien sind dreipolige Steckdosen üblich, in die deutsche Stecker nicht passen; ein Reiseadapter genügt. Handy-Netzteile sind in der Regel für 100 bis 240 Volt ausgelegt, das steht auf dem Netzteil.
Was kostet ein Anruf von Deutschland nach Großbritannien?
Das ist kein Roaming, sondern ein Auslandsgespräch: Es gilt, was Ihr Tarif für Anrufe nach Großbritannien vorsieht. Viele Allnet-Flats schließen Auslandsgespräche aus. 1&1 bietet zum Beispiel eine eigene Option für Anrufe in die EU, nach Großbritannien und in die Schweiz.
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