Ratgeber
Gebrauchtes Handy kaufen: so prüfen Sie Gerät, Verkäufer und Vertrag
Prüfen Sie vor dem Bezahlen, ob das Gerät vom Konto des Vorbesitzers gelöst ist: Lassen Sie es vor Ihren Augen zurücksetzen und starten Sie die Einrichtung. Fragt es nach einem fremden Apple Account oder Google-Konto, ist es gesperrt. Danach lesen Sie IMEI und Akkuzustand ab und klären, wie lange das Modell noch Updates bekommt. Beim Händler haben Sie mindestens ein Jahr Gewährleistung, privat kann sie ausgeschlossen werden – und gestohlene Geräte darf der Eigentümer zurückverlangen.

Ein gebrauchtes Smartphone kann pro Nutzungsjahr günstiger sein als ein neues – wenn drei Dinge stimmen: Das Gerät ist frei von fremden Konten, sein Zustand passt zum Preis, und Sie kennen Ihre Rechte. Beim Kauf von privat prüfen Sie all das selbst und vor Ort. Die Checkliste führt in zehn Schritten durch die Übergabe; unten ist jeder Punkt in derselben Reihenfolge erklärt.
Gebrauchtes Handy prüfen
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Verbreiteter IrrtumLäuft das Handy beim Treffen und ist entsperrt, ist es frei.
Was stimmtEin eingeschaltetes, entsperrtes Gerät sagt nichts über die Kontosperre. Erst nach dem Zurücksetzen zeigt die Einrichtung, ob noch das Konto des Vorbesitzers verknüpft ist.
1. Die Kontosperre: der wichtigste Test
iPhones und Android-Geräte binden sich an ein Konto, damit gestohlene Telefone wertlos bleiben. Beim iPhone heißt das Aktivierungssperre, bei Android Factory Reset Protection. Die Sperre greift auch bei einem ehrlichen Verkauf, wenn der Vorbesitzer sein Konto vor dem Zurücksetzen nicht entfernt hat. Für Sie heißt das: Das Gerät lässt sich nicht einrichten.
So prüfen Sie ein iPhone
Apple beschreibt den Test so: Schalten Sie das Gerät ein. Erscheint der Sperrbildschirm mit Codeabfrage oder der Home-Bildschirm, wurde das iPhone noch nicht gelöscht. Bitten Sie den Verkäufer dann, es vor Ihren Augen zu löschen: „Einstellungen“ › „Allgemein“ › „iPhone übertragen/zurücksetzen“ › „Alle Inhalte & Einstellungen löschen“. Fragt das iPhone danach bei der Einrichtung nach Apple Account und Passwort des Vorbesitzers, ist es noch mit dessen Account verknüpft.
Ist der Vorbesitzer nicht vor Ort, etwa beim Versandkauf, kann er das Gerät im Browser aus seinem Account entfernen. Apple rät klar: Kaufen Sie kein iPhone mit aktiver Aktivierungssperre, und schicken Sie es beim Onlinekauf zurück.
So prüfen Sie ein Android-Gerät
Ein zurückgesetztes Android-Gerät verlangt bei der Einrichtung die Anmeldung mit dem Google-Konto, das vorher darauf eingerichtet war. Samsung braucht zum Zurücksetzen zusätzlich die Zugangsdaten des Samsung Accounts; ältere Galaxy-Modelle haben eine eigene Reaktivierungssperre. Gehen Sie die Einrichtung deshalb bis nach der WLAN-Verbindung durch. Erscheint keine Abfrage nach einem fremden Konto, ist das Gerät frei.
Angebote, die eine fremde Kontosperre gegen Gebühr lösen wollen, sind kein Ausweg. Seriös löst die Sperre nur der Kontoinhaber, notfalls der Hersteller mit Kaufbeleg. Ein Gerät mit fremder Sperre ist für Sie praktisch wertlos.
2. bis 4. IMEI, Akku, Updates: die Zahlen hinter dem Gerät
2. IMEI vergleichen
Geben Sie in der Telefon-App *#06# ein. Die angezeigte 15-stellige IMEI muss mit der auf Verpackung und Kaufbeleg übereinstimmen; Dual-SIM-Geräte haben zwei. Der IMEI-Prüfer rechnet nach, ob die Prüfziffer stimmt, ohne die Nummer zu übertragen. Eine gültige Prüfziffer sagt allerdings nichts über die Herkunft.
Deshalb ist ein Kaufbeleg mehr als Papier. Gestohlene Sachen kann man in Deutschland nicht gutgläubig erwerben: Der Eigentümer darf sein Handy auch vom ehrlichen Käufer zurückverlangen (§ 935 BGB). Fehlt jeder Nachweis und ist der Preis auffällig niedrig, lassen Sie die Finger davon.
3. Akkuzustand ablesen
Beim iPhone steht der Wert unter „Einstellungen“ › „Batterie“ › „Batteriezustand“ als maximale Kapazität in Prozent. Apple legt die Akkus von iPhone 14 und älter auf 80 Prozent nach 500 vollen Ladezyklen aus, ab dem iPhone 15 auf 80 Prozent nach 1.000 Zyklen. Für unbekannte oder nicht originale Akkus zeigt das iPhone keinen Zustand an – schon das ist ein Hinweis.
Bei Android hängt die Anzeige vom Hersteller ab. Google Pixel ab dem Pixel 8a zeigen unter „Einstellungen“ › „Akku“ › „Akkuzustand“ den Wert „Normal“ oder „Reduziert“, also unter 80 Prozent; die Ladezyklen stehen unter „Über das Telefon“ › „Akkuinformationen“. Samsung stuft den Akku in der App Samsung Members unter „Telefondiagnose“ als „Normal“, „Schwach“ oder „Schlecht“ ein. Ab wann sich ein Tausch lohnt, erklärt der Ratgeber Akku tauschen.
4. Update-Restlaufzeit klären
Ein gebrauchtes Gerät hat einen Teil seiner Update-Zeit schon verbraucht, egal wie gut es aussieht. Prüfen Sie das Modell im Rechner für die Restlaufzeit im Ratgeber Update-Politik. Bei Android zeigt „Einstellungen“ › „Über das Telefon“ › „Android-Version“ das Datum des letzten Sicherheitsupdates. Liegt es viele Monate zurück, wurde das Gerät lange nicht aktualisiert oder bekommt nichts mehr.
Teilen Sie dann den Preis durch die verbleibenden Update-Jahre. So sehen Sie schnell, ob ein älteres Spitzenmodell wirklich günstiger ist als ein neues Mittelklassegerät. Ein ausführliches Rechenbeispiel steht im Ratgeber Refurbished oder neu.
5. bis 9. Der Funktionstest bei der Übergabe
Nehmen Sie sich zehn Minuten Zeit und bringen Sie eine eigene SIM-Karte aus einem anderen Netz mit. Ein seriöser Verkäufer wartet so lange.
5. Display
Öffnen Sie ein einfarbig weißes und ein schwarzes Bild bei voller Helligkeit: So fallen Pixelfehler, Verfärbungen und bei OLED-Displays eingebrannte Schatten auf. Ziehen Sie ein App-Symbol langsam über die ganze Fläche; reagiert der Touchscreen an einer Stelle nicht, ist er defekt. Beim iPhone verrät der Teile- und Serviceverlauf unter „Einstellungen“ › „Allgemein“ › „Info“, ob Teile getauscht wurden und ob es Originalteile sind. Was ein Displaytausch kostet, steht im Ratgeber Display-Reparatur.
6. Kameras, Lautsprecher und Mikrofon
Rufen Sie mit Ihrer SIM-Karte jemanden an, einmal am Ohr und einmal über Lautsprecher. Nehmen Sie ein kurzes Video mit beiden Kameras auf und spielen Sie es ab: So prüfen Sie Bild, Autofokus, Mikrofon und Lautsprecher in einem Durchgang. Testen Sie auch Fingerabdrucksensor oder Gesichtserkennung.
7. Ladebuchse und Tasten
Schließen Sie das Gerät an eine Powerbank oder ein Netzteil an. Die Ladeanzeige muss erscheinen und stabil bleiben, auch wenn der Stecker leicht bewegt wird. Drücken Sie jede Taste einmal: Ein/Aus, Lautstärke und, falls vorhanden, weitere Funktionstasten. Typische Ursachen für Ladeprobleme erklärt die Hilfe-Seite Handy lädt nicht.
8. Hinweise auf einen Wasserschaden
iPhones haben am SIM-Fach eine Flüssigkeitskontaktanzeige. Normal ist sie weiß oder silbern, nach Kontakt mit Flüssigkeit vollständig rot. Modelle ohne SIM-Fach haben keine von außen sichtbare Anzeige, viele Android-Geräte ebenfalls nicht. Achten Sie dann auf beschlagene Kameralinsen und fragen Sie direkt nach. Warum der Reis-Trick einem nassen Gerät schadet, steht im Ratgeber Wasserschaden.
9. SIM-Karte aus einem anderen Netz
Legen Sie Ihre SIM-Karte aus einem anderen Netz ein als dem, das der Verkäufer nutzt. Bucht sich das Gerät ein und können Sie telefonieren, ist es frei von einer Netzsperre. Beim iPhone steht unter „Einstellungen“ › „Allgemein“ › „Info“ zusätzlich „Keine SIM-Beschränkungen“, wenn keine Sperre besteht.
10. Kaufvertrag und Rechte: privat oder Händler
Halten Sie den Kauf schriftlich fest, auch unter Privatleuten. In den Vertrag gehören Namen und Anschriften, Datum, Preis, Modell und IMEI, der Zustand mit bekannten Mängeln und die Zusicherung des Verkäufers, dass ihm das Gerät gehört. Je nachdem, von wem Sie kaufen, haben Sie sehr unterschiedliche Rechte.
| Recht | Händler, auch Refurbished-Anbieter | Privatverkauf |
|---|---|---|
| Gewährleistung | zwei Jahre; bei Gebrauchtware auf ein Jahr verkürzbar, wenn das vor dem Kauf eigens mitgeteilt und ausdrücklich und gesondert vereinbart wurde (§ 476 BGB) | kann ausgeschlossen werden, etwa mit „Privatverkauf ohne Gewährleistung“ |
| Beweislast | ein Mangel im ersten Jahr gilt als von Anfang an vorhanden (§ 477 BGB) | keine Vermutung zu Ihren Gunsten |
| Widerruf | 14 Tage beim Online- und Versandkauf | kein Widerrufsrecht |
| Arglistig verschwiegene Mängel | volle Haftung | Haftung trotz Ausschluss (§ 444 BGB) |
| Gestohlenes Gerät | Eigentümer kann es zurückverlangen (§ 935 BGB) | ebenso |
Privatverkäufer dürfen die Gewährleistung ausschließen, müssen bekannte Mängel aber offen nennen. Verschweigen sie einen Schaden arglistig, haften sie trotzdem. Bei Streit beraten die Verbraucherzentralen. Was Gewährleistung und Garantie im Einzelnen bedeuten, erklärt der Ratgeber Garantie und Gewährleistung; die Sicht der Verkäufer beschreibt der Ratgeber altes Handy verkaufen.
Betrugsmaschen bei Kleinanzeigen
Die meisten Betrugsversuche beim Gebrauchtkauf drehen sich nicht um das Gerät, sondern um das Geld. Polizei und Verbraucherzentralen warnen vor allem vor diesen Maschen:
| Masche | So läuft sie | Gegenmittel |
|---|---|---|
| Vorkasse | Sie überweisen, das Handy kommt nie an; oft mit einem Preis deutlich unter dem Marktwert und mit Zeitdruck | keine Vorkasse an Unbekannte, lieber Abholung mit Prüfung vor Ort |
| „Freunde und Familie“ | der Verkäufer verlangt die Zahlung über diese PayPal-Funktion | sie bietet keinen Käuferschutz; nur „Waren und Dienstleistungen“ nutzen |
| Dreiecksbetrug | der Betrüger bietet Ihnen ein Handy an, das in Wahrheit ein Dritter verkauft; Sie bezahlen den Dritten, das Gerät geht an den Betrüger | nicht im Voraus an Unbekannte überweisen; stutzig werden, wenn Kontoinhaber und Verkäufer nicht zusammenpassen |
| Gefälschte Zahlungsseiten | Links oder QR-Codes führen auf nachgebaute Seiten, die Karten- oder Kontodaten abfragen | nur über die Plattform bezahlen, keine Links und QR-Codes aus Chats öffnen |
| Wechsel in den Messenger | das Gespräch soll schnell per WhatsApp oder SMS weitergehen, außerhalb der Plattform | ausschließlich über das Portal kommunizieren |
Am sichersten ist laut Verbraucherzentrale weiterhin die persönliche Übergabe mit Barzahlung – am besten an einem belebten Ort und erst nach dem Funktionstest. Wer trotzdem betrogen wurde, sichert Chats und Belege als Bildschirmfotos, meldet sich sofort bei Bank oder Zahlungsdienst und bei der Plattform und erstattet Anzeige bei der Polizei. Wie gefälschte Links aussehen, zeigt der Ratgeber Phishing und Smishing.

Nach dem Kauf
Ist das Gerät frei und geprüft, ziehen Ihre Daten um. Und wer doch lieber neu kauft, findet die zehn Prüfpunkte für Neugeräte in einer eigenen Checkliste.
Daten aufs neue Handy übertragen Checkliste zum Handykauf Alle Ratgeber
Quellen und Stand
- Apple: Aktivierungssperre für iPhone und iPad und Wenn du ein gebrauchtes iPhone kaufen möchtest – Prüfung vor dem Kauf, Teile- und Serviceverlauf, SIM-Beschränkungen
- Apple: iPhone: Batterie und Leistung und Wasser- und andere Flüssigkeitsschäden am iPhone oder iPod sind nicht durch die Garantie abgedeckt
- Google: Der Akku deines Google Pixel und Android-Version prüfen und aktualisieren
- Samsung: Handy oder Tablet auf Werkseinstellungen zurücksetzen und So überprüfst du den Akkustatus deines Samsung Galaxy Smartphones
- Bundesministerium der Justiz: § 444 BGB, § 476 BGB, § 477 BGB und § 935 BGB – Kein gutgläubiger Erwerb von abhanden gekommenen Sachen
- Verbraucherzentrale: Betrug mit Kleinanzeigen: Diese Maschen sollten Sie kennen und Refurbished und Secondhand: Gebrauchtes online kaufen und verkaufen
- Polizeiliche Kriminalprävention: Online-Betrug: Schütze dich vor Vorkassebetrug und Online-Betrug: Schütze dich vor Dreiecksbetrug
Geprüft am 4. Oktober 2026. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.
Häufige Fragen
Ist ein gebrauchtes Handy sicher?
Ja, wenn es noch Sicherheitsupdates bekommt und vor der Übergabe auf Werkseinstellungen zurückgesetzt wurde. Bei aktuellen, verschlüsselten Geräten sind die Daten des Vorbesitzers danach nicht mehr lesbar. Ein Gerät ohne Updates gehört dagegen nicht mehr in einen Alltag mit Banking und Mail.
Woran erkenne ich ein gestohlenes Handy?
Sicher erkennen lässt es sich nicht, Warnzeichen gibt es aber: kein Kaufbeleg, eine IMEI, die nicht zur Verpackung passt, eine aktive Kontosperre, ein auffällig niedriger Preis oder ein Verkäufer, der kein Treffen möchte. Kommen mehrere davon zusammen, verzichten Sie besser.
Refurbished vom Händler oder gebraucht von privat – was ist besser?
Beim Händler haben Sie Gewährleistung, beim Onlinekauf ein Widerrufsrecht und meist ein geprüftes Gerät; dafür zahlen Sie mehr. Privat ist es oft günstiger, aber Sie tragen das Risiko selbst und müssen vor Ort gründlich prüfen. Wer wenig Zeit hat oder unsicher ist, fährt mit einem Händler besser.
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