Ratgeber

Stalkerware erkennen und entfernen, ohne sich zu gefährden

Stalkerware sind Apps, die heimlich Standort, Nachrichten oder Fotos an eine andere Person weiterleiten. Das sicherste Anzeichen ist kein technisches: Jemand weiß Dinge, die er nicht wissen kann. Löschen Sie eine verdächtige App nicht sofort, sondern sichern Sie zuerst Beweise und holen Sie Rat, etwa beim Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen unter 116 016 oder beim Weißen Ring unter 116 006. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 110.

Von Geprüft am 7 Min. Lesezeit

Frau sitzt von hinten gesehen in der Dämmerung auf einer Parkbank und hält ein Smartphone, dessen Display abgewandt ist
KI-generiert

Stalkerware ist Überwachungssoftware, die ohne Wissen der betroffenen Person auf deren Handy läuft. Sie leitet Standort, Nachrichten, Anrufe oder Fotos weiter und tarnt sich oft als harmloser Systemdienst. Häufig steckt jemand aus dem persönlichen Umfeld dahinter, der das Gerät kurz in der Hand hatte oder Passwörter kennt. Diese Seite hilft, das eigene Handy zu prüfen und dabei sicher vorzugehen.

Erst schützen, dann löschen

Wer eine Spionage-App entfernt, kann die überwachende Person alarmieren – und vernichtet Beweise. Suchen Sie Informationen und Hilfe über ein Gerät, auf das niemand sonst Zugriff hat, etwa das Handy einer Vertrauensperson. Bei akuter Gefahr wählen Sie die 110.

Woran Sie Überwachung erkennen

Technische Auffälligkeiten sind Hinweise, keine Beweise. Polizei und BSI nennen einen schneller leeren Akku, Erwärmung, mehr Datenverbrauch und Apps, die Sie nicht kennen. Jedes davon kann auch eine harmlose Ursache haben. Deshalb lohnt der Abgleich:

Beobachtung, Hinweis auf Stalkerware und häufige harmlose Erklärung
BeobachtungVerdächtig, wenn …Harmlose Erklärung
Akku leert sich schneller… es plötzlich beginnt und eine unbekannte App im Akkuverbrauch auftauchtgealterter Akku, neue App, schlechter Empfang
Mehr mobile Daten… im Hintergrund viel hochgeladen wird, obwohl Sie wenig nutzenFoto-Backup, App-Updates, Streaming
Unbekannte App oder Systemdienst… sie Bedienungshilfen, Geräteverwaltung oder Benachrichtigungszugriff besitztvorinstallierte Apps des Herstellers
Sicherheitseinstellungen verändert… etwa Play Protect abgeschaltet wurde, ohne dass Sie es warenein Update hat Einstellungen zurückgesetzt
Fremdes Profil auf dem iPhone… es nicht von Arbeitgeber oder Schule stammtDiensthandy mit Geräteverwaltung
Jemand kennt Ihre Wege und Chats… sich das nicht anders erklären lässtgemeinsame Bekannte, öffentliche Beiträge

Das verlässlichste Zeichen steht in der letzten Zeile. Die Coalition Against Stalkerware, ein internationaler Zusammenschluss von Beratungsstellen und Sicherheitsfirmen, nennt das unerklärliche Wissen einer Person als stärksten Hinweis – noch vor jeder technischen Auffälligkeit. Vertrauen Sie Ihrem Eindruck, auch wenn das Handy unauffällig wirkt.

Verbreiteter IrrtumOhne Spionage-App kann niemand mein Handy überwachen

Was stimmtOft braucht es gar keine App. Wer das Passwort zu Ihrem Apple- oder Google-Konto kennt, sieht über die Cloud Standort, Fotos und Backups; auch eine vergessene Standortfreigabe oder ein verknüpftes Gerät im Messenger verrät viel.

Drei Wege, auf denen Überwachung entsteht

  • Eine installierte App: Ist sie eingerichtet, kann sie je nach Art Standort, Suchanfragen, Nachrichten, Fotos und Anrufe übertragen. Auf Android braucht sie dafür weitreichende Rechte, etwa für Bedienungshilfen oder die Geräteverwaltung. Dafür muss jemand das entsperrte Gerät in der Hand gehabt haben. Auf dem iPhone setzen solche Apps meist einen Jailbreak oder ein Konfigurationsprofil voraus; häufiger führt der Weg dort über das Konto.
  • Zugriff auf Konten: Wer Ihr Passwort kennt, braucht Ihr Handy nicht. Cloud-Backups, Fotos, der Standort in „Wo ist?“ oder „Mein Gerät finden“ und verknüpfte Geräte im Messenger lassen sich aus der Ferne einsehen.
  • Tracker und Freigaben: Ein versteckter Bluetooth-Tracker in Tasche oder Auto oder eine einmal erteilte Standortfreigabe verraten Ihren Aufenthaltsort. Wie Sie fremde Tracker aufspüren, steht im Ratgeber Bluetooth-Tracker.

So prüfen Sie Ihr Handy

Android

  • Unter „Bedienungshilfen“ nach Diensten suchen, die Sie nicht selbst aktiviert haben.
  • Unter „Apps zur Geräteverwaltung“ unbekannte Einträge prüfen.
  • Unter „Spezieller App-Zugriff“ Benachrichtigungszugriff, Nutzungsdaten und VPN durchsehen.
  • Prüfen, welche Apps „unbekannte Apps installieren“ dürfen.
  • Im Play Store unter dem Profilbild „Play Protect“ öffnen und scannen lassen.
  • Im Google-Konto die angemeldeten Geräte und den Sicherheitscheck ansehen.

iPhone

  • „Einstellungen“, „Datenschutz & Sicherheit“, „Sicherheitsprüfung“ öffnen (ab iOS 16): Sie zeigt Freigaben und Zugriffe und kann alle auf einmal beenden.
  • Im Apple Account die verknüpften Geräte prüfen und unbekannte entfernen.
  • Unter „Allgemein“, „VPN und Geräteverwaltung“ nach fremden Profilen suchen.
  • In „Wo ist?“ nachsehen, mit wem Sie Ihren Standort teilen.
  • Face ID oder Touch ID auf fremde Erscheinungsbilder und Fingerabdrücke prüfen.
  • Den Gerätecode ändern, wenn ihn jemand kennen könnte.

Bedenken Sie dabei: Endet eine Freigabe, bemerkt die andere Person das womöglich. Auch Messenger verdienen einen Blick – in WhatsApp zeigt der Menüpunkt „Verknüpfte Geräte“, ob Ihr Konto zusätzlich an einem Computer oder Tablet läuft. Schutz-Apps mit Stalkerware-Erkennung können ergänzen, ersetzen aber den Blick in die Einstellungen nicht; mehr dazu im Ratgeber Virenschutz für Android.

Beweise sichern, bevor sich etwas ändert

Für eine Anzeige und für gerichtliche Schutzanordnungen zählen Belege. Halten Sie fest, was Sie gefunden haben, bevor Sie Einstellungen ändern:

  1. Fotografieren Fotografieren Sie verdächtige Apps, Berechtigungen und Profile mit einem zweiten Gerät. Bildschirmfotos auf dem betroffenen Handy könnten mitgelesen werden.
  2. Tagebuch führen Notieren Sie jeden Vorfall mit Datum, Uhrzeit und Ort – auch Situationen, in denen jemand Unerklärliches wusste.
  3. Nachrichten aufbewahren Speichern Sie Drohungen, Sprachnachrichten und E-Mails extern, etwa auf einem USB-Stick.
  4. Beratung fragen Klären Sie mit einer Beratungsstelle oder der Polizei, ob das Gerät zur Auswertung gebraucht wird, bevor Sie es zurücksetzen.
Verdacht auf Stalkerware: die sichere ReihenfolgeAblauf in 6 Schritten: Zuerst – Sicheres Gerät nutzen: Recherche und Kontakt zu Hilfe über ein Gerät, auf das niemand sonst Zugriff hat.; Dann – Beratung einbeziehen: Mit Hilfetelefon oder Beratungsstelle klären, ob das Entfernen die Lage verschärft.; Dann – Beweise sichern: Apps, Einstellungen und Vorfälle mit Datum festhalten, am besten mit einem zweiten Gerät.; Dann – Entfernen oder zurücksetzen: Rechte entziehen und App löschen oder das Gerät auf Werkseinstellungen setzen.; Danach – Konten absichern: Passwörter von sauberem Gerät ändern, Zwei-Faktor-Anmeldung und Freigaben prüfen.; Bei Bedrohung – Anzeige erstatten: Nachstellung ist strafbar, mit Spionagesoftware in der Regel ein besonders schwerer Fall.Verdacht auf Stalkerware: die sichere ReihenfolgeErst schützen und sichern, dann entfernen123456ZuerstSicheres Gerät nutzenRecherche und Kontakt zu Hilfe über ein Gerät, auf das niemand sonst Zugriff hat.DannBeratung einbeziehenMit Hilfetelefon oder Beratungsstelle klären, ob das Entfernen die Lage verschärft.DannBeweise sichernApps, Einstellungen und Vorfälle mit Datum festhalten, am besten mit einem zweiten Gerät.DannEntfernen oder zurücksetzenRechte entziehen und App löschen oder das Gerät auf Werkseinstellungen setzen.DanachKonten absichernPasswörter von sauberem Gerät ändern, Zwei-Faktor-Anmeldung und Freigaben prüfen.Bei BedrohungAnzeige erstattenNachstellung ist strafbar, mit Spionagesoftware in der Regel ein besonders schwerer Fall.Quellen: BSI, Polizeiliche Kriminalprävention, Coalition Against Stalkerware
Wer die App sofort löscht, warnt womöglich die überwachende Person und verliert Beweise.

Mit einem Sicherheitsplan vorgehen

Die Coalition Against Stalkerware rät, vor dem Entfernen gemeinsam mit einer Beratungsstelle einen Sicherheitsplan zu machen – einen persönlichen Plan, der auf Ihre Lage zugeschnitten ist. Er klärt etwa, über welches Gerät Sie vertraulich kommunizieren, wen Sie im Notfall erreichen und was geschieht, wenn die überwachende Person merkt, dass die Überwachung endet. Gerade in Beziehungen mit Gewalt kann dieser Moment gefährlich werden.

Der Plan legt auch die Reihenfolge fest. Manche Betroffene richten zuerst ein neues, unbekanntes Gerät für vertrauliche Gespräche ein und lassen das überwachte vorerst unverändert. Andere entfernen die App sofort, weil die Überwachung selbst die größte Gefahr ist. Welcher Weg passt, besprechen Sie am besten mit einer Fachstelle; das Hilfetelefon kann auch an Beratungsstellen vor Ort vermitteln.

Entfernen und danach absichern

Ist die Lage geklärt, gibt es drei Wege. Sie können der App erst die Rechte entziehen – Geräteverwaltung, Bedienungshilfen, Spezialzugriffe – und sie dann deinstallieren. Gründlicher ist das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen; spielen Sie danach kein vollständiges Backup ein, das die App wieder mitbringen könnte, sondern installieren Sie Ihre Apps neu. Die Schritte stehen unter Werkseinstellungen. Am sichersten ist ein neues Gerät, das Sie selbst einrichten und niemandem überlassen.

Danach kommen die Konten an die Reihe, und zwar von einem sauberen Gerät aus: neue Passwörter für E-Mail, Apple- oder Google-Konto und Messenger, dazu die Zwei-Faktor-Anmeldung. Prüfen Sie auch die hinterlegte Telefonnummer und E-Mail-Adresse für die Wiederherstellung, damit niemand das Konto über „Passwort vergessen“ zurückholt.

Vorbeugen lässt sich mit wenigen Gewohnheiten. Das BSI rät, Bildschirmsperre und SIM-PIN immer aktiv zu lassen, eine PIN oder ein Passwort statt eines Musters zu wählen und Zugangsdaten auch Vertrauten nicht zu verraten. Richten Sie neue Geräte selbst ein, seien Sie skeptisch, wenn Ihnen jemand ein fertig eingerichtetes Handy schenkt, und lassen Sie sich nicht zum Rooten überreden. Weitere Einstellungen zeigt der Ratgeber Datenschutz am Smartphone.

Hilfe holen

  • Akute Gefahr: Polizei unter 110.
  • Hilfetelefon „Gewalt gegen Frauen“: 116 016, rund um die Uhr, kostenlos und anonym, in 18 Sprachen, auch für Angehörige und Fachkräfte. Online-Beratung gibt es auf hilfetelefon.de.
  • Hilfetelefon „Gewalt an Männern“: 0800 1239900, montags bis donnerstags von 8 bis 20 Uhr, freitags von 8 bis 15 Uhr.
  • Weißer Ring: Opfer-Telefon 116 006, täglich von 7 bis 22 Uhr, kostenlos und anonym.
  • Anzeige: bei jeder Polizeidienststelle. Nachstellung ist nach § 238 StGB strafbar. Wer dabei ein Programm zum digitalen Ausspähen einsetzt, begeht in der Regel einen besonders schweren Fall; dafür drohen drei Monate bis fünf Jahre Freiheitsstrafe.
Zwei Frauen sprechen in einem hellen Beratungsraum an einem kleinen Tisch, darauf liegt ein Smartphone mit dem Display nach unten
Beratungsstellen helfen, vor dem Entfernen einer Spionage-App einen Sicherheitsplan zu machen. KI-generiert

Und wenn es um Kinder geht?

Eltern dürfen die Geräte ihrer Kinder mit deren Wissen einschränken, etwa über ein Kinderkonto und eine offene Standortfreigabe. Heimliches Mitlesen ist auch bei Jugendlichen der falsche Weg – und gegenüber Erwachsenen in der Regel strafbar. Wie eine altersgerechte Begleitung aussieht, zeigen die Ratgeber Kindersicherung und Handy ab welchem Alter; weitere Sicherheitsthemen sammelt die Übersicht der Ratgeber.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026. Diese Seite beschreibt ausschließlich, wie Sie Ihr eigenes Gerät prüfen; sie ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

Häufige Fragen

Kann jemand mein Handy überwachen, ohne es in der Hand gehabt zu haben?

Für eine installierte App braucht es in aller Regel Zugriff auf das entsperrte Gerät. Ohne das Handy läuft Überwachung vor allem über Konten: Wer Ihr Cloud-Passwort kennt oder es Ihnen mit einer gefälschten Nachricht entlockt, sieht viele Daten aus der Ferne. Starke Passwörter und ein zweiter Faktor verschließen diesen Weg weitgehend.

Findet ein Virenscanner Stalkerware zuverlässig?

Nicht immer. Einige Schutzprogramme erkennen bekannte Überwachungs-Apps und warnen davor, neue oder getarnte Varianten können durchrutschen. Ein Fund ist ein starker Hinweis, ein unauffälliger Scan aber keine Entwarnung.

Reicht das Zurücksetzen auf Werkseinstellungen?

Es entfernt installierte Apps, aber nicht den Zugriff über Ihre Konten. Wer Ihr Apple- oder Google-Passwort kennt, sieht nach dem Zurücksetzen wieder dieselben Daten. Ändern Sie deshalb danach die Passwörter von einem Gerät aus, auf das niemand sonst Zugriff hat.

Passt dazu

  • Ratgeber Zwei-Faktor-Anmeldung

    SMS-Codes lassen sich in Echtzeit abfischen, Passkeys nicht – und das E-Mail-Konto gehört zuerst gesichert.

  • Ratgeber SIM-Swapping

    Täter brauchen Ihr Handy nicht: Ein SMS-Code am Telefon genügt, damit Ihre Nummer umzieht.

  • Ratgeber Telefonbetrug

    Die Nummer im Display beweist nichts – sicher ist nur der Rückruf unter einer bekannten Nummer.

  • Netze Handy über Satellit

    Per Satellit geht in Deutschland nur der Notruf – mit iPhone ab Modell 14 und Pixel ab 9, ohne 9a.