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Prepaid oder Handyvertrag: Kostenkontrolle, Bindung und Leistung

Prepaid passt, wenn Sie Kosten fest im Griff behalten, ohne Bonitätsprüfung auskommen oder nur wenig telefonieren: Sie zahlen vorab und können in der Regel nicht mehr ausgeben, als aufgeladen ist. Ein Vertrag passt, wenn Sie bequem per Rechnung zahlen, ein Handy mitfinanzieren oder Zusatzkarten brauchen. Für Flexibilität brauchen Sie kein Prepaid: Verträge ohne Mindestlaufzeit sind zum Monatsende kündbar. Rechnen Sie bei Prepaid den Vier-Wochen-Takt ein, er bringt 13 Abbuchungen im Jahr.

Von Geprüft am 6 Min. Lesezeit

Frau am Küchentisch mit offenem Portemonnaie, leeren Blättern und Stift, daneben ein Smartphone mit dem Display nach unten
KI-generiert

Prepaid oder Vertrag – das war früher eine Wahl zwischen Freiheit und zwei Jahren Bindung. Diese Gleichung stimmt nicht mehr. Seit der Reform des Telekommunikationsgesetzes 2021 lassen sich Laufzeitverträge nach der Mindestlaufzeit monatlich kündigen, und viele Anbieter verkaufen Verträge ganz ohne Mindestlaufzeit. Gleichzeitig sind manche Prepaid-Tarife schneller als Verträge.

Sinnvoller ist deshalb ein Vergleich von drei Modellen: Prepaid, Vertrag ohne Mindestlaufzeit und Vertrag mit Laufzeit. Sie unterscheiden sich darin, wann Sie zahlen, wie lange Sie gebunden sind und welches Kostenrisiko Sie tragen.

Drei Modelle: wann Sie zahlen und wie lange Sie gebunden sindGegenüberstellung: Prepaid: Guthaben vorab, Ausgaben begrenzt, Pakete meist für vier Wochen, Ausweisprüfung, keine Schufa, Restguthaben auf Antrag zurück – Ohne Mindestlaufzeit: Rechnung im Nachhinein, Kündigung zum Monatsende, Bonitätsprüfung üblich, Anschlusspreis oft höher – Mit Laufzeit: Bindung bis zu 24 Monate, danach monatlich kündbar, Handy auf Raten möglich, 12-Monats-Vertrag als PflichtangebotDrei Modelle: wann Sie zahlen und wie lange Sie gebunden sindPrepaid, Vertrag ohne Mindestlaufzeit und Laufzeitvertrag, Stand Oktober 2026PrepaidGuthaben vorab, AusgabenbegrenztPakete meist für vier WochenAusweisprüfung, keine SchufaRestguthaben auf Antrag zurückOhne MindestlaufzeitRechnung im NachhineinKündigung zum MonatsendeBonitätsprüfung üblichAnschlusspreis oft höherMit LaufzeitBindung bis zu 24 Monatedanach monatlich kündbarHandy auf Raten möglich12-Monats-Vertrag alsPflichtangebotQuellen: §§ 56, 64 und 172 TKG, Preislisten und Produktinformationsblätter der Anbieter
Der Vertrag ohne Mindestlaufzeit verbindet Rechnung und kurze Kündigungsfrist – oft ist er der Mittelweg.

Drei Modelle nebeneinander

Prepaid, Vertrag ohne Mindestlaufzeit und Laufzeitvertrag, Stand Oktober 2026
MerkmalPrepaidVertrag ohne MindestlaufzeitVertrag mit Laufzeit
BezahlungGuthaben vorabRechnung im NachhineinRechnung im Nachhinein
Abrechnungmeist alle vier Wochenmonatlichmonatlich
Bindungkeine; Pakete verlängern sich nur mit genug Guthabenkurze Frist, oft zwei Wochen zum Monatsendehöchstens 24 Monate, danach mit einem Monat Frist kündbar
Prüfung vor AbschlussAusweisprüfung vor der Freischaltung, keine BonitätsprüfungBonitätsprüfung üblichBonitätsprüfung üblich
Kostenrisikoauf das Guthaben begrenztRechnung kann steigen, etwa durch Drittanbieter oder Auslandwie ohne Mindestlaufzeit
Handy und Zusatzkartenseltenje nach Anbieterhäufig, Handy auch auf Raten
Restguthabenwird auf Antrag erstattetentfälltentfällt

Die Beispiele für Verträge ohne Mindestlaufzeit stammen aus Produktinformationsblättern: Die Flex-Varianten von congstar und der Tarif von fraenk lassen sich mit zwei Wochen Frist zum Monatsende kündigen. Prepaid-Pakete bei Aldi Talk und Lidl Connect laufen je vier Wochen und verlängern sich nur, wenn genug Guthaben auf dem Konto ist. Was Verträge ohne Laufzeit im Detail kosten, rechnet der Ratgeber Handyvertrag ohne Laufzeit vor.

Der Vier-Wochen-Takt: 13 statt 12 Abbuchungen

Viele Prepaid-Pakete laufen nicht einen Monat, sondern vier Wochen. Das klingt gleich, ist es aber nicht: Ein Jahr hat 52 Wochen, also 13 Abrechnungszeiträume. Angenommen, ein Paket kostet 10 Euro je vier Wochen. Dann zahlen Sie im Jahr 130 Euro, für einen Monatstarif zum selben Preis nur 120 Euro.

Umgerechnet kostet das Paket also rund 10,83 Euro im Monat. Der Aufschlag ist klein, summiert sich aber und lässt Prepaid-Preise günstiger wirken, als sie sind. Den Vier-Wochen-Takt, Anschlusspreise und Startguthaben rechnet der Effektivpreis-Rechner auf einen echten Monatspreis um.

Bei den Einmalkosten liegt der Unterschied woanders. Verträge verlangen oft einen Anschlusspreis, der bei Varianten ohne Laufzeit höher sein kann als bei 24 Monaten; bei congstar ist das so. Prepaid-Karten kosten ein Startpaket, das meist Startguthaben enthält. Und nicht genutzte Einheiten verfallen bei vielen Paketen zum Ende des Zeitraums, bei Aldi Talk etwa laut Preisliste.

Wer den Vier-Wochen-Takt umgehen will, findet Jahrespakete. Aldi Talk und Lidl Connect bieten Pakete mit 365 Tagen Laufzeit und 60, 250 oder 450 GB, die einmal im Jahr bezahlt werden; was am Ende übrig ist, verfällt.

Auch sonst verschwimmen die Grenzen. Bei Aldi Talk lässt sich eine Tarifoption direkt per Bankkonto bezahlen. Das ist bequem, macht die harte Kostengrenze von Prepaid aber weicher.

Verbreiteter IrrtumPrepaid ist immer langsamer als ein Vertrag.

Was stimmtDas Tempo hängt von Marke und Tarif ab, nicht von der Vertragsart. Aldi Talk erlaubt im Prepaid-Tarif L bis zu 150 Mbit/s, eine congstar Allnet Flat ohne Zusatzoption bis zu 50 Mbit/s.

Bindung und Kündigung: was das Gesetz vorgibt

Für Verträge setzt § 56 des Telekommunikationsgesetzes (TKG) klare Grenzen. Die erste Mindestlaufzeit darf höchstens 24 Monate betragen, und jeder Anbieter muss zusätzlich einen Vertrag mit höchstens zwölf Monaten anbieten. Verlängert sich ein Vertrag danach stillschweigend, können Sie jederzeit mit einem Monat Frist kündigen. Wie Sie den Termin berechnen, zeigt der Ratgeber Handyvertrag kündigen.

Ändert der Anbieter den Vertrag einseitig, etwa durch eine Preiserhöhung, dürfen Sie nach § 57 TKG ohne Kosten und ohne Frist kündigen. Er muss die Änderung ein bis zwei Monate vorher mitteilen, Sie haben ab der Mitteilung drei Monate Zeit. Einzelheiten stehen unter Preiserhöhung und Sonderkündigung.

Bei Prepaid stellt sich die Frage seltener, weil Sie jederzeit aufhören können aufzuladen. Die Pakete selbst kündigen Sie zum Ende des Zeitraums, bei Lidl Connect zum Beispiel mit einem Tag Frist. Die Rufnummer nehmen Sie in jedem Fall mit: Nach § 59 TKG geht das bis zu einem Monat nach Vertragsende, direkte Entgelte dafür sind nicht erlaubt. Den Ablauf beschreibt Rufnummer mitnehmen.

Risiken: Bonität, Kostenfallen, Restguthaben

Vor einem Vertrag prüfen die Anbieter in der Regel Ihre Bonität. o2 schreibt etwa, einen klassischen Vertrag mit 24 Monaten bekomme man mit negativer Schufa nur schwer, Prepaid gebe es ohne Bonitätsprüfung. Anonym ist Prepaid trotzdem nicht: Nach § 172 TKG muss der Anbieter Ihre Identität vor der Freischaltung prüfen, etwa anhand des Ausweises. Welche Wege es ohne Schufa-Abfrage gibt, beschreibt der Ratgeber Handyvertrag ohne Schufa.

Beim Vertrag liegt das Kostenrisiko auf der Rechnung. Abos über Drittanbieter, Sonderrufnummern und Verbindungen außerhalb der EU können sie in die Höhe treiben. Vor dem häufigsten Ärger schützt eine Drittanbietersperre.

Bei Prepaid liegt das Risiko eher beim Guthaben. Endet der Vertrag, muss der Anbieter Ihnen das Restguthaben auf Antrag erstatten (§ 64 Abs. 4 TKG). Laut Verbraucherzentrale darf er dafür kein Entgelt verlangen. Auch Formulare, die Rücksendung der SIM-Karte oder eine Ausweiskopie darf er nicht zur Bedingung machen; Start- und Bonusguthaben sind oft ausgenommen.

Wer lange nicht auflädt, riskiert die Abschaltung. Bei Aldi Talk beginnt mit der Aktivierung ein Zeitfenster von zwölf Monaten, das sich durch Aufladungen auf höchstens 24 Monate verlängern lässt. Danach ist die Karte zwei Monate nur noch erreichbar und wird dann abgeschaltet. Wie Guthaben und Fristen bei anderen Marken geregelt sind, sammelt der Ratgeber Prepaid-Karte.

Tempo und Ausland: kein Vorsprung per Vertragsart

Wie schnell ein Tarif ist, steht im Produktinformationsblatt, nicht in der Vertragsart. Die Prepaid-Tarife von Aldi Talk und Lidl Connect erlauben je nach Stufe bis zu 150 Mbit/s, die Laufzeitverträge von congstar ohne Zusatzoption bis zu 50 Mbit/s. Umgekehrt gibt es Prepaid-Pakete, die nur LTE mit 25 Mbit/s nutzen, etwa das kleinste Paket von congstar.

Auch 5G und eSIM sind bei Prepaid kein Sonderfall mehr. Aldi Talk, Lidl Connect und congstar geben ihre Prepaid-Karten auf Wunsch als eSIM aus, 5G ist in den meisten ihrer Pakete enthalten. Wo sich Prepaid und Vertrag tatsächlich unterscheiden, sind Zusatzkarten, Geräte und manche Komfortfunktionen.

Im EU-Ausland gelten für alle drei Modelle dieselben Regeln: Sie telefonieren und surfen zu Inlandskonditionen, solange Sie die Fair-Use-Grenze einhalten. Bei günstigen Tarifen kann das Volumen im EU-Ausland kleiner sein als zu Hause; bei Aldi Talk Tarif S sind es derzeit bis zu 15,27 GB statt 25 GB. Wie die Grenze berechnet wird, zeigt der Fair-Use-Rechner.

Wann Prepaid, wann Vertrag: sieben Lebenslagen

Welches Modell in welcher Lage eher passt
Lebenslagepasst eherwarum
Notfallkarte fürs Auto oder die ReisetaschePrepaidkeine Grundgebühr ohne Paket; nur gelegentlich aufladen, damit die Karte aktiv bleibt
Erstes Handy für ein KindPrepaidfeste Ausgabengrenze, keine Überraschung auf der Rechnung
Negative SchufaPrepaidkeine Bonitätsprüfung, nur Ausweisprüfung
Studium, Auslandssemester oder ProbezeitVertrag ohne Mindestlaufzeitbequem per Rechnung, trotzdem zum Monatsende kündbar
Seltene Nutzung, vor allem TelefonatePrepaidkleines Paket oder Abrechnung pro Minute
Familie mit Zusatzkarten, viel DatenvolumenVertragPartner- und Zusatzkarten gibt es vor allem im Vertrag
Neues Smartphone ohne EinmalzahlungVertrag mit HandyGerätepreis steckt in der Monatsrate; vorher gegen den Einzelkauf rechnen

In vielen Lagen ist der Vertrag ohne Mindestlaufzeit der Mittelweg: Rechnung statt Aufladen, aber keine lange Bindung. Wer ein Handy mitfinanziert, sollte neben der Rate auch dessen Update-Dauer kennen, wie im Vergleich iPhone oder Android beschrieben. Zwei Prepaid-Marken im Detail vergleicht Aldi Talk oder Lidl Connect, eine Prepaid- und Vertragsmarke gegen eine reine App-Marke congstar oder fraenk.

Erst das Netz, dann das Modell

Ob Prepaid oder Vertrag, ist die zweite Frage. Die erste lautet, welches Netz an Ihren Orten zuverlässig funktioniert.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Kann man bei Prepaid ins Minus kommen?

Im Normalfall nicht, weil Gespräche und Daten nur mit ausreichendem Guthaben funktionieren. Ausnahmen sind selten und betreffen etwa Verbindungen im Ausland, die verspätet abgerechnet werden. Wer automatisch per Lastschrift aufladen lässt, gibt die feste Grenze allerdings selbst ein Stück weit auf.

Ist Prepaid teurer als ein Vertrag?

Nicht grundsätzlich. Bei gleichem Paketpreis kostet Prepaid im Vier-Wochen-Takt im Jahr eine Abbuchung mehr, dafür fallen oft kein Anschlusspreis und keine Bindung an. Vergleichen Sie den Preis pro Jahr inklusive aller Einmalkosten statt der Werbepreise.

Kann ich von Prepaid in einen Vertrag wechseln und die Nummer behalten?

Ja, die Rufnummer lässt sich in beide Richtungen mitnehmen. Beantragen Sie die Mitnahme beim neuen Anbieter; das Restguthaben der alten Karte fordern Sie anschließend in Textform zurück.

Passt dazu

  • Netze eSIM oder SIM-Karte

    Die eSIM spart nach einem Verlust den Postweg – bei kaputtem Handy ist die Plastikkarte im Vorteil.

  • Netze Aldi Talk oder Lidl Connect

    Gleiche Stufen mit 50, 100 und 150 Mbit/s – den Ausschlag geben das Netz und fünf Detailregeln.

  • Netze congstar oder fraenk

    Gleiche Firma, gleiches Netz, gleiche 50 Mbit/s – congstar verkauft Auswahl, fraenk einen Tarif per App.

  • Hilfe Handy lädt nicht

    Kabel, Netzteil, Buchse, Software: die Prüfreihenfolge – und warum Stopp bei 80 Prozent oft Absicht ist.