Tarife

Günstig ins Ausland telefonieren: Spezialtarife und ihre Länderlisten

Wer oft ins Ausland telefoniert, findet bei Lebara, Lyca Mobile, Ortel Mobile und Ay Yildiz Tarife mit Inklusivminuten in viele Länder; alle vier funken inzwischen im o2-Netz. Entscheidend ist nicht die Marke, sondern die Länderliste: Sie zeigt, ob Ihr Zielland enthalten ist und ob Festnetz und Mobilfunk gleich behandelt werden. Für Anrufe in EU-Länder brauchen Sie oft keinen Spezialtarif, dort gilt eine gesetzliche Obergrenze von 19 Cent pro Minute zuzüglich Mehrwertsteuer.

Von Geprüft am 7 Min. Lesezeit

Älterer Mann mit grauem Schnurrbart sitzt auf einem Balkon mit roten Geranien und telefoniert lachend, daneben ein Glas Tee
KI-generiert

Wer Familie oder Freunde im Ausland hat, telefoniert oft lange und regelmäßig. Dafür gibt es Marken, die sich auf Gespräche über die Grenze spezialisiert haben: Lebara, Lyca Mobile, Ortel Mobile und Ay Yildiz. Ihre Tarife enthalten Inklusivminuten in viele Länder oder Flatrates in einzelne Netze.

Diese Seite behandelt Anrufe von Deutschland ins Ausland. Wer selbst verreist und sein Handy dort nutzt, braucht die Regeln für Roaming.

Vier Marken, ein Netz

Die Tabelle stellt die vier Auslandsmarken aus der handy.rocks-Datenliste nebeneinander, Stand 4. Oktober 2026. Konkrete Minutenpreise nennen wir bewusst nicht: Sie ändern sich häufig und unterscheiden sich je Land und Netz. Wie Sie sie selbst vergleichen, steht weiter unten.

Auslandstarife im Vergleich: Netz, Tempo, Vertragsart, eSIM, WLAN-Call und Schwerpunkt, Stand Oktober 2026
MarkeNetzDownload in Mbit/sVertragsarteSIMWLAN-CallSchwerpunkt laut Anbieter
Ay Yildizo2, Vertragspartner Telefónica50 bis 100Prepaid und Laufzeitja, fast alle TarifejaTürkei, viele Tarife mit Flat ins türkische Festnetz
Lebarao2, seit 202250 bis 100Prepaid, Laufzeit, monatlich kündbarjaja, nur in DeutschlandInklusivminuten in 50 Länder
Lyca Mobileo2, seit 25. September 202450Prepaid, Laufzeit, monatlich kündbarjaunklarMinuten in bis zu 100 Länder
Ortel Mobileo2, Telefónica-Unternehmen50 bis 100Prepaidnur angekündigtjaEU und 38 weitere Länder in den World-Optionen

Alle vier funken heute im o2-Netz von Telefónica, zwei davon erst seit wenigen Jahren. Lebara wechselte 2022 von der Telekom zu o2, Lyca Mobile am 25. September 2024 von Vodafone. Die Lyca-Kunden wurden dabei laut teltarif per Fernsteuerung umgestellt und mussten ihre SIM-Karte nicht tauschen.

Ortel Mobile ist ein Unternehmen von Telefónica, bei Ay Yildiz ist Telefónica der Vertragspartner. Für Sie heißt das: Die Netzfrage ist bei allen vier gleich. Wer an seinem Wohnort mit o2 schlecht versorgt ist, kann keinen dieser Tarife sinnvoll nutzen.

Was die Länderlisten wirklich enthalten

Die Zahl der Länder ist das, was die Werbung hervorhebt. Wichtiger ist, welche Länder und welche Netze genau gemeint sind. Vier Beispiele aus den aktuellen Unterlagen:

  • Lebara: Das Produktinformationsblatt des größten Prepaid-Tarifs nennt 1.200 Inklusivminuten für Gespräche ins Ausland, gültig für 50 Länder. Dieser Tarif wird seit dem 7. Mai 2026 vermarktet.
  • Lyca Mobile: Die Prepaid-Tarife International Plus L und XL enthalten unbegrenzte internationale Minuten in 100 Länder, andere Tarife ein festes Kontingent, etwa 500 Minuten. Mit AloTurka gibt es zusätzlich Tarife mit Schwerpunkt Türkei.
  • Ortel Mobile: Die World-Optionen enthalten laut Preisliste vom 25. August 2026 je nach Stufe 250 bis 1.000 Minuten aus Deutschland in die EU und in 38 weitere Länder, von den USA und Kanada über Indien, Pakistan und Bangladesch bis Brasilien. Bei Kasachstan und Russland gilt das nur fürs Festnetz. Die Türkei fehlt in dieser Liste.
  • Ay Yildiz: Die Smart-Optionen sind auf die Türkei ausgerichtet; viele enthalten eine Flatrate ins türkische Festnetz und ein Kontingent für Anrufe in türkische Mobilfunknetze.

Das Ortel-Beispiel zeigt, warum der Blick in die Liste unverzichtbar ist: Eine Option mit Minuten „in die EU und viele weitere Länder“ kann für Gespräche nach Pakistan genau richtig sein und für Gespräche in die Türkei nutzlos. Ebenso wichtig ist der Unterschied zwischen Festnetz und Mobilfunk. In Ländern, in denen die Familie vor allem Handys nutzt, hilft eine Festnetz-Flat wenig.

Anrufe in EU-Länder: Die Preisobergrenze gilt ohnehin

Für Gespräche in andere EU-Länder brauchen Sie in vielen Fällen keinen Spezialtarif. Seit dem 15. Mai 2019 gilt eine EU-weite Obergrenze: Ein Anruf aus Deutschland in ein anderes EU-Land darf Verbraucher höchstens 19 Cent pro Minute kosten, eine SMS höchstens 6 Cent, jeweils zuzüglich Mehrwertsteuer. Mit 19 Prozent Mehrwertsteuer sind das 22,61 Cent pro Minute und 7,14 Cent pro SMS. Die Grenze gilt für Mobilfunk und Festnetz, für Norwegen, Island und Liechtenstein sowie für Gebiete in äußerster Randlage wie die Kanaren oder Madeira.

Das EU-Parlament hat 2024 einer Verlängerung der Obergrenze bis 2032 zugestimmt; bis 2029 sollen Preisunterschiede allein wegen eines Anrufs über die Grenze ganz verschwinden. Ausgenommen sind laut Bundesnetzagentur Pauschaltarife, also echte Flatrates, und Alternativtarife, denen Sie ausdrücklich zugestimmt haben. Dazu kommt: Viele normale Prepaid-Tarife enthalten inzwischen Einheiten für Gespräche in die EU, bei Vodafone CallYa etwa 200 oder 500 Einheiten je vier Wochen. Wer vor allem in die EU telefoniert, prüft deshalb zuerst seinen bestehenden Tarif.

Länderpreise vergleichen: der Rechenweg

Länderpreise vergleichen in fünf SchrittenAblauf in 5 Schritten: Schritt 1 – Ziel genau festlegen: Land und Netz notieren: Rufen Sie dort meist ein Festnetz oder ein Handy an?; Schritt 2 – Länderliste lesen: Steht das Land wörtlich in der Liste, und gilt sie für Festnetz und Mobilfunk?; Schritt 3 – Preis ohne Option prüfen: Minutenpreis, Taktung und eine mögliche Verbindungsgebühr je Anruf aus der Preisliste.; Schritt 4 – In Minuten umrechnen: Optionspreis geteilt durch Minutenpreis: ab dieser Minutenzahl rechnet sich die Option.; Schritt 5 – Laufzeit und Verlängerung: Optionen verlängern sich oft automatisch – Kündigungsfrist und Zahlungsweg prüfen.Länderpreise vergleichen in fünf SchrittenSo finden Sie heraus, ob ein Auslandstarif oder eine Länderoption für Sie rechnet12345Schritt 1Ziel genau festlegenLand und Netz notieren: Rufen Sie dort meist ein Festnetz oder ein Handy an?Schritt 2Länderliste lesenSteht das Land wörtlich in der Liste, und gilt sie für Festnetz und Mobilfunk?Schritt 3Preis ohne Option prüfenMinutenpreis, Taktung und eine mögliche Verbindungsgebühr je Anruf aus der Preisliste.Schritt 4In Minuten umrechnenOptionspreis geteilt durch Minutenpreis: ab dieser Minutenzahl rechnet sich die Option.Schritt 5Laufzeit und VerlängerungOptionen verlängern sich oft automatisch – Kündigungsfrist und Zahlungsweg prüfen.Grundlage: Preislisten und Produktinformationsblätter von Lebara, Lyca Mobile, Ortel Mobile und Ay Yildiz; Stand Oktober 2026
Schritt 4 ist der wichtigste: Erst der Gegenwert in Minuten zeigt, ab wann sich eine Option lohnt.

Den entscheidenden Schritt rechnen Sie im Kopf. Teilen Sie den Preis einer Länderoption durch den Minutenpreis ohne Option, beides aus derselben Preisliste. Das Ergebnis ist die Zahl der Minuten, ab der sich die Option lohnt.

Kostet eine Option so viel wie 40 Minuten ohne Option, rechnet sie sich ab der 41. Minute im Monat. Wer nur 20 Minuten telefoniert, zahlt mit Option doppelt so viel wie ohne.

Zwei Feinheiten verschieben die Rechnung. Erstens die Taktung: Bei 60/60, also minutengenauer Abrechnung, zählt jede angefangene Minute. Fünf Anrufe zu je 2 Minuten und 10 Sekunden ergeben 15 abgerechnete Minuten, obwohl Sie knapp 11 Minuten gesprochen haben.

Zweitens Verbindungsgebühren: Lebara berechnet im Basispreis laut Produktinformationsblatt zusätzlich zum Minutenpreis eine einmalige Gebühr für jedes abgehende Gespräch. Bei vielen kurzen Anrufen kann sie mehr ausmachen als die Minuten selbst.

Kriterien mit Gewicht

Worauf es bei Auslandstarifen ankommt, nach Gewicht
KriteriumGewichtWorauf Sie achten
Zielland und Netz in der LänderlisteentscheidendLand wörtlich in der Liste, Festnetz und Mobilfunk getrennt prüfen.
Gegenwert in MinutenhochOptionspreis geteilt durch Minutenpreis mit Ihrem echten Bedarf vergleichen.
o2-Versorgung zu HausehochAlle vier Marken funken im o2-Netz; wer dort schlecht versorgt ist, nutzt besser eine Länderoption beim eigenen Anbieter.
Verlängerung und BezahlenmittelBei Lebara und Lyca Mobile verlängern sich Tarife nur mit Guthaben oder hinterlegter Zahlungsmethode.
Tempo und Datenvolumenmittel50 bis 100 Mbit/s je nach Stufe; für Videoanrufe zählt vor allem das Volumen.
eSIM und WLAN-Callgering bis mittelOrtel hat die eSIM nur angekündigt, Lebara erlaubt WLAN-Call laut Datenliste nur in Deutschland.

Tempo und Datenvolumen: was 2026 neu ist

Beim mobilen Internet haben die Auslandsmarken 2026 aufgeholt. Lebara erlaubt in den größeren Prepaid-Stufen seit Mai 2026 bis zu 100 statt 50 Mbit/s im Download; der größte Tarif wird laut Produktinformationsblatt seit dem 7. Mai 2026 vermarktet. Ortel Mobile erlaubt in den größeren World-Optionen ebenfalls 100 Mbit/s, Ay Yildiz in den größeren Smart-Optionen.

Lyca Mobile bleibt bei 50 Mbit/s. Lebara, Ortel und Ay Yildiz nennen im Upload bis zu 25 Mbit/s.

Für Videotelefonate mit der Familie, die viele statt klassischer Anrufe führen, zählt eher das Datenvolumen als die Spitzengeschwindigkeit. Messenger-Anrufe kosten keine Minuten, verbrauchen aber Daten; wie viel, hängt von Bildqualität und Dauer ab. Den eigenen Bedarf schätzt der Datenvolumen-Rechner.

Junge Frau sitzt spätabends am Küchentisch und hält ein Smartphone für einen Videoanruf vor sich, daneben eine Tasse Tee
Videoanrufe über Messenger kosten keine Minuten, nur Datenvolumen – im WLAN zu Hause nicht einmal das. KI-generiert

Kostenfallen bei Auslandstarifen

  • Inklusivminuten gelten meist nur aus Deutschland. Die Optionen beschreiben Gespräche von Deutschland ins Ausland. Rufen Sie während einer Reise an, gelten Roaming-Regeln.
  • Festnetz und Mobilfunk werden getrennt behandelt. Eine Flat ins Festnetz eines Landes deckt Anrufe auf dortige Handys nicht ab.
  • Automatische Verlängerung. Optionen und Tarife verlängern sich alle vier Wochen, bei Lebara automatisch, wenn eine Zahlungsmethode hinterlegt ist; die Kündigungsfrist beträgt dort einen Tag zum Ende der Laufzeit.
  • Sonderrufnummern. Inklusivminuten gelten nicht für Sonderrufnummern; Ortel schließt sie in der Preisliste ausdrücklich aus.
  • Verbindungsgebühr je Anruf. Wo eine Gebühr pro Gespräch anfällt, werden viele kurze Anrufe teuer.

Wann Sie keinen Spezialtarif brauchen

  • Ihre Gesprächspartner leben in der EU. Dann greift die Preisobergrenze, und viele Tarife enthalten EU-Einheiten.
  • Sie telefonieren fast nur per Messenger. Dann zählt nur das Datenvolumen; im WLAN zu Hause nicht einmal das.
  • Sie brauchen zu Hause das Telekom- oder Vodafone-Netz. Dann bleiben Sie beim bisherigen Anbieter und buchen eine Länderoption. CallYa bietet etwa ein Minutenpaket, das auch fürs türkische Festnetz gilt, und eine Option für Anrufe in türkische Mobilfunknetze.
  • Sie reisen selbst. Für Telefonate im Ausland gelten Roaming-Regeln; für die Türkei steht alles unter Roaming in der Türkei, für Datenpakete unterwegs unter Reise-eSIM.

Nächster Schritt

Prüfen Sie zuerst, ob Ihr bestehender Tarif schon EU-Einheiten oder eine passende Länderoption hat. Erst wenn das Zielland fehlt, lohnt der Wechsel zu einer Auslandsmarke im o2-Netz.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Gilt die EU-Preisgrenze auch für Anrufe in die Schweiz oder nach Großbritannien?

Nein. Die Obergrenze gilt laut Bundesnetzagentur für Anrufe in EU-Länder sowie nach Norwegen, Island und Liechtenstein. Einzelne Anbieter rechnen Großbritannien freiwillig weiter wie ein EU-Land ab, o2 etwa laut Preisliste bis Ende 2026. Für die Schweiz gelten die Preise der jeweiligen Ländergruppe.

Kostet ein Messenger-Anruf ins Ausland etwas?

Anrufe über Messenger-Apps verbrauchen nur Datenvolumen, egal in welches Land, im WLAN zu Hause nicht einmal das. Voraussetzung ist, dass die Gegenseite dieselbe App nutzt und eine stabile Verbindung hat. Anrufe auf eine normale Festnetz- oder Handynummer im Ausland deckt das nicht ab.

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