Ratgeber

Das EU-Energielabel für Smartphones: sechs Werte richtig lesen

Seit dem 20. Juni 2025 trägt jedes neu in der EU in Verkehr gebrachte Smartphone ein Label mit sechs Werten: Energieeffizienzklasse (A bis G), Akkulaufzeit pro Ladung in Stunden, Klasse der Sturzfestigkeit (A bis E), Ladezyklen bis 80 Prozent Restkapazität, Reparierbarkeitsklasse (A bis E) und Schutzart gegen Staub und Wasser. Der QR-Code führt zum Datenblatt in der EU-Datenbank EPREL, das etwa auch die garantierte Mindestdauer der Updates nennt. Alle Werte sind Herstellerangaben nach festgelegten Prüfverfahren.

Von Geprüft am 8 Min. Lesezeit

Frau vergleicht in einem Elektronikmarkt zwei Smartphone-Verpackungen, von hinten über die Schulter gesehen
Bild: KI-generiert

Seit dem 20. Juni 2025 gehört zu jedem neu in der EU in Verkehr gebrachten Smartphone und zu den meisten Tablets ein Energielabel. Es sieht aus wie das vom Kühlschrank, sagt aber mehr: Neben der Effizienzklasse stehen dort Akkulaufzeit, Sturzfestigkeit, Ladezyklen, Reparierbarkeit und Schutzart. Grundlage ist die Delegierte Verordnung (EU) 2023/1669. Alle Werte ermittelt der Hersteller nach Prüfverfahren, die diese Verordnung festlegt.

Aufbau des EU-Energielabels für Smartphones mit seinen sechs Kategorien Schematische Darstellung des Labels: Oben die Energieeffizienzklasse auf einer Skala von A bis G. Darunter sechs Einzelangaben: Akkulaufzeit pro Ladezyklus in Stunden, Reparierbarkeitsklasse auf einer Skala von A bis E mit Werkzeug-Symbol, Zuverlässigkeitsklasse aus dem Falltest, Akkulaufzeit in Ladezyklen bis achtzig Prozent Restkapazität, sowie der Eindringschutzgrad gegen Staub und Wasser als IP-Angabe. Was auf dem Label steht ENERGIEEFFIZIENZ A B C D E–G bekannte Skala wie bei Kühlschrank und Waschmaschine Reparierbarkeit A–E Werkzeug-Symbol Akku in Ladezyklen bis 80 % Restkapazität Falltest Zuverlässigkeitsklasse Akku pro Ladung Laufzeit in Stunden IP-Schutzgrad Staub und Wasser Nicht auf dem Label: Preise für Ersatzteile
Sechs Kennzahlen, die vorher nirgends vergleichbar waren – und eine wichtige Leerstelle.

Verbreiteter IrrtumEnergieeffizienzklasse A bedeutet die längste Akkulaufzeit.

Was stimmtDie Klasse misst, wie viele Stunden Prüfzyklus ein Gerät pro Wattstunde Akkukapazität schafft. Wie lange eine Ladung reicht, steht daneben in Stunden und Minuten – ein Gerät mit großem Akku kann länger durchhalten und trotzdem nur Klasse B bekommen.

Die sechs Werte und ihre Skalen

Jedes Feld hat eine eigene Skala und ein eigenes Prüfverfahren. Die Tabelle fasst zusammen, wie die Werte entstehen und was sie Ihnen beim Kauf sagen.

Die Werte auf dem EU-Label für Smartphones nach Verordnung (EU) 2023/1669
FeldSkalaWie der Wert entstehtWas er Ihnen sagt
EnergieeffizienzA bis GLaufzeit im Prüfzyklus geteilt durch die Energie des Akkus; Klasse A ab einem Index über 2,70wie sparsam das Gerät mit seinem Akku umgeht
Akkulaufzeit pro ZyklusStunden und MinutenDauerschleife aus Telefonat, Surfen, Video, Spiel, Datenübertragung und Pausen bei fester Helligkeit von 200 cd/m², bis das Gerät ausgehtVergleichswert für eine Ladung, nicht Ihre persönliche Laufzeit
SturzfestigkeitA bis EStürze aus 1 Meter Höhe ohne Defekt: A ab 270, B ab 180, C ab 90, D ab 45wie viel ein Gerät ohne Hülle aushält
Ladezyklenab 800, in Hunderterschrittenvolle Ladezyklen, bis der Akku nur noch 80 Prozent seiner Nennkapazität hatwann der Akku spürbar nachlässt
ReparierbarkeitA bis EIndex aus sechs Kriterien mit je 1 bis 5 Punkten; Klasse A ab 4,00wie leicht Display, Akku und andere Teile zu tauschen sind
SchutzartIP-CodePrüfung ohne Schutzhülle nach IEC 60529Schutz gegen Staub und Wasser

Zwei Grenzen der Skalen sollten Sie kennen. Die Ladezyklen werden auf volle Hundert abgerundet, und die Angabe endet bei „≥ 1.400“ – mehr zeigt das Label nicht. Klasse E bei der Sturzfestigkeit gibt es für gewöhnliche Smartphones nicht, weil die Ökodesign-Verordnung ohnehin mindestens 45 Stürze ohne Defekt verlangt. Was die Schutzart im Einzelnen bedeutet, erklärt der Ratgeber zur IP-Schutzklasse.

Auch die Sturzklasse beruht auf einem festen Verfahren. Geprüft werden fünf Geräte je Modell ohne Hülle, die immer wieder aus 1 Meter Höhe fallen; zwischendurch wird kontrolliert, ob Display und Funktionen noch intakt sind. Ins Datenblatt kommt die Zahl der Stürze, die mindestens vier der fünf Geräte ohne Defekt überstanden haben.

Was hinter den Stunden steckt

Der Prüfzyklus für Smartphones dauert zweieinhalb Stunden und wiederholt sich, bis der Akku leer ist. Er besteht aus einem Telefonat von vier Minuten, neun Minuten Surfen, vier Minuten Videostreaming, einer Minute Spielen, acht Minuten Datenübertragung und vier Minuten Videowiedergabe. Dazwischen liegen viermal 30 Minuten Pause. Aktiv genutzt wird das Gerät also nur eine halbe Stunde je Durchgang.

Daraus lässt sich die Angabe grob in Nutzungszeit übersetzen. 41 Stunden auf dem Label entsprechen gut 16 Durchgängen und damit rund acht Stunden aktiver Nutzung. Wer viel spielt oder navigiert, kommt auf weniger, wer das Handy kaum anfasst, auf mehr. Zum Vergleichen taugt der Wert trotzdem gut, weil alle Geräte unter denselben Bedingungen laufen: Helligkeit 200 cd/m², Dunkelmodus und Stromsparfunktionen aus.

Wie sich die Laufzeit im Alltag verlängern lässt, steht im Ratgeber zur Akkulaufzeit.

Rechenbeispiel: warum der größere Akku die schlechtere Klasse bekommen kann

Die Effizienzklasse folgt aus dem Energieeffizienzindex, kurz EEI. Die Verordnung berechnet ihn so: Laufzeit im Prüfzyklus in Stunden, geteilt durch die Energie des Akkus in Wattstunden. Die Energie ergibt sich aus Nennspannung mal Nennkapazität. Zwei Geräte mit angenommenen Werten zeigen, was daraus folgt.

Rechenbeispiel mit angenommenen Werten: Effizienzklasse und Laufzeit im Vergleich
WertGerät 1Gerät 2
Akku (Nennkapazität)5.000 mAh4.000 mAh
Nennspannung3,87 V3,87 V
Energie des Akkus19,35 Wh15,48 Wh
Laufzeit pro Zyklus50 Std.45 Std.
EEI (Laufzeit ÷ Energie)2,582,91
EffizienzklasseBA

Gerät 1 hält fünf Stunden länger durch und landet trotzdem eine Klasse tiefer, weil es dafür mehr Akkuenergie braucht. Für den Kauf heißt das: Wer lange Laufzeit sucht, schaut auf das Stundenfeld. Die Klasse zeigt, wie effizient Chip, Display und Software arbeiten. Auf der Stromrechnung macht das beim Smartphone kaum etwas aus.

Drei echte Datenblätter nebeneinander

Wie das in der Praxis aussieht, zeigen drei iPhones, deren vollständiges EU-Datenblatt Apple auf den Produktseiten veröffentlicht. Die Werte sind Herstellerangaben.

Auszug aus den EU-Produktdatenblättern, abgerufen am 4. Oktober 2026
WertiPhone 16iPhone 17iPhone 17e
EnergieeffizienzklasseBAA
Akkulaufzeit pro Zyklus37 Std.41 Std.45 Std.
Ladezyklen≥ 1.000≥ 1.000≥ 1.000
Stürze ohne Defekt, Klasse≥ 90, C≥ 180, B≥ 180, B
SchutzartIP68, 6 mIP68, 6 mIP68, 6 m
Reparierbarkeit (Index)C (2,80)C (2,82)C (2,79)
Garantierte Update-Mindestdauer5 Jahre5 Jahre5 Jahre

Drei Dinge fallen auf. Das ältere iPhone 16 hält im Prüfzyklus kürzer durch und übersteht weniger Stürze. Bei der Reparierbarkeit liegen alle drei gleichauf in Klasse C. Und bei den Updates trägt Apple jeweils fünf Jahre ein – das EU-Mindestmaß, für das es im Reparierbarkeitsindex nur 1 von 5 Punkten gibt.

Warum Apple keine längere Frist nennt, steht im Ratgeber zur Update-Politik der Hersteller.

Was im Reparierbarkeitsindex steckt

Der Index fasst sechs Kriterien zusammen, jedes mit 1 bis 5 Punkten bewertet. Die Zerlegungstiefe zählt zu 25 Prozent, die übrigen fünf zu je 15 Prozent:

  • Zerlegungstiefe: wie viele Schritte nötig sind, um an Akku, Display und andere wichtige Teile zu kommen.
  • Befestigungen: ob sich Teile lösen und wieder befestigen lassen oder verklebt sind.
  • Werkzeuge: ob einfache Werkzeuge reichen oder Spezialgerät nötig ist.
  • Ersatzteile: ob nur Werkstätten oder auch Endnutzer Teile wie Display und Akku kaufen können.
  • Software-Updates: 5 Punkte für mindestens sieben Jahre ab Verkaufsende des Modells, 3 Punkte für sechs, 1 Punkt für fünf Jahre.
  • Reparaturinformationen: wer Anleitungen und Schaltpläne bekommt.

Eine Lücke ist bekannt: Die Preise der Ersatzteile fließen nicht ein. Die EU-Kommission muss bis zum 20. September 2027 prüfen, ob sie künftig zählen.

Bis dahin hilft ein Umweg. Für Modelle, die seit Juni 2025 in Verkehr kommen, müssen Hersteller Richtpreise der wichtigsten Ersatzteile auf ihrer Website veröffentlichen. Ein Blick auf den Preis für Display und Akku lohnt vor jedem Kauf; wie sich die Reparatur rechnet, zeigen die Ratgeber zur Display-Reparatur und zum Akkutausch.

EPREL: was nur im Datenblatt steht

Der QR-Code auf dem Label führt in die europäische Produktdatenbank EPREL. Dort gibt es zu jedem Modell ein Produktdatenblatt mit Angaben, für die auf dem Label kein Platz ist:

  • ob der Akku vom Nutzer selbst gewechselt werden kann und wie groß seine Nennkapazität ist,
  • die Zahl der überstandenen Stürze und ob das Gerät mit Schutzhülle ausgeliefert wird,
  • bei IPX8 die angegebene Eintauchtiefe in Metern,
  • die Kratzfestigkeit des Displays auf der Mohs-Skala,
  • die garantierte Mindestdauer der Betriebssystem-Updates in Jahren,
  • die sechs Einzelwerte des Reparierbarkeitsindex und einen Link zu Ersatzteilen.

Ohne Gerät in der Hand können Sie in der EPREL-Datenbank für Smartphones und Tablets nach Marke und Modell suchen. Das klappt auch bei gebrauchten Geräten, sofern das Modell nach dem 20. Juni 2025 noch neu in der EU verkauft wurde – praktisch vor dem Kauf eines generalüberholten Geräts.

Wofür das Label nicht gilt

Das Label betrifft Geräte, die seit dem 20. Juni 2025 in Verkehr gebracht werden. Ausgenommen sind laut EU-Kommission Tablets mit Desktop-Betriebssystem, Geräte mit aufrollbarem Display und Smartphones für die Hochsicherheitskommunikation. Gebrauchte Geräte, die vor dem Stichtag verkauft wurden, bekommen kein neues Label. Und alle Angaben bleiben Herstellerangaben, die erst die Marktüberwachung nachmessen kann.

So nutzen Sie das Label beim Kauf

  1. Reparierbarkeit und Ladezyklen zuerst Diese beiden Werte sagen am meisten darüber, wie lange ein Gerät durchhält. Die Effizienzklasse ist beim Smartphone der am wenigsten wichtige Wert.
  2. Laufzeit im Stundenfeld ablesen Für den Vergleich der Akkulaufzeit zählt das Feld mit Stunden und Minuten, nicht der Buchstabe.
  3. Update-Dauer im Datenblatt nachsehen Die garantierte Mindestdauer steht nicht auf dem Label, aber in EPREL. Mehr als fünf Jahre ab Verkaufsende sind ein Plus.
  4. Ersatzteilpreise prüfen Display und Akku sind die häufigsten Reparaturen. Ihre Richtpreise stehen auf der Website des Herstellers.

Wer mehrere Geräte vergleicht, findet die übrigen Prüfpunkte in der Checkliste zum Handykauf.

Was nach dem Label kommt

Das Label war der sichtbarste Schritt, aber nicht der letzte. Seit dem 31. Juli 2026 gilt das Recht auf Reparatur. Ab dem 18. Februar 2027 greift die Akku-Regel der EU-Batterieverordnung, nach der Endnutzer Gerätebatterien selbst tauschen können sollen.

Ein Wechselakku in jedem Smartphone folgt daraus nicht. Nach den Leitlinien der EU-Kommission haben für Smartphones die Ökodesign-Regeln Vorrang, und die erlauben einen Akku, den nur Fachleute tauschen, wenn er nach 1.000 Ladezyklen noch 80 Prozent leistet und das Gerät mindestens IP67 erreicht. Mehr dazu in den Ratgebern Akku tauschen und Handy mit Wechselakku.

Nach dem Label: EU-Regeln für Smartphones bis Ende 2027Zeitleiste: 20.06.2025 – Label und Ökodesign: Pflicht für neu verkaufte Geräte; 31.07.2026 – Recht auf Reparatur: Hersteller müssen auf Wunsch reparieren; 27.09.2026 – Keine leeren Öko-Versprechen: Händler nennen die Update-Dauer; 18.02.2027 – Akku-Regel der EU: Für Smartphones gilt Ökodesign vorrangig; 20.09.2027 – Label im Test: Prüfung, ob Ersatzteilpreise zählen; 11.12.2027 – Support-Ende angeben: Monat und Jahr beim KaufNach dem Label: EU-Regeln für Smartphones bis Ende 2027Was seit Juni 2025 gilt und was noch kommt20.06.2025Label undÖkodesignPflicht für neuverkaufte Geräte31.07.2026Recht aufReparaturHersteller müssenauf Wunschreparieren27.09.2026Keine leerenÖko-VersprechenHändler nennendie Update-Dauer18.02.2027Akku-Regel der EUFür Smartphonesgilt Ökodesignvorrangig20.09.2027Label im TestPrüfung, obErsatzteilpreisezählen11.12.2027Support-EndeangebenMonat und Jahrbeim KaufQuellen: Verordnungen (EU) 2023/1669, 1670, 1542, 2024/2847; Richtlinien 2024/825, 2024/1799; C/2025/214
Das Label war der Anfang: Bis Ende 2027 folgen Regeln zu Reparatur, Werbung, Akkus und Support-Dauer.
Junges Paar sitzt am Küchentisch und betrachtet ein ausgepacktes Smartphone mit der Rückseite nach oben
Nach dem Auspacken lohnt ein Blick ins Datenblatt: Dort stehen Werte, für die auf dem Label kein Platz ist. Bild: KI-generiert

Vom Label zur Kaufentscheidung

Reparierbarkeit, Akku und Update-Dauer zusammen sagen mehr über den Wert eines Geräts als jede Ausstattungsliste.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026.

Häufige Fragen

Wo finde ich das Energielabel beim Onlinekauf?

Im Onlineshop muss in der Nähe des Preises ein farbiger Pfeil mit der Effizienzklasse stehen, der zum vollständigen Label führt; auch das Produktdatenblatt muss abrufbar sein. Fehlt beides, fragen Sie beim Händler nach oder suchen Sie das Modell direkt in der EPREL-Datenbank.

Gilt das Label auch für Tablets?

Ja, für sogenannte Slate-Tablets: Geräte mit 7 bis 17,4 Zoll und einem Betriebssystem wie bei Smartphones. Tablets mit Desktop-Betriebssystem, die meist eine abnehmbare Tastatur haben, zählt die EU zu den Computern; für sie gilt das Label nicht.

Sind die Werte auf dem Label geprüft?

Die Werte ermittelt der Hersteller nach den Prüfverfahren der Verordnung und trägt sie in die Datenbank ein. Behörden der Mitgliedstaaten können Geräte nachmessen; liegen die Ergebnisse außerhalb der erlaubten Toleranzen, gilt das Modell als nicht konform. Eine Zulassung vor dem Verkauf gibt es nicht.

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