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Nothing: vom Nachzügler zur langen Zusage

Von Alexander Müller Aktualisiert am 22. Juli 2026 Datenbasis: Herstellerangaben, EU-Label 6 Minuten Lesezeit

Kurzantwort

Nothing hat seine Update-Politik grundlegend umgestellt. Für das aktuelle Spitzenmodell gelten fünf Android-Versionen und sieben Jahre Sicherheitsupdates, für die Mittelklasse drei Versionen und sechs Jahre. Die erste Gerätegeneration lief dagegen nach drei Versionen und vier Jahren aus – ihr Support endete im Sommer 2026. Bei der Reparierbarkeit steht Klasse C auf dem Label, bei der Sturzfestigkeit Klasse A. Der Akku ist auf rund 1.400 Ladezyklen ausgelegt und liegt damit über dem gesetzlichen Mindestwert.

Nothing ist die jüngste Marke in diesem Vergleich und die einzige, deren Update-Politik sich innerhalb weniger Jahre komplett gedreht hat. Wer die Marke nach der ersten Gerätegeneration beurteilt, liegt heute falsch – in beide Richtungen.

Die Update-Politik nach Modellreihe

Update-Zusagen von Nothing nach Modellreihe. Angaben des Herstellers, Stand Juli 2026.
ReiheAndroid-VersionenSicherheitsupdates
Aktuelles Spitzenmodell57 Jahre
Mittelklasse, a-Reihe36 Jahre
Erste Generationen34 Jahre

Der Sprung von vier auf sieben Jahre innerhalb von drei Gerätegenerationen ist der größte, den eine Marke im Beobachtungszeitraum hingelegt hat. Zwei Gründe dürften zusammengewirkt haben: die seit Juni 2025 geltende EU-Mindestregel von fünf Jahren und der Wettbewerbsdruck durch Google und Samsung.

Die Asymmetrie ist hier besonders groß

Fünf Android-Versionen bei sieben Jahren Sicherheitsupdates bedeutet: In den letzten beiden Jahren bekommt das Gerät nur noch Sicherheitspatches, keine neue Systemversion mehr. Für die sichere Nutzbarkeit reicht das aus, für neue Funktionen nicht. Bei Google laufen beide Fristen gleich lang.

Die zwei Zahlen, auf die es ankommt

Seit Juni 2025 stehen auf jedem neu verkauften Smartphone zwei Werte, die mehr über die tatsächliche Nutzungsdauer sagen als jedes Datenblatt: die Reparierbarkeitsklasse von A bis E und die Akku-Ladezyklen. Dazu kommt die Update-Zusage des Herstellers. Alle drei zusammen ergeben die Kosten pro Nutzungsjahr – die ehrlichere Vergleichsgröße als der Kaufpreis.

Reparierbarkeit: Klasse C, und das hat einen Grund

Im EU-Label erreicht das Spitzenmodell Bestwerte bei Energieeffizienz und Sturzfestigkeit, bei der Reparierbarkeit aber nur Klasse C. Verantwortlich sind vor allem die verklebte Rückseite und die aufwendig integrierte Leuchtfläche – also ausgerechnet das Designmerkmal, für das die Marke bekannt ist.

Positiv fällt der Akku auf: Er ist auf rund 1.400 Ladezyklen bis zum Erreichen von 80 Prozent Restkapazität ausgelegt. Der gesetzliche Mindestwert liegt bei 800. Bei täglichem Laden entspricht das grob drei bis vier Jahren, bevor die Kapazität spürbar nachlässt – ein Wert, der zu einer Sieben-Jahres-Zusage besser passt als die Reparierbarkeitsklasse.

Kaufpreis und Update-Dauer ergeben die Kosten pro Nutzungsjahr Rechenbeispiel: Ein günstigeres Gerät mit nur zwei Jahren Update-Versorgung verursacht höhere Kosten pro Nutzungsjahr als ein teureres Gerät mit sieben Jahren Versorgung. Der Kaufpreis allein ist damit keine belastbare Vergleichsgröße. Die ehrlichere Vergleichsgröße Kaufpreis geteilt durch die Jahre zugesicherten Supports – schematisch günstiges Gerät niedriger Kaufpreis nur 2 Jahre Updates hohe Kosten pro Jahr teureres Gerät höherer Kaufpreis 7 Jahre Updates niedrige Kosten pro Jahr Dazu kommt die Reparierbarkeitsklasse: Ein Displaytausch kann je nach Modell das Doppelte bis Dreifache kosten.
Erst Kaufpreis, Update-Dauer und Reparaturkosten zusammen ergeben ein realistisches Bild.

Design als eigentliches Kaufargument

Anders als bei den etablierten Marken ist bei Nothing die Optik kein Nebenaspekt: transparente Gehäuserückseiten, sichtbare Bauteile und eine per LED gesteuerte Benachrichtigungsanzeige auf der Rückseite, die Anrufe, Timer und Meldungen ohne Displaynutzung signalisiert. Die Systemoberfläche bleibt nah am reinen Android und verzichtet weitgehend auf vorinstallierte Zusatz-Apps.

Das ist ein legitimes Kaufargument – nur eben eines, das sich nicht messen lässt. Für die Frage der Langlebigkeit zählt es nicht, für die Kaufentscheidung durchaus.

Die Modellreihen-Logik

Nothing führt drei Ebenen: die nummerierte Hauptreihe als Spitzenmodell, eine a-Reihe für die Mittelklasse und mit CMF eine eigenständige Untermarke für besonders günstige Geräte und Zubehör. Bemerkenswert: Das aktuelle CMF-Pro-Modell bekommt dieselben sechs Jahre Sicherheitsupdates wie die Nothing-Mittelklasse – bei einem Preis unter 300 Euro. Nur das erste CMF-Gerät hatte deutlich kürzere Zusagen. Prüfen Sie also die Generation, nicht die Marke.

Wie bei allen Marken läuft die Frist ab Marktstart des Modells. Ein Gerät der ersten Generationen ist heute unabhängig vom Zustand der Hardware ohne Sicherheitsupdates – beim Gebrauchtkauf der entscheidende Punkt.

Für wen sich Nothing eignet

Dafür spricht die Marke

  • Sieben Jahre Sicherheitsupdates für das Spitzenmodell
  • Sechs Jahre auch in der Mittelklasse
  • Eigenständiges Design, klar unterscheidbar
  • Schlanke Android-Oberfläche ohne Ballast
  • Akku mit rund 1.400 Ladezyklen deutlich über dem Mindestwert

Das spricht dagegen

  • Reparierbarkeit nur Klasse C – verklebte Rückseite
  • Nur fünf Android-Versionen bei sieben Jahren Sicherheitsupdates
  • Ältere Generationen bereits ohne Support
  • Sortiment und Servicenetz kleiner als bei den großen Marken
  • Kleines Servicenetz im Vergleich zu den großen Herstellern
Verbleibende Update-Dauer je nach Alter des Modells Darstellung der Restlaufzeit: Bei einer Zusage von sieben Jahren ab Marktstart hat ein neu erschienenes Modell die volle Dauer, ein ein Jahr altes Modell noch sechs Jahre, ein drei Jahre altes noch vier Jahre. Die Frist läuft ab Marktstart des Modells, nicht ab dem Kaufdatum. Restlaufzeit läuft ab Marktstart Beispiel bei sieben Jahren Zusage – nicht ab Ihrem Kaufdatum neu erschienen 7 Jahre 1 Jahr alt 6 Jahre 3 Jahre alt 4 Jahre
Ein Vorjahresmodell verliert oft mehr Preis als Restlaufzeit – deshalb ist es häufig der bessere Kauf.

Vor dem Kauf prüfen

  • Welche Generation – zwischen der ersten und der aktuellen Reihe liegen drei Jahre Unterschied bei den Sicherheitsupdates. Der Markenname sagt darüber nichts aus.
  • Haupt- oder Untermarke – CMF-Geräte sind deutlich günstiger und beim aktuellen Pro-Modell gleich lang mit Sicherheitsupdates versorgt.
  • Reparierbarkeitsklasse – bei Klasse C sollten Sie die Kosten für einen Displaytausch vor dem Kauf kennen.
  • Schutzart – sie unterscheidet sich zwischen Spitzenmodell und Mittelklasse deutlich; für den Alltag im Freien ist das relevanter als die Kameraauflösung.

Fazit

Nothing hat den größten Sprung im Markt gemacht: von einer der schwächsten Zusagen zu einer der längsten. Wer heute das aktuelle Spitzenmodell kauft, bekommt sieben Jahre Sicherheitsupdates – so viel wie bei Samsung und Google.

Zwei Punkte bleiben: Neue Systemversionen enden zwei Jahre vor den Patches, und die Reparierbarkeitsklasse C passt nicht recht zu einem Gerät, das so lange halten soll. Wer Design und Software-Erlebnis höher gewichtet als Reparaturkosten, findet hier trotzdem eine eigenständige Alternative zum Mainstream.

Langlebigkeit vergleichen

Update-Dauer und Reparierbarkeit ergeben zusammen die Kosten pro Nutzungsjahr.

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Häufige Fragen zu Nothing-Smartphones

Wie lange bekommt ein Nothing-Handy Updates?

Für das aktuelle Spitzenmodell sagt Nothing fünf große Android-Versionen und sieben Jahre Sicherheitsupdates zu. Die Mittelklasse der a-Reihe erhält drei Android-Versionen und sechs Jahre Sicherheitsupdates. Die erste Gerätegeneration bekam drei Versionen und vier Jahre – ihr Support endete im Sommer 2026.

Warum nur fünf Android-Versionen bei sieben Jahren Sicherheit?

Weil Nothing beide Zusagen getrennt gibt. Nach der fünften großen Systemversion erhält das Gerät noch zwei Jahre lang Sicherheitspatches, aber keine neuen Funktionen mehr. Für die sichere Nutzbarkeit zählen die Sicherheitsupdates, für neue Systemfunktionen die Android-Versionen.

Wie gut lässt sich ein Nothing-Handy reparieren?

Das EU-Label weist Reparierbarkeitsklasse C aus. Verantwortlich sind vor allem die verklebte Rückseite und die aufwendig integrierte Leuchtfläche auf der Rückseite. Bei Energieeffizienz und Sturzfestigkeit erreicht das Spitzenmodell dagegen Bestwerte.

Was ist das Glyph-Interface?

Ein System aus LED-Leuchtflächen auf der transparenten Rückseite, das Anrufe, Benachrichtigungen und Timer anzeigt, ohne dass Sie das Display einschalten müssen. Es ist das prägende Designmerkmal der Marke – und zugleich einer der Gründe für die mäßige Reparierbarkeitsklasse.

Was ist CMF?

CMF ist die günstigere Untermarke von Nothing für preiswerte Smartphones und Zubehör. Anders als bei vielen Untermarken wird dort nicht an der Versorgung gespart: Das aktuelle Pro-Modell bekommt drei Android-Versionen und sechs Jahre Sicherheitsupdates, also dieselbe Patch-Dauer wie die Nothing-Mittelklasse. Nur das erste CMF-Gerät lag darunter.

Wie viele Ladezyklen hält der Akku?

Das aktuelle Spitzenmodell ist auf rund 1.400 Ladezyklen ausgelegt, bevor die Kapazität unter 80 Prozent fällt. Der gesetzliche Mindestwert liegt bei 800 Zyklen. Bei täglichem Laden entspricht das grob drei bis vier Jahren bis zum spürbaren Nachlassen.

Lohnt sich ein gebrauchtes Nothing-Handy?

Nur bei den neueren Generationen. Geräte der ersten Reihe sind seit Sommer 2026 ohne Sicherheitsupdates, unabhängig davon, wie gut die Hardware noch dasteht. Prüfen Sie vor dem Gebrauchtkauf, welcher Generation das konkrete Modell angehört.

Funktioniert ein Nothing-Handy in allen deutschen Netzen?

Ja. Die offiziell in Deutschland verkauften Modelle unterstützen alle hier genutzten Frequenzbänder, LTE, 5G sowie VoLTE und WLAN Call. Achten Sie bei Importgeräten auf die Bandliste und darauf, ob 5G Standalone unterstützt wird.

Quellen und Stand: Support-Zusagen des Herstellers auf den offiziellen Update-Seiten · EU-Energielabel nach Verordnung (EU) 2023/1669, verpflichtend seit 20.06.2025 · EU-Ökodesign-Verordnung (EU) 2023/1670 · Stichprobenerhebung von connect zu Reparaturkosten · eigene Einordnung.

Update-Zusagen und Label-Werte sind Herstellerangaben und beziehen sich auf einzelne Modellreihen, nicht auf das gesamte Sortiment. Wir nennen bewusst keine Gerätepreise und keine tagesaktuellen Modellstände, da beides schnell veraltet. Prüfen Sie vor dem Kauf die Angaben zum konkreten Modell. Stand dieser Seite: 22. Juli 2026.