Smartphones
Motorola: zwei bis sieben Jahre – und zwei Zahlen für ein Gerät
Motorola veröffentlicht für seine Smartphones je Gerät, wann die Sicherheitsupdates enden. Die Spanne reicht von zwei Jahren bei Einsteigermodellen wie moto g06 und g17 bis zu sieben Jahren beim razr fold. Verbindlich ist die Liste nach Motorolas eigenen Worten nicht, und im EU-Datenblatt stehen oft mehr Jahre als dort. Dahinter steht eine umstrittene Lesart der EU-Verordnung, nach der Hersteller nur bereitgestellte Updates verfügbar halten müssen.

Motorola macht etwas, das viele Hersteller scheuen: Für seine Smartphones steht je Gerät öffentlich, bis wann es Sicherheitsupdates bekommt. Die Liste zeigt eine große Spanne – und sie passt nicht immer zu dem, was Motorola in die EU-Produktdatenbank einträgt. Diese Seite vergleicht beide Zahlen, erklärt das Schlupfloch im Wortlaut der EU-Verordnung und rechnet vor, was ein Jahr Sicherheit bei Motorola kostet.
Zwei bis sieben Jahre: die Spanne in Motorolas Liste
Die Support-Seite nennt je Gerät den Monat der Veröffentlichung und den Monat, in dem die Sicherheitspatches enden. Dazu kommt ein Hinweis zum Rhythmus: Die meisten Geräte bekommen mindestens alle zwei Monate ein Update, nur die ThinkPhone-Modelle monatlich. Die Modelle aus unserer Datenliste:
| Modell | Marktstart | Updates bis | Art der Angabe |
|---|---|---|---|
| edge 70 pro | April 2026 | April 2031 | Enddatum des Herstellers |
| razr fold | März 2026 | März 2033 | Enddatum des Herstellers |
| edge 70 fusion | Februar 2026 | November 2031 | Enddatum des Herstellers |
| edge 70 | Oktober 2025 | Juni 2031 | Enddatum des Herstellers |
| edge 60 neo | September 2025 | Juni 2031 | Enddatum des Herstellers |
| moto g86 5G und g86 power | Juni 2025 | Juni 2029 | Enddatum des Herstellers |
| edge 60 pro | April 2025 | April 2029 | Enddatum des Herstellers |
| edge 60 und edge 60 fusion | März 2025 | März 2029 | Enddatum des Herstellers |
| moto g15 und g15 power | Dezember 2024 | Dezember 2026 | Enddatum des Herstellers |
| moto g75 5G | Oktober 2024 | Oktober 2030 | Enddatum des Herstellers |
| edge 50 neo | August 2024 | August 2029 | Enddatum des Herstellers |
| moto g85 5G | Juni 2024 | Juni 2028 | Enddatum des Herstellers |
| edge 50 ultra | Mai 2024 | Mai 2028 | Enddatum des Herstellers |
| edge 50 fusion | April 2024 | April 2028 | Enddatum des Herstellers |
| edge 50 pro | März 2024 | Februar 2028 | Enddatum des Herstellers |
Am oberen Ende steht das razr fold mit sieben Jahren, am unteren eine ganze Gruppe von Einsteigermodellen mit zwei: moto g05, g06, g15 und g17. Auffällig ist das moto g75 5G. Die Liste nennt Oktober 2030, sechs Jahre nach dem Marktstart und damit länger als bei jedem anderen moto-g-Modell der Liste. Zum Marktstart hatte Motorola für das g75 laut Fachpresse tatsächlich sechs Jahre Sicherheitsupdates angekündigt; ein Pflegefehler der Liste ist das also wohl nicht. Das neue Spitzenmodell motorola signature vom Januar 2026 ist bis Juni 2032 versorgt.
Was Motorola selbst zur Liste sagt
Unter der Liste steht ein deutlicher Vorbehalt: Die Angaben beschreiben nur die derzeitigen Pläne und stellen nach Motorolas Worten „keine Verpflichtung oder Verbindlichkeit“ dar. Inhalt und Zeitpunkt jeder Veröffentlichung können sich ohne Benachrichtigung ändern.
Zwei Zahlen für ein Gerät: Support-Liste gegen EU-Datenblatt
Seit dem 20. Juni 2025 gehört zu jedem neuen Smartphone ein EU-Datenblatt. Darin steht unter anderem, wie viele Jahre Updates mindestens verfügbar bleiben, gezählt ab dem Ende des Verkaufs. Vergleicht man diese Angabe mit Motorolas eigener Liste, ergibt sich ein auffälliges Bild:
| Modell (Veröffentlichung) | Patches enden laut Liste | Datenblatt: Jahre ab Verkaufsende | Reparierbarkeit |
|---|---|---|---|
| razr fold (März 2026) | März 2033 | 7 | B (3,62) |
| edge 70 max (Juni 2026) | Juni 2029 | 7 | B (3,93) |
| edge 70 (Oktober 2025) | Juni 2031 | 6 | B (3,63) |
| edge 60 neo (September 2025) | Juni 2031 | 7 | A (4,04) |
| moto g86 5G (Juni 2025) | Juni 2029 | 6 | B (3,64) |
| moto g75 5G (Oktober 2024) | Oktober 2030 | 7 | B (3,93) |
| moto g57 (November 2025) | Juni 2028 | 7 | A (4,08) |
| moto g17 (Januar 2026) | Januar 2028 | 5 | B (3,38) |
| moto g06 (August 2025) | August 2027 | 7 | A (4,13) |
| moto g15 (Dezember 2024) | Dezember 2026 | 5 | B (3,39) |
Beim moto g06 enden die Patches laut Liste im August 2027, zwei Jahre nach dem Marktstart. Im Datenblatt garantiert Motorola zugleich sieben Jahre Update-Verfügbarkeit ab Verkaufsende. Ähnlich beim edge 70 max: drei Jahre laut Liste, sieben laut Datenblatt. Beides steht auf offiziellen Seiten von Motorola und der EU, und beides gilt für dasselbe Gerät.
Das Schlupfloch im Wortlaut der Verordnung
Wie beide Zahlen zusammenpassen, erklärt der Text der Ökodesign-Verordnung. Er verlangt, dass „zur Verfügung gestellte Sicherheits-, Korrektur- oder Funktionsaktualisierungen“ ab dem Verkaufsende mindestens fünf Jahre kostenlos zugänglich sind. Motorola liest das so: Verpflichtend sei nur, Updates kostenlos bereitzuhalten, die der Hersteller ohnehin anbietet – eine Pflicht, überhaupt neue Updates zu entwickeln, ergebe sich daraus nicht. In der englischen Fassung hängt das an einem einzigen Wort: „if“.
Die finnische Marktaufsichtsbehörde Tukes folgt dieser Lesart laut Fachpresse: Hersteller müssten keine neuen Updates produzieren, aber vorhandene fünf Jahre lang bereitstellen. Zugleich räumt Tukes ein, dass die EU eigentlich eine lange Versorgung sicherstellen wollte. Wie der Streit ausgeht, ist offen. Für Sie heißt das: Bei Motorola ist die Jahreszahl im Datenblatt kein Versprechen auf neue Sicherheitspatches. Planen Sie mit dem Datum aus der Support-Liste, auch wenn es ebenfalls unverbindlich ist. Zum Vergleich der Zählweisen aller Marken lohnt der Ratgeber Update-Garantie mit seinem Restlaufzeit-Rechner.
Reparierbarkeit: Klasse A ausgerechnet bei Einsteigern
Beim EU-Label steht Motorola auf den ersten Blick gut da. Klasse A erreichen unter anderem moto g06, g56, g57, g67, g77 und das edge 60 neo, die übrigen eingetragenen Modelle Klasse B. Beim g06 gibt Motorola im Datenblatt zudem 36 Monate Herstellergarantie an, bei den meisten anderen Modellen 24 Monate. Für Ersatzteile verweist Motorola im Datenblatt auf einen externen Teilehändler.
Der Haken: In den Reparierbarkeitsindex fließt die angegebene Update-Dauer ein. Für sieben Jahre gibt es dort die volle Punktzahl, beim g06 also 5 von 5 Punkten, obwohl die Sicherheitspatches laut Liste nach zwei Jahren enden. Die Klasse sagt bei Motorola deshalb mehr über Schrauben und Ersatzteile als über die Software. Wie sich der Index zusammensetzt, erklärt der Ratgeber zum EU-Energielabel; wann sich ein Akkutausch lohnt, steht unter Akku tauschen.
Was ein Jahr Sicherheit bei Motorola kostet
Wie stark die Spanne ins Geld geht, zeigt ein Beispiel bei Kauf im Oktober 2026. Die Preise sind Annahmen in der Größenordnung der jeweiligen Preisklasse, keine Angebote; die Enddaten stammen aus Motorolas Liste:
- moto g06: angenommen 100 Euro, Patches bis August 2027, also noch 10 Monate – 120 Euro je Update-Jahr, mehr als der Kaufpreis.
- moto g17: angenommen 150 Euro, Patches bis Januar 2028, noch 15 Monate – 120 Euro je Jahr.
- moto g75 5G: angenommen 200 Euro, Patches bis Oktober 2030, noch 48 Monate – 50 Euro je Jahr.
- edge 60 neo: angenommen 300 Euro, Patches bis Juni 2031, noch 56 Monate – rund 64 Euro je Jahr.
Die billigsten Geräte sind pro Jahr Sicherheit mit Abstand die teuersten. Wer ein Einsteigermodell kauft, sollte deshalb zuerst das Enddatum prüfen und dann den Preis. Als Notfall- oder Übergangsgerät kann ein kurzes Enddatum trotzdem passen, vorausgesetzt, es wird ersetzt, bevor die Patches enden. Weitere Prüfpunkte sammelt der Ratgeber Handy kaufen: Checkliste.
Diese Motorola-Geräte sind schon oder bald ohne Patches
Wer ein älteres Motorola besitzt, sollte das Datum kennen. Nach der Liste des Herstellers sind mehrere bekannte Modelle bereits ohne Sicherheitspatches oder kurz davor:
| Modell | Patches bis | Restlaufzeit |
|---|---|---|
| moto g73 5G | Januar 2026 | beendet |
| moto g14 | August 2026 | beendet |
| moto g84 5G und edge 30 ultra | September 2026 | beendet |
| moto g05, moto g15 und moto e15 | Dezember 2026 | 2 Monate |
| moto g24, g34 5G, g53 5G und ThinkPhone | Januar 2027 | 3 Monate |
| edge 40 pro | April 2027 | 6 Monate |
| edge 40 | Mai 2027 | 7 Monate |
| edge 40 neo und razr 40 ultra | Juni 2027 | 8 Monate |
Ein Gerät ohne Patches funktioniert weiter, bleibt aber für neu entdeckte Lücken offen. Wer es verkaufen oder abgeben will, findet die nötigen Schritte unter Altes Handy verkaufen.
Nächster Schritt
Marken, deren Zusagen schriftlich und länger sind, und eine mit gerätegenauen Enddaten.
Quellen und Stand
- Motorola Support Deutschland: Sicherheitsupdates – Veröffentlichung, Ende der Sicherheitspatches und Rhythmus je Gerät, Hinweis zur Unverbindlichkeit
- EPREL, Produktdatenbank der EU: motorola g06 (XT2535-3) – Klasse A, sieben Jahre Update-Verfügbarkeit, 5 Punkte für Software; edge 70 max (XT2611-3), edge 60 neo (XT2509-1), g17 (XT2623-2)
- EUR-Lex: Verordnung (EU) 2023/1670 – Anhang II, Aktualisierungen des Betriebssystems
- WinFuture: Zwingt die EU zu 5 Jahren Android-Updates? Von wegen, sagt Motorola vom 29. November 2025 und Fehler in EU-Regel: Keine Pflicht zu fünf Jahren Android-Updates für Smartphones vom 30. Januar 2026 – Lesart von Motorola und Tukes
- GSMArena: Motorola Moto G75 arrives with the Snapdragon 6 Gen 3 and promise of five OS upgrades vom 1. Oktober 2024 – sechs Jahre Sicherheitsupdates zum Marktstart
Geprüft am 4. Oktober 2026.
Häufige Fragen
Wie oft bekommen Motorola-Handys Sicherheitsupdates?
Bei den meisten Modellen nennt Motorola einen Rhythmus von mindestens alle zwei Monate, nur die ThinkPhone-Modelle werden monatlich versorgt. Mobilfunkanbieter können für ihre Geräte andere Zyklen haben. Vor großen Android-Upgrades kann sich ein Patch zusätzlich verschieben.
Muss Motorola nach EU-Recht fünf Jahre Updates liefern?
Das ist umstritten. Die Verordnung verlangt, dass bereitgestellte Updates ab dem Verkaufsende fünf Jahre kostenlos verfügbar bleiben. Motorola und die finnische Marktaufsicht lesen daraus keine Pflicht, neue Updates zu entwickeln; die EU hatte eine lange Versorgung im Sinn. Eine Rechtsberatung im Einzelfall ersetzt das nicht, bei Streit hilft die Verbraucherzentrale.
Bekommt das moto g75 5G wirklich bis 2030 Updates?
Motorolas Liste nennt Oktober 2030, und zum Marktstart hatte Motorola für das g75 sechs Jahre Sicherheitsupdates angekündigt. Die Angaben passen also zusammen. Verbindlich ist die Liste nach Motorolas eigenem Hinweis aber nicht, prüfen Sie das Datum vor einem Gebrauchtkauf erneut.
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