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5G Standalone: was hinter „5G+“ steckt und wann es sich lohnt

5G Standalone – vermarktet als „5G+“ – ist 5G mit eigenem 5G-Kernnetz statt LTE-Anker. Es verkürzt vor allem die Reaktionszeit, erlaubt Telefonie direkt über 5G (VoNR) und ist Voraussetzung für Network Slicing. Mehr Megabit pro Sekunde bringt es nicht automatisch. Nutzen können Sie es nur, wenn Gerät, Tarif und Standort zusammenpassen; bei manchen Anbietern müssen Sie die Funktion erst in der App freischalten oder als Option buchen.

Von Geprüft am 8 Min. Lesezeit

Mann mit Kopfhörern sitzt abends am Schreibtisch am Fenster und hält ein Smartphone quer, als würde er spielen
Bild: KI-generiert

Was Vodafone als „5G+“ vermarktet, ist 5G Standalone: 5G mit eigenem Kernnetz, ohne den LTE-Anker der ersten 5G-Generation. Vodafone hat die Technik im Oktober 2024 bundesweit freigeschaltet und erreichte damit nach eigenen Angaben schon damals mehr als 90 Prozent der Bevölkerung. Die Telekom vermarktet unter „5G+“ Zusatzfunktionen für Spiele und Videoanrufe. Ob Ihr Handy davon etwas hat, hängt an drei Bedingungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen.

Verbreiteter Irrtum5G+ ist einfach schnelleres 5G

Was stimmtStandalone verkürzt vor allem die Reaktionszeit und bringt Telefonie über 5G. Mehr Megabit pro Sekunde bringt es nicht automatisch.

Non-Standalone und Standalone: der Unterschied im Kern

Aufbau von 5G Non-Standalone und 5G Standalone im Vergleich Bei 5G Non-Standalone verbindet sich das Smartphone mit einer 5G-Antenne, die Steuerung läuft aber über das alte LTE-Kernnetz, wodurch garantierte Latenzen, Network Slicing und Telefonie über 5G nicht möglich sind. Bei 5G Standalone verbindet sich das Gerät mit einer 5G-Antenne und einem eigenständigen 5G-Kernnetz, wodurch niedrige Latenz, Network Slicing, höhere Gerätedichte und Voice over New Radio verfügbar werden. 5G Non-Standalone (NSA) – das verbreitete 5G Smartphone 5G-Antenne LTE-Kernnetz der Flaschenhals kein garantiertes Latenzniveau kein Slicing · Telefonie über VoLTE 5G Standalone (SA) – vermarktet als „5G+“ Smartphone 5G-Antenne 5G-Kernnetz eigenständig niedrige Latenz · Network Slicing höhere Gerätedichte · VoNR Telefonie direkt über 5G Beide Varianten zeigen im Display „5G“ – der Unterschied ist von außen nicht erkennbar.
Non-Standalone hängt am alten LTE-Kernnetz. Erst Standalone liefert die Eigenschaften, mit denen 5G ursprünglich beworben wurde.

Bei Non-Standalone, im Fachjargon EN-DC, verbindet sich das Handy zwar mit einer 5G-Antenne, gesteuert wird die Verbindung aber über das LTE-Kernnetz. Die Normungsorganisation 3GPP beschreibt diese Variante als Zwischenschritt: schnelleres Funken, aber nur die Dienste von 4G. Bei Standalone hängt die 5G-Funkzelle am 5G-Kernnetz. Die Bundesnetzagentur formuliert es knapp: Bei 5G Standalone kommt ausschließlich 5G-Infrastruktur zum Einsatz.

Daraus folgt ein Punkt, der in der Werbung untergeht. Im Non-Standalone-Modus kann das Handy LTE und 5G gleichzeitig nutzen und die Datenraten bündeln. Bei Standalone fällt der LTE-Anteil weg. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit kann mit 5G+ deshalb gleich bleiben oder sogar etwas niedriger ausfallen. Der Gewinn liegt woanders.

Drei Begriffe, die oft durcheinandergeraten

  • 5G+: bei Vodafone der Name für 5G Standalone, ausdrücklich erklärt als eigenständiges 5G-Netz, das ohne LTE auskommt.
  • 5G+ Gaming und 5G+ Ultra: Zusatzfunktionen der Telekom für bestimmte Spiele- und Video-Apps, als kostenlose Option in MagentaMobil-Tarifen.
  • 5G DSS: 5G auf Frequenzen, die sich das Netz mit LTE teilt – eine Form von Non-Standalone, auch wenn das Display 5G zeigt.

Was die Reaktionszeit im Alltag bedeutet

Die Reaktionszeit, im Fachjargon Latenz, ist die Zeit, die ein Datenpaket vom Handy zum Server und zurück braucht. Beim Herunterladen großer Dateien fällt sie kaum auf, denn dort zählt die Datenrate. Bei allem, was in Echtzeit passiert, ist sie dagegen entscheidend. Im Videoanruf bestimmt sie, ob sich die Gesprächspartner ins Wort fallen. Beim Spielen über das Netz bestimmt sie, ob eine Eingabe sofort ankommt. Beim Cloud-Gaming, bei dem das Spiel auf einem entfernten Rechner läuft, entscheidet sie darüber, ob es sich flüssig anfühlt.

Standalone verkürzt den Weg im Mobilfunknetz, weil die Steuerung nicht mehr über das LTE-Kernnetz läuft. Mindestens so wichtig ist, dass die Reaktionszeit gleichmäßiger wird: Aussetzer stören ein Gespräch mehr als eine konstant etwas längere Verzögerung. Wie weit der Server entfernt steht und wie ausgelastet er ist, kann allerdings auch das beste Funknetz nicht ändern.

Was Standalone im Alltag bringt

Das bringt 5G+

  • Kürzere und gleichmäßigere Reaktionszeit, spürbar bei Videoanrufen und Spielen
  • Schnellerer Verbindungsaufbau, auch beim Telefonieren über 5G
  • Mehr Kapazität je Funkzelle, hilfreich bei Großveranstaltungen
  • Grundlage für Network Slicing, also getrennte Netzbereiche mit zugesicherter Qualität

Das bringt 5G+ nicht

  • Keine automatisch höhere Datenrate
  • Keine bessere Versorgung – die hängt am Ausbau
  • Beim Streamen und Surfen kaum einen Unterschied
  • Im Ausland meist nichts: Die Telekom nennt ihre 5G+-Funktionen „zurzeit ausschließlich in Deutschland nutzbar“

Network Slicing: wo es heute eingesetzt wird

Beim Network Slicing schneidet der Netzbetreiber aus demselben Netz logisch getrennte Bereiche heraus, jeden mit eigenen Eigenschaften. 3GPP beschreibt das als gleichzeitigen Betrieb mehrerer spezialisierter Kernnetze für bestimmte Dienste oder Kundengruppen. Bisher ist das vor allem ein Thema für Firmen. Vodafone verkauft Geschäftskunden reservierte Datenraten und einen festen Vorrang im Netz. Seit September 2026 bietet das Unternehmen außerdem eine Netztechnik an, die Kartenzahlungen auch bei hoher Netzauslastung stabil halten soll.

Für Privatkunden gibt es einzelne Anwendungen wie die 5G+-Funktionen der Telekom. Sie werden beim Start bestimmter Spiele- und Video-Apps von selbst aktiv und sind nach Angaben der Telekom zurzeit nur in Deutschland nutzbar. Voraussetzung sind ein MagentaMobil-Tarif ab August 2024 mit gebuchter Option und eines der unterstützten Geräte.

In welchen Lebenslagen 5G+ einen Unterschied macht

Ob sich die Freischaltung lohnt, hängt weniger vom Netz ab als davon, wofür Sie das Handy nutzen. Die Tabelle ordnet typische Situationen ein.

Nutzen von 5G Standalone nach Alltagssituation (redaktionelle Einordnung)
SituationNutzenWarum
Videoanrufe unterwegsspürbarkürzere und gleichmäßigere Reaktionszeit
Spielen über das Netz, Cloud-GamingspürbarEingaben kommen schneller an; bei der Telekom mit eigener 5G+-Funktion
Konzert, Stadion, Volksfestteilweisemehr Kapazität je Zelle, sofern die Stationen vor Ort umgerüstet sind
Streaming, Surfen, Messengerkaumhier zählt die Datenrate, und die steigt nicht automatisch
Telefonierengeringschnellerer Verbindungsaufbau über VoNR, die Sprachqualität hängt vor allem am Empfang
Orte, an denen 5G nur per DSS funktkeinerDSS ist eine Form von Non-Standalone; Standalone steht dort nicht zur Verfügung

Was die Netze zu 5G+ angeben

Alle Netzbetreiber bauen Standalone aus, sie kommunizieren es aber sehr unterschiedlich. Die Tabelle fasst zusammen, was sie selbst angeben.

5G und 5G Standalone nach Angaben der Netzbetreiber, Stand Oktober 2026
Netz5G-ReichweiteStandaloneWas Sie tun müssen
Telekomrund 99 % der Haushalte5G+-Funktionen für Spiele und für Videoanrufe über FaceTimeOption in MagentaMobil-Tarifen ab August 2024, kostenlos buchbar; nur ausgewählte Geräte
Vodafoneüber 94 % der Bevölkerungseit Oktober 2024 bundesweit, damals für über 90 % der Bevölkerung; Telefonie über 5G an vielen Standortenlaut Meldung vom Oktober 2024 für Privatkunden mit passendem Handy kostenlos in der MeinVodafone-App freizuschalten
o2 Telefónicaüber 99 % der Bevölkerungin den Netzangaben keine eigene ZahlTarifdetails und Freischaltung im Kundenkonto prüfen
1&1eigenes Netz im Aufbauaußerhalb davon funken Kunden im Vodafone-NetzFunktionen hängen davon ab, in welchem Netz das Handy gerade eingebucht ist

Wer beim Anbieter nachfragt, stellt am besten zwei konkrete Fragen: Ist 5G Standalone in meinem Tarif freigeschaltet? Und unterstützt mein Gerätemodell es in Ihrem Netz? Die allgemeine Auskunft „5G ist enthalten“ beantwortet keine der beiden.

Für Marken im selben Netz entscheidet der jeweilige Anbieter, ob er 5G+ freischaltet. Ein Blick ins Produktinformationsblatt oder in die App klärt das; welche Marke in welchem Netz funkt, zeigt die Übersicht der Mobilfunkmarken. Den Ausbau im Einzelnen ordnen die Netzseiten zu Telekom, Vodafone, o2 Telefónica und 1&1 ein.

Drei Bedingungen, die zusammenkommen müssen

Drei Voraussetzungen für die Nutzung von 5G Standalone Drei Bedingungen müssen gleichzeitig erfüllt sein: ein Smartphone, das 5G Standalone unterstützt, ein Tarif mit freigeschaltetem 5G Plus, der bei mehreren Anbietern aktiv gebucht werden muss, sowie Standalone-Versorgung am Standort. Fehlt eine der drei Bedingungen, fällt die Verbindung auf Non-Standalone oder LTE zurück. Drei Bedingungen – alle drei müssen stimmen 1. Endgerät muss SA-fähig sein – nicht jedes 5G-Handy kann Standalone 2. Tarif „5G+“ muss oft aktiv gebucht werden – die größte Hürde 3. Versorgung SA am Standort verfügbar – meist in Städten Fehlt eine Bedingung, fällt die Verbindung auf Non-Standalone oder LTE zurück – ohne Hinweis auf dem Display. Das erklärt, warum der Standalone-Anteil trotz weitgehend abgeschlossenem Ausbau niedrig bleibt.
Der Ausbau ist nicht das Problem. Die Kombination aus Gerät, Tarif und Standort ist es.

Das Gerät

Nicht jedes 5G-Handy beherrscht Standalone. Ob Ihr Modell dazugehört, steht im Datenblatt des Herstellers oder in den Gerätelisten der Netzbetreiber. Die Telekom nennt für ihre 5G+-Funktionen eine Liste ausgewählter Modelle aktueller Generationen; ältere Geräte bleiben im Non-Standalone-Modus und funktionieren dort wie gewohnt weiter.

Der Tarif

Standalone ist auch eine Frage der Freischaltung. Bei Vodafone ließ sich 5G+ laut der Meldung zur bundesweiten Einführung kostenlos in der App aktivieren, bei der Telekom gehören die 5G+-Funktionen als kostenlose Option zu den MagentaMobil-Tarifen. Wer einen Tarif einer Discountmarke nutzt, findet die Antwort im Produktinformationsblatt – oder fragt beim Kundenservice nach.

Der Standort

Standalone gibt es dort, wo der Netzbetreiber seine Stationen umgerüstet hat. Wo 5G per DSS auf LTE-Frequenzen läuft, bleibt es bei Non-Standalone, denn DSS ist nach der Einordnung der Bundesnetzagentur eine Form davon. Das Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur unterscheidet beide Formen; wie Sie die Karte lesen, erklärt der Ratgeber Netzabdeckung.

So prüfen Sie, ob Ihr Handy 5G+ nutzt

  1. Einstellungen ansehen In den Mobilfunk-Einstellungen nach Optionen wie „5G SA“, „5G Standalone“ oder „5G+“ suchen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller.
  2. Tarif und App prüfen In der App oder im Kundenkonto nachsehen, ob 5G+ freigeschaltet ist oder als Option bereitsteht.
  3. Gerät aktuell halten Systemupdates installieren, denn Netzfunktionen wie 5G+ hängen auch von der Software des Geräts ab.
  4. Am richtigen Ort testen In einer Innenstadt oder an einem Bahnhof prüfen, ob das Gerät eine Standalone-Verbindung anzeigt – je nach Hersteller in der Statusleiste oder in den Netzinformationen. Auf dem Land und tief in Gebäuden bleibt es oft bei 5G oder LTE.
  5. Beim Anbieter nachfragen Kommt trotz allem nie eine Standalone-Verbindung zustande, kann der Kundenservice die Freischaltung prüfen.
Älteres Paar auf einem Balkon, die Frau hält ein Smartphone für einen Videoanruf, seitlich fotografiert
Bei Videoanrufen zählt die Reaktionszeit mehr als die Datenrate – genau dort setzt 5G Standalone an. Bild: KI-generiert

Telefonieren über 5G

Mit Standalone können Gespräche direkt über 5G laufen, Voice over New Radio (VoNR) genannt. Vodafone nannte schon im Oktober 2024 viele Standorte, an denen das möglich ist, mit schnellerem Verbindungsaufbau als in früheren Mobilfunkgenerationen. Die Telekom nennt VoNR neben VoLTE als Weg, auf dem nach dem Ende von 2G telefoniert wird. Ohne Standalone läuft das Gespräch über VoLTE, also über das LTE-Netz – im Alltag hören Sie keinen Unterschied.

Wichtig wird das Thema für ältere Telefone. Wer weder VoLTE noch VoNR beherrscht, kann nach der 2G-Abschaltung nicht mehr telefonieren. Was VoLTE und Telefonie über WLAN im Detail leisten, erklärt die Seite VoLTE und WLAN-Call.

Gerät, Tarif, Ort – in dieser Reihenfolge

Wer 5G+ nutzen will, klärt zuerst das Gerät, dann die Freischaltung im Tarif und zuletzt die Versorgung vor Ort.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026. Freischaltung und Tarifzuordnung ändern sich häufig; maßgeblich ist der aktuelle Stand in App oder Kundenkonto Ihres Anbieters.

Häufige Fragen

Kostet 5G+ extra?

Bei der Telekom ist die 5G+-Option in MagentaMobil-Tarifen ab August 2024 kostenlos buchbar. Vodafone hat 5G+ bei der bundesweiten Freischaltung im Oktober 2024 für Privatkunden kostenlos in der App angeboten. Bei anderen Marken steht die Antwort im Produktinformationsblatt.

Funktioniert 5G+ auch im Ausland?

In der Regel nicht. Die Telekom nennt ihre 5G+-Funktionen ausdrücklich nur in Deutschland nutzbar. Im Roaming bucht sich das Handy in ein fremdes Netz ein, und welche Technik dort freigeschaltet ist, entscheidet der ausländische Netzbetreiber zusammen mit Ihrem Anbieter.

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