Start › Ratgeber › 5G Standalone
Ratgeber · Technik5G Standalone: was hinter „5G+“ steckt und wie Sie es nutzen
Kurzantwort
5G Standalone – vermarktet als „5G+“ – ist 5G mit eigenem Kernnetz. Erst damit gibt es niedrige Latenz, Network Slicing und Telefonie über 5G. Beim verbreiteten Non-Standalone läuft die Steuerung weiterhin über das alte LTE-Kernnetz. Technisch ist SA 2026 bei allen vier Netzbetreibern verfügbar – genutzt wird es trotzdem selten. Ein wesentlicher Grund: Bei mehreren Anbietern müssen Sie 5G+ aktiv buchen, es ist nicht automatisch aktiv.
Kaum eine Mobilfunktechnik wird so beworben und so wenig genutzt wie 5G Standalone. Im connect-Netztest 2026 lag der Anteil aller 5G-Verbindungen bei nur rund 16 bis 20 Prozent – Standalone kam noch deutlich seltener zum Einsatz. Das liegt nicht am Ausbau, sondern an drei Hürden, von denen eine überraschend banal ist.
Der technische Unterschied
Bei Non-Standalone funken zwar 5G-Antennen, die Steuerung läuft aber über das LTE-Kernnetz. Das begrenzt genau die Merkmale, die 5G ausmachen sollten: garantierte niedrige Latenzen, paralleles Network Slicing und eine deutlich höhere Gerätedichte je Funkzelle. Standalone bringt ein eigenes 5G-Kernnetz mit – und damit auch Voice over New Radio, also Telefonie direkt über 5G statt über den LTE-Umweg.
Wer es anbietet
| Netz | Start | Stand 2026 |
|---|---|---|
| Vodafone | April 2021 | im gesamten 5G-Netz, nach Eigenangabe erster in Europa im Livenetz |
| o2 Telefónica | Oktober 2023 | im gesamten Netz; Schwerpunkt dort, wo über 3,6 GHz gefunkt wird |
| 1&1 | Dezember 2023 | von Beginn an reines SA-Netz, aber nur im eigenen Ausbaugebiet |
| Telekom | Oktober 2024 | Ende April 2026 rund 95 % der bestehenden 5G-Standorte |
Die Reihenfolge überrascht: Ausgerechnet der Testsieger im Netztest war beim Standalone-Ausbau zuletzt dran. Die Telekom begründet das damit, dass Standalone ohne konkrete Zusatzfunktionen für Endkunden keinen Mehrwert bringe – der Start erfolgte deshalb gekoppelt an eine Gaming-Option auf Basis von Network Slicing.
Die drei Hürden
Hürde 1: das Endgerät
Nicht jedes 5G-Smartphone beherrscht Standalone. Die Geräte müssen die Technik explizit unterstützen, und bei älteren Modellen ist das oft nicht der Fall. Prüfen können Sie es in den Netzeinstellungen: Steht dort eine Option wie „5G SA“, „Standalone“ oder erscheint im Statusbalken „5G+“, ist Ihr Gerät bereit.
Hürde 2: der Tarif – die größte Bremse
Das ist der Punkt, den kaum jemand erwähnt: Bei mehreren Anbietern ist 5G Standalone nicht automatisch aktiv, sondern muss gebucht werden. Bei Vodafone lässt sich die Option „5G+“ in der Anbieter-App meist kostenlos zubuchen; bei o2 muss das „5G Plus Pack“ manuell aktiviert werden und läuft nach einer befristeten Laufzeit aus, sodass es neu gebucht werden muss.
Prüfen Sie Ihre App
Wenn Sie 5G+ nutzen wollen, schauen Sie in der App Ihres Anbieters nach einer entsprechenden Option. Viele Menschen haben einen tauglichen Tarif und ein taugliches Gerät und funken trotzdem nur im Non-Standalone-Modus, weil die Freischaltung nie erfolgt ist. Bei Discountern war Standalone lange gar nicht verfügbar; das lockert sich 2026 zunehmend, ist aber weiterhin uneinheitlich.
Hürde 3: die Versorgung
Standalone ist dort am zuverlässigsten verfügbar, wo im 3,6-GHz-Band gefunkt wird – also überwiegend in Städten. Im ländlichen Raum, wo 5G häufig über niedrige Frequenzen mit Dynamic Spectrum Sharing läuft, bleibt es meist bei Non-Standalone. Die amtliche Abdeckungskarte der Bundesnetzagentur weist 5G Standalone gesondert aus.
Was Standalone praktisch bringt
Spürbare Vorteile
- Niedrigere und gleichmäßigere Latenz – relevant bei Gaming und Videocalls
- Schnellerer Verbindungsaufbau
- Telefonie direkt über 5G (VoNR) statt über LTE
- Mehr Geräte pro Funkzelle – hilft bei Veranstaltungen
- Grundlage für Network Slicing
Was es nicht bringt
- Keine automatisch höhere Bandbreite
- Keine bessere Abdeckung – die hängt am Ausbau
- Für Streaming und Surfen kein spürbarer Unterschied
- Network Slicing ist bislang ein Geschäftskundenthema
- Bei Roaming und NSA-Rückfall gelten die Zusagen nicht
Wichtige Einschränkung beim Slicing
Network Slicing wirkt Ende-zu-Ende nur, solange das Endgerät im Standalone-Netz desselben Netzbetreibers eingebucht ist. Im nationalen Roaming, im EU-Roaming oder beim Rückfall auf Non-Standalone gelten zugesagte Dienstgüten nicht. Für Geschäftskunden ist das der entscheidende Punkt im Kleingedruckten.
Fazit
5G Standalone ist die Technik, die 5G erst zu dem macht, was ursprünglich versprochen wurde – und sie ist 2026 bei allen vier Netzbetreibern verfügbar. Für den privaten Alltag ist der Unterschied trotzdem gering: Wer streamt, surft und telefoniert, wird kaum etwas bemerken. Spürbar wird es bei Gaming, Videotelefonie und überall dort, wo Reaktionszeit wichtiger ist als Bandbreite.
Der praktisch wichtigste Rat ist deshalb ein anderer: Prüfen Sie, ob 5G+ in Ihrem Tarif überhaupt aktiviert ist. Die Technik nützt nichts, wenn die Freischaltung nie erfolgt ist – und genau das ist bei vielen Nutzern der Fall.
Netz und Tarif prüfen
Ob Standalone an Ihrem Standort verfügbar ist und was Ihr Tarif freischaltet, klären Sie in zwei Schritten.
Netzabdeckung prüfen 5G-Netz im ÜberblickHäufige Fragen zu 5G Standalone
Was ist der Unterschied zwischen 5G und 5G Standalone?
Beim verbreiteten 5G Non-Standalone funken zwar 5G-Antennen, das Kernnetz ist aber weiterhin das alte LTE-Kernnetz. 5G Standalone bringt ein eigenes 5G-Kernnetz mit und erst damit niedrige Latenz, Network Slicing, höhere Gerätedichte pro Funkzelle und Telefonie über 5G. Alle Netzbetreiber vermarkten Standalone als „5G+“ oder „5G Plus“.
Warum wird 5G Standalone so wenig genutzt?
Drei Bedingungen müssen gleichzeitig stimmen: ein Standalone-fähiges Endgerät, ein Tarif mit freigeschaltetem 5G+ und Standalone-Versorgung am Standort. Die größte Hürde ist der Tarif – bei mehreren Anbietern muss 5G+ aktiv gebucht werden und ist nicht automatisch aktiv. Im connect-Netztest 2026 lag der Anteil aller 5G-Verbindungen bei nur rund 16 bis 20 Prozent.
Muss ich 5G+ extra buchen?
Bei mehreren Anbietern ja. Bei Vodafone lässt sich die Option „5G+“ in der Anbieter-App meist kostenlos zubuchen, bei o2 muss das „5G Plus Pack“ manuell aktiviert werden und nach einer befristeten Laufzeit neu gebucht werden. Viele Menschen haben taugliches Gerät und Tarif und funken trotzdem nur im Non-Standalone-Modus, weil die Freischaltung nie erfolgt ist.
Seit wann gibt es 5G Standalone in Deutschland?
Vodafone schaltete die Technik im April 2021 frei und war damit nach eigenen Angaben der erste Anbieter in Europa im Livenetz. o2 Telefónica folgte im Oktober 2023 mit einer bundesweiten Freischaltung, 1&1 startete im Dezember 2023 direkt als reines Standalone-Netz, die Telekom kam im Oktober 2024 zuletzt dazu.
Unterstützt mein Handy 5G Standalone?
Nicht jedes 5G-Smartphone kann Standalone – bei älteren Modellen fehlt die Unterstützung häufig. Prüfen können Sie es in den Netzeinstellungen: Steht dort eine Option wie „5G SA“ oder „Standalone“, oder erscheint im Statusbalken „5G+“, ist Ihr Gerät bereit.
Ist 5G Standalone schneller als normales 5G?
Nicht automatisch. Standalone senkt vor allem die Latenz und macht sie gleichmäßiger, es erhöht nicht die Bandbreite. Für Streaming und Surfen merken Sie deshalb kaum einen Unterschied. Spürbar wird es bei Gaming, Videotelefonie und überall dort, wo Reaktionszeit wichtiger ist als Datenrate.
Was ist Network Slicing?
Die Aufteilung des Netzes in logisch getrennte Bereiche mit jeweils eigenen Eigenschaften – etwa ein Segment mit garantiert niedriger Latenz für Echtzeitanwendungen. Technisch setzt das ein eigenständiges 5G-Kernnetz voraus, also Standalone. Bislang ist Slicing überwiegend ein Geschäftskundenthema.
Gilt Network Slicing auch beim Roaming?
Nein. Zugesagte Dienstgüten wirken Ende-zu-Ende nur, solange das Endgerät im Standalone-Netz desselben Netzbetreibers eingebucht ist. Im nationalen Roaming, im EU-Roaming oder beim Rückfall auf Non-Standalone gelten sie nicht. Für Geschäftskunden ist das der entscheidende Punkt im Kleingedruckten.
Wo ist 5G Standalone verfügbar?
Am zuverlässigsten dort, wo im 3,6-GHz-Band gefunkt wird – also überwiegend in Städten. Im ländlichen Raum, wo 5G häufig über niedrige Frequenzen mit Dynamic Spectrum Sharing läuft, bleibt es meist bei Non-Standalone. Die amtliche Abdeckungskarte der Bundesnetzagentur weist 5G Standalone gesondert aus.
Was ist VoNR?
Voice over New Radio – Telefonie direkt über das 5G-Netz, analog zu VoLTE beim LTE-Netz. Ohne Standalone laufen Gespräche auch bei bestehender 5G-Datenverbindung über VoLTE. VoNR bringt vor allem einen schnelleren Rufaufbau; im Alltag ist der Unterschied für die meisten Nutzer gering.
Quellen und Stand: connect Mobilfunknetztest 2026 (Anteil der 5G- und SA-Verbindungen) · Pressemitteilung von Vodafone vom 12. April 2021 zum Standalone-Start · Unternehmensmeldungen von o2 Telefónica (Oktober 2023) und Telekom (Oktober 2024) · Angaben der Netzbetreiber zum Ausbaustand und zu den Buchungsoptionen.
Ausbau- und Abdeckungsangaben sind Eigenangaben der Netzbetreiber mit unterschiedlichen Bezugsgrößen. Buchungsbedingungen und Tarifzuordnungen ändern sich laufend – prüfen Sie den aktuellen Stand in der App oder im Kundenportal Ihres Anbieters. Stand dieser Seite: 22. Juli 2026.