Ratgeber
5G Standalone: was hinter „5G+“ steckt und wann es sich lohnt
5G Standalone – vermarktet als „5G+“ – ist 5G mit eigenem 5G-Kernnetz statt LTE-Anker. Es verkürzt vor allem die Reaktionszeit, erlaubt Telefonie direkt über 5G (VoNR) und ist Voraussetzung für Network Slicing. Mehr Megabit pro Sekunde bringt es nicht automatisch. Nutzen können Sie es nur, wenn Gerät, Tarif und Standort zusammenpassen; bei manchen Anbietern müssen Sie die Funktion erst in der App freischalten oder als Option buchen.

Was Vodafone als „5G+“ vermarktet, ist 5G Standalone: 5G mit eigenem Kernnetz, ohne den LTE-Anker der ersten 5G-Generation. Vodafone hat die Technik im Oktober 2024 bundesweit freigeschaltet und erreichte damit nach eigenen Angaben schon damals mehr als 90 Prozent der Bevölkerung. Die Telekom vermarktet unter „5G+“ Zusatzfunktionen für Spiele und Videoanrufe. Ob Ihr Handy davon etwas hat, hängt an drei Bedingungen, die gleichzeitig erfüllt sein müssen.
Verbreiteter Irrtum5G+ ist einfach schnelleres 5G
Was stimmtStandalone verkürzt vor allem die Reaktionszeit und bringt Telefonie über 5G. Mehr Megabit pro Sekunde bringt es nicht automatisch.
Non-Standalone und Standalone: der Unterschied im Kern
Bei Non-Standalone, im Fachjargon EN-DC, verbindet sich das Handy zwar mit einer 5G-Antenne, gesteuert wird die Verbindung aber über das LTE-Kernnetz. Die Normungsorganisation 3GPP beschreibt diese Variante als Zwischenschritt: schnelleres Funken, aber nur die Dienste von 4G. Bei Standalone hängt die 5G-Funkzelle am 5G-Kernnetz. Die Bundesnetzagentur formuliert es knapp: Bei 5G Standalone kommt ausschließlich 5G-Infrastruktur zum Einsatz.
Daraus folgt ein Punkt, der in der Werbung untergeht. Im Non-Standalone-Modus kann das Handy LTE und 5G gleichzeitig nutzen und die Datenraten bündeln. Bei Standalone fällt der LTE-Anteil weg. Die gemessene Höchstgeschwindigkeit kann mit 5G+ deshalb gleich bleiben oder sogar etwas niedriger ausfallen. Der Gewinn liegt woanders.
Drei Begriffe, die oft durcheinandergeraten
- 5G+: bei Vodafone der Name für 5G Standalone, ausdrücklich erklärt als eigenständiges 5G-Netz, das ohne LTE auskommt.
- 5G+ Gaming und 5G+ Ultra: Zusatzfunktionen der Telekom für bestimmte Spiele- und Video-Apps, als kostenlose Option in MagentaMobil-Tarifen.
- 5G DSS: 5G auf Frequenzen, die sich das Netz mit LTE teilt – eine Form von Non-Standalone, auch wenn das Display 5G zeigt.
Was die Reaktionszeit im Alltag bedeutet
Die Reaktionszeit, im Fachjargon Latenz, ist die Zeit, die ein Datenpaket vom Handy zum Server und zurück braucht. Beim Herunterladen großer Dateien fällt sie kaum auf, denn dort zählt die Datenrate. Bei allem, was in Echtzeit passiert, ist sie dagegen entscheidend. Im Videoanruf bestimmt sie, ob sich die Gesprächspartner ins Wort fallen. Beim Spielen über das Netz bestimmt sie, ob eine Eingabe sofort ankommt. Beim Cloud-Gaming, bei dem das Spiel auf einem entfernten Rechner läuft, entscheidet sie darüber, ob es sich flüssig anfühlt.
Standalone verkürzt den Weg im Mobilfunknetz, weil die Steuerung nicht mehr über das LTE-Kernnetz läuft. Mindestens so wichtig ist, dass die Reaktionszeit gleichmäßiger wird: Aussetzer stören ein Gespräch mehr als eine konstant etwas längere Verzögerung. Wie weit der Server entfernt steht und wie ausgelastet er ist, kann allerdings auch das beste Funknetz nicht ändern.
Was Standalone im Alltag bringt
Das bringt 5G+
- Kürzere und gleichmäßigere Reaktionszeit, spürbar bei Videoanrufen und Spielen
- Schnellerer Verbindungsaufbau, auch beim Telefonieren über 5G
- Mehr Kapazität je Funkzelle, hilfreich bei Großveranstaltungen
- Grundlage für Network Slicing, also getrennte Netzbereiche mit zugesicherter Qualität
Das bringt 5G+ nicht
- Keine automatisch höhere Datenrate
- Keine bessere Versorgung – die hängt am Ausbau
- Beim Streamen und Surfen kaum einen Unterschied
- Im Ausland meist nichts: Die Telekom nennt ihre 5G+-Funktionen „zurzeit ausschließlich in Deutschland nutzbar“
Network Slicing: wo es heute eingesetzt wird
Beim Network Slicing schneidet der Netzbetreiber aus demselben Netz logisch getrennte Bereiche heraus, jeden mit eigenen Eigenschaften. 3GPP beschreibt das als gleichzeitigen Betrieb mehrerer spezialisierter Kernnetze für bestimmte Dienste oder Kundengruppen. Bisher ist das vor allem ein Thema für Firmen. Vodafone verkauft Geschäftskunden reservierte Datenraten und einen festen Vorrang im Netz. Seit September 2026 bietet das Unternehmen außerdem eine Netztechnik an, die Kartenzahlungen auch bei hoher Netzauslastung stabil halten soll.
Für Privatkunden gibt es einzelne Anwendungen wie die 5G+-Funktionen der Telekom. Sie werden beim Start bestimmter Spiele- und Video-Apps von selbst aktiv und sind nach Angaben der Telekom zurzeit nur in Deutschland nutzbar. Voraussetzung sind ein MagentaMobil-Tarif ab August 2024 mit gebuchter Option und eines der unterstützten Geräte.
In welchen Lebenslagen 5G+ einen Unterschied macht
Ob sich die Freischaltung lohnt, hängt weniger vom Netz ab als davon, wofür Sie das Handy nutzen. Die Tabelle ordnet typische Situationen ein.
| Situation | Nutzen | Warum |
|---|---|---|
| Videoanrufe unterwegs | spürbar | kürzere und gleichmäßigere Reaktionszeit |
| Spielen über das Netz, Cloud-Gaming | spürbar | Eingaben kommen schneller an; bei der Telekom mit eigener 5G+-Funktion |
| Konzert, Stadion, Volksfest | teilweise | mehr Kapazität je Zelle, sofern die Stationen vor Ort umgerüstet sind |
| Streaming, Surfen, Messenger | kaum | hier zählt die Datenrate, und die steigt nicht automatisch |
| Telefonieren | gering | schnellerer Verbindungsaufbau über VoNR, die Sprachqualität hängt vor allem am Empfang |
| Orte, an denen 5G nur per DSS funkt | keiner | DSS ist eine Form von Non-Standalone; Standalone steht dort nicht zur Verfügung |
Was die Netze zu 5G+ angeben
Alle Netzbetreiber bauen Standalone aus, sie kommunizieren es aber sehr unterschiedlich. Die Tabelle fasst zusammen, was sie selbst angeben.
| Netz | 5G-Reichweite | Standalone | Was Sie tun müssen |
|---|---|---|---|
| Telekom | rund 99 % der Haushalte | 5G+-Funktionen für Spiele und für Videoanrufe über FaceTime | Option in MagentaMobil-Tarifen ab August 2024, kostenlos buchbar; nur ausgewählte Geräte |
| Vodafone | über 94 % der Bevölkerung | seit Oktober 2024 bundesweit, damals für über 90 % der Bevölkerung; Telefonie über 5G an vielen Standorten | laut Meldung vom Oktober 2024 für Privatkunden mit passendem Handy kostenlos in der MeinVodafone-App freizuschalten |
| o2 Telefónica | über 99 % der Bevölkerung | in den Netzangaben keine eigene Zahl | Tarifdetails und Freischaltung im Kundenkonto prüfen |
| 1&1 | eigenes Netz im Aufbau | außerhalb davon funken Kunden im Vodafone-Netz | Funktionen hängen davon ab, in welchem Netz das Handy gerade eingebucht ist |
Wer beim Anbieter nachfragt, stellt am besten zwei konkrete Fragen: Ist 5G Standalone in meinem Tarif freigeschaltet? Und unterstützt mein Gerätemodell es in Ihrem Netz? Die allgemeine Auskunft „5G ist enthalten“ beantwortet keine der beiden.
Für Marken im selben Netz entscheidet der jeweilige Anbieter, ob er 5G+ freischaltet. Ein Blick ins Produktinformationsblatt oder in die App klärt das; welche Marke in welchem Netz funkt, zeigt die Übersicht der Mobilfunkmarken. Den Ausbau im Einzelnen ordnen die Netzseiten zu Telekom, Vodafone, o2 Telefónica und 1&1 ein.
Drei Bedingungen, die zusammenkommen müssen
Das Gerät
Nicht jedes 5G-Handy beherrscht Standalone. Ob Ihr Modell dazugehört, steht im Datenblatt des Herstellers oder in den Gerätelisten der Netzbetreiber. Die Telekom nennt für ihre 5G+-Funktionen eine Liste ausgewählter Modelle aktueller Generationen; ältere Geräte bleiben im Non-Standalone-Modus und funktionieren dort wie gewohnt weiter.
Der Tarif
Standalone ist auch eine Frage der Freischaltung. Bei Vodafone ließ sich 5G+ laut der Meldung zur bundesweiten Einführung kostenlos in der App aktivieren, bei der Telekom gehören die 5G+-Funktionen als kostenlose Option zu den MagentaMobil-Tarifen. Wer einen Tarif einer Discountmarke nutzt, findet die Antwort im Produktinformationsblatt – oder fragt beim Kundenservice nach.
Der Standort
Standalone gibt es dort, wo der Netzbetreiber seine Stationen umgerüstet hat. Wo 5G per DSS auf LTE-Frequenzen läuft, bleibt es bei Non-Standalone, denn DSS ist nach der Einordnung der Bundesnetzagentur eine Form davon. Das Mobilfunk-Monitoring der Bundesnetzagentur unterscheidet beide Formen; wie Sie die Karte lesen, erklärt der Ratgeber Netzabdeckung.
So prüfen Sie, ob Ihr Handy 5G+ nutzt
- Einstellungen ansehen In den Mobilfunk-Einstellungen nach Optionen wie „5G SA“, „5G Standalone“ oder „5G+“ suchen. Die Bezeichnungen unterscheiden sich je nach Hersteller.
- Tarif und App prüfen In der App oder im Kundenkonto nachsehen, ob 5G+ freigeschaltet ist oder als Option bereitsteht.
- Gerät aktuell halten Systemupdates installieren, denn Netzfunktionen wie 5G+ hängen auch von der Software des Geräts ab.
- Am richtigen Ort testen In einer Innenstadt oder an einem Bahnhof prüfen, ob das Gerät eine Standalone-Verbindung anzeigt – je nach Hersteller in der Statusleiste oder in den Netzinformationen. Auf dem Land und tief in Gebäuden bleibt es oft bei 5G oder LTE.
- Beim Anbieter nachfragen Kommt trotz allem nie eine Standalone-Verbindung zustande, kann der Kundenservice die Freischaltung prüfen.

Telefonieren über 5G
Mit Standalone können Gespräche direkt über 5G laufen, Voice over New Radio (VoNR) genannt. Vodafone nannte schon im Oktober 2024 viele Standorte, an denen das möglich ist, mit schnellerem Verbindungsaufbau als in früheren Mobilfunkgenerationen. Die Telekom nennt VoNR neben VoLTE als Weg, auf dem nach dem Ende von 2G telefoniert wird. Ohne Standalone läuft das Gespräch über VoLTE, also über das LTE-Netz – im Alltag hören Sie keinen Unterschied.
Wichtig wird das Thema für ältere Telefone. Wer weder VoLTE noch VoNR beherrscht, kann nach der 2G-Abschaltung nicht mehr telefonieren. Was VoLTE und Telefonie über WLAN im Detail leisten, erklärt die Seite VoLTE und WLAN-Call.
Gerät, Tarif, Ort – in dieser Reihenfolge
Wer 5G+ nutzen will, klärt zuerst das Gerät, dann die Freischaltung im Tarif und zuletzt die Versorgung vor Ort.
Quellen und Stand
- 3GPP: 5G System Overview – Non-Standalone (EN-DC), Standalone, Network Slicing
- Bundesnetzagentur: Mobilfunk-Monitoring – Begriffe 5G DSS und 5G Standalone
- Vodafone: Vodafone schaltet 5G Standalone bundesweit frei – Meldung vom 8. Oktober 2024
- Vodafone: Mobilfunk und 5G – 5G+ arbeitet ohne LTE, 5G für mehr als 94 Prozent der Bevölkerung
- Vodafone: Neue Netz-Technologie erhöht Stabilität bei hoher Netzauslastung – Slicing und Priorisierung für Geschäftskunden
- Telekom: 5G+ Ultra Option – Voraussetzungen, Geräte, nur in Deutschland
- Telekom: Telekom nimmt 115 neue Mobilfunkstandorte in Betrieb und 2G-Abschaltung sorgt für besseres Netz – 5G-Reichweite, VoNR
- Telefónica Deutschland: Mobile network – 5G für mehr als 99 Prozent der Bevölkerung
Geprüft am 4. Oktober 2026. Freischaltung und Tarifzuordnung ändern sich häufig; maßgeblich ist der aktuelle Stand in App oder Kundenkonto Ihres Anbieters.
Häufige Fragen
Kostet 5G+ extra?
Bei der Telekom ist die 5G+-Option in MagentaMobil-Tarifen ab August 2024 kostenlos buchbar. Vodafone hat 5G+ bei der bundesweiten Freischaltung im Oktober 2024 für Privatkunden kostenlos in der App angeboten. Bei anderen Marken steht die Antwort im Produktinformationsblatt.
Funktioniert 5G+ auch im Ausland?
In der Regel nicht. Die Telekom nennt ihre 5G+-Funktionen ausdrücklich nur in Deutschland nutzbar. Im Roaming bucht sich das Handy in ein fremdes Netz ein, und welche Technik dort freigeschaltet ist, entscheidet der ausländische Netzbetreiber zusammen mit Ihrem Anbieter.
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