Ratgeber
Bildschirmzeit einordnen: was die Stunden sagen und was nicht
Smartphone-Nutzer ab 16 Jahren verbringen laut Bitkom im Schnitt 180 Minuten am Tag mit dem Gerät; 10- bis 17-Jährige sind werktags rund 146 Minuten allein in sozialen Medien. Ob daraus ein Problem wird, entscheidet aber nicht die Stundenzahl: Die Kriterien der Weltgesundheitsorganisation fragen nach Kontrollverlust, Vorrang vor anderen Lebensbereichen und Weitermachen trotz Nachteilen über längere Zeit. Die Stunden sind ein Anlass zum Nachdenken, keine Diagnose.

Kaum eine Zahl wird so oft angezeigt und so selten eingeordnet wie die Bildschirmzeit, die das Handy jede Woche meldet. Sie misst, wie lange Apps auf dem Display liefen – nicht, ob Sie gearbeitet, navigiert, mit der Familie telefoniert oder sich im Feed verloren haben. Der Rechner macht aus Ihrer Tageszahl eine Jahresbilanz. Was die Zahl über ein mögliches Problem verrät und was nicht, steht darunter.
Bildschirmzeit-Rechner
Was ergibt meine Bildschirmzeit aufs Jahr gerechnet?
Die Zahl finden Sie in den Einstellungen (iPhone: Bildschirmzeit, Android: Digital Wellbeing). Gerechnet wird im Browser.
Wache Zeit mit 16 Stunden am Tag angenommen. Die Rechnung bewertet nicht, wofür das Handy genutzt wird.
So rechnet der Rechner
Sie tragen drei Werte ein: Ihre Bildschirmzeit pro Tag, Ihr Alter und das Alter, bis zu dem gerechnet werden soll. Die Tageszahl finden Sie beim iPhone unter „Einstellungen“ – „Bildschirmzeit“, bei Android meist unter „Digital Wellbeing“. Der Rechner multipliziert die Tagesstunden mit 7 für die Woche und mit 365 für das Jahr und teilt die Jahresstunden durch 24, um volle Tage zu erhalten. Für den Anteil an der wachen Zeit nimmt er 16 wache Stunden pro Tag an. Die Jahre am Bildschirm ergeben sich aus den Jahresstunden mal den verbleibenden Lebensjahren, geteilt durch die 8.760 Stunden eines Jahres.
Ein Beispiel mit drei Stunden am Tag, also genau dem Bitkom-Durchschnitt von 180 Minuten: Das sind 21 Stunden pro Woche und 1.095 Stunden im Jahr, knapp 46 volle Tage. Drei von 16 wachen Stunden entsprechen 19 Prozent. Wer mit 35 Jahren so weitermacht, kommt bis zum 80. Geburtstag auf rund 5,6 Jahre am Bildschirm. Umgekehrt spart jede Stunde weniger am Tag gut 15 volle Tage im Jahr.
| Pro Tag | Pro Woche | Pro Jahr | Volle Tage im Jahr | Anteil der wachen Zeit | Jahre bis 80 |
|---|---|---|---|---|---|
| 1 Stunde | 7 Std. | 365 Std. | 15 | 6 % | 1,9 |
| 2 Stunden | 14 Std. | 730 Std. | 30 | 13 % | 3,8 |
| 3 Stunden | 21 Std. | 1.095 Std. | 46 | 19 % | 5,6 |
| 4 Stunden | 28 Std. | 1.460 Std. | 61 | 25 % | 7,5 |
| 5 Stunden | 35 Std. | 1.825 Std. | 76 | 31 % | 9,4 |
Die Hochrechnung zeigt Größenordnungen, mehr nicht. Sie unterstellt, dass jeder Tag gleich aussieht, und zählt Navigation, Videotelefonat und Fahrkarte genauso wie den Feed. Für eine Bewertung fehlt ihr das Entscheidende: wofür die Zeit verwendet wird und ob Sie aufhören können, wenn Sie wollen.
Ihre Zahl im Vergleich: was Studien messen
Zum Einordnen taugen zwei aktuelle Erhebungen aus Deutschland. Beide beruhen auf Befragungen, nicht auf Messungen am Gerät, und sie zählen Unterschiedliches: Der Digitalverband Bitkom fragt nach der gesamten Smartphone-Nutzung, die Längsschnittstudie der DAK-Gesundheit und des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf (UKE) getrennt nach sozialen Medien, Videos und Spielen. Die Werte lassen sich deshalb nicht addieren.
| Gruppe | Was gefragt wurde | Minuten pro Tag | Erhebung |
|---|---|---|---|
| Smartphone-Nutzer ab 16 | Smartphone gesamt | 180 | Bitkom, Januar/Februar 2026 |
| 16 bis 29 Jahre | Smartphone gesamt | 216 | Bitkom 2026 |
| 30 bis 49 Jahre | Smartphone gesamt | 192 | Bitkom 2026 |
| 50 bis 64 Jahre | Smartphone gesamt | 177 | Bitkom 2026 |
| ab 65 Jahre | Smartphone gesamt | 113 | Bitkom 2026 |
| 10 bis 17 Jahre, werktags | soziale Medien | 146 | DAK/UKE, Herbst 2025 |
| 10 bis 17 Jahre, Wochenende | soziale Medien | 201 | DAK/UKE, Herbst 2025 |
| 10 bis 17 Jahre, werktags | Online-Videos | 108 | DAK/UKE, Herbst 2025 |
Zwei Details sind aufschlussreich. Vom Bitkom-Durchschnitt entfallen nur 26 Minuten auf klassische Telefonate; vor zwei Jahren lag die gesamte Nutzung noch bei rund 150 Minuten. Und bei den Jugendlichen ist die Zeit in sozialen Medien gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken (2024: 157 Minuten werktags), während der Anteil auffälliger Nutzung nicht zurückging. Dauer und Problem sind zwei verschiedene Dinge.
Verbreiteter IrrtumWer mehr als drei oder vier Stunden am Tag am Handy verbringt, ist süchtig
Was stimmtDie internationale Klassifikation der Krankheiten nennt keine Stundengrenze. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt die Computerspielstörung über Kontrollverlust, Vorrang vor anderen Lebensbereichen und Weitermachen trotz Folgen – in der Regel über mindestens zwölf Monate.
Woran Fachleute ein Problem erkennen
Anerkannt ist in der internationalen Klassifikation ICD-11 der Weltgesundheitsorganisation (WHO) nur die Computerspielstörung mit dem Code 6C51. Eine eigene Diagnose „Handysucht“ oder „Social-Media-Sucht“ gibt es dort nicht. Forschende übertragen die Kriterien der Computerspielstörung deshalb auf soziale Medien und Videos – so auch die DAK-Studie, die seit 2019 jedes Jahr rund 1.000 Kinder und Jugendliche zusammen mit einem Elternteil befragt.
Die drei Kernkriterien lauten: Die Kontrolle über Beginn, Dauer und Ende geht verloren; die Nutzung bekommt Vorrang vor anderen Interessen und Pflichten; sie geht weiter oder nimmt zu, obwohl negative Folgen spürbar sind. Für eine Diagnose müssen zudem deutliche Beeinträchtigungen im Alltag bestehen, normalerweise über mindestens zwölf Monate. Sind nur einzelne Kriterien teilweise erfüllt, sprechen Fachleute von riskanter Nutzung.
Nach diesen Kriterien zeigten im Herbst 2025 in Deutschland 21,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen eine riskante Nutzung sozialer Medien und 6,6 Prozent eine pathologische. Bei den 14- bis 17-Jährigen lag der pathologische Anteil mit 10,2 Prozent deutlich höher als bei den 10- bis 13-Jährigen mit 2,7 Prozent. Europaweit fand die WHO in ihrer Schülerstudie HBSC bei 11 Prozent der befragten 11-, 13- und 15-Jährigen eine problematische Nutzung sozialer Medien; 2018 waren es noch 7 Prozent.
Bei digitalen Spielen erfüllten im Herbst 2025 4,5 Prozent der 10- bis 17-Jährigen alle Kriterien einer Computerspielstörung, Jungen mit 6,7 Prozent fast dreimal so häufig wie Mädchen mit 2,3 Prozent. Am stärksten gewachsen ist die riskante Nutzung von Online-Videos: Sie stieg binnen eines Jahres um knapp 60 Prozent auf 21,4 Prozent.
Neu in der Statistik: KI-Chatbots
Die DAK-Studie hat in der Welle 2025 auch nach KI-Anwendungen gefragt. Mehr als jeder vierte junge Mensch nutzt Chatbots wie ChatGPT mehrmals pro Woche. Rund zehn Prozent nutzen sie, um mit negativen Gefühlen oder Einsamkeit umzugehen; unter Jugendlichen mit depressiven Symptomen ist es etwa ein Drittel. Die Studienleitung warnt vor kommerziellen Angeboten, die auf möglichst intensive Nutzung angelegt sind und eine Art Beziehung zum Programm fördern. Für Familien heißt das: Auch Gespräche mit einem Chatbot gehören zur Bildschirmzeit, über die sich zu reden lohnt.
Bei kleinen Kindern zählt die Zeit doch
Für jüngere Kinder nennen Fachstellen sehr wohl Höchstzeiten. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), früher Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, stützt sich dabei auf ärztliche Leitlinien und Empfehlungen der WHO zu Bewegung und Schlaf:
- unter 3 Jahren: am besten gar keine Bildschirmmedien,
- 3 bis 6 Jahre: höchstens 30 Minuten am Tag, in Begleitung Erwachsener,
- 6 bis 9 Jahre: höchstens 30 bis 45 Minuten am Tag in der Freizeit.
Mit zunehmendem Alter rückt in den Vordergrund, wie die Zeit genutzt wird und ob Absprachen halten. Wie sich Regeln technisch umsetzen lassen, steht im Ratgeber Kindersicherung einrichten, Empfehlungen zum Einstiegsalter unter Handy ab welchem Alter und die Regeln der Länder unter Handyverbot an Schulen.
Die eigene Statistik sinnvoll lesen
Die Wochenstatistik wird nützlich, wenn Sie sie nach Apps aufschlüsseln, statt auf die Summe zu schauen. Drei Fragen helfen beim Lesen:
- Wofür ging die Zeit drauf? Navigation, Arbeit, Fahrkarten und Telefonate abziehen. Was bleibt, ist die Zeit, über die sich das Nachdenken lohnt.
- Wann wurde genutzt? Eine Stunde am späten Abend im Bett ist etwas anderes als eine Stunde, verteilt über Pausen und Wartezeiten.
- Wollten Sie aufhören und konnten nicht? Diese Frage zielt auf das wichtigste Kriterium, den Kontrollverlust. Beantworten lässt sie sich nur ehrlich, nicht per Statistik.
Wer etwas ändern möchte, setzt besser an der Umgebung an als an der Willenskraft: Benachrichtigungen einzelner Apps abschalten, Apps vom Startbildschirm in einen Ordner verschieben, das Gerät nachts außerhalb des Schlafzimmers laden. Zeitlimits in den Einstellungen funktionieren als Erinnerung; umgehen lassen sie sich immer. Manche greifen bewusst zu einem einfachen Handy. Was das kann und was nicht, zeigt der Vergleich Handy oder Smartphone; Modelle mit Tasten stehen unter Tastenhandy.
Wann ein Gespräch mit Fachleuten hilft
Wenn Sie die drei Kriterien bei sich oder einem Angehörigen über längere Zeit wiedererkennen und Schule, Arbeit, Schlaf oder Beziehungen darunter leiden, ist das ein guter Grund für ein Gespräch. Das BIÖG bietet mit Ins Netz gehen kostenlose und anonyme Beratung per Chat und E-Mail für Jugendliche und ihre Bezugspersonen, dazu einen Selbsttest. Weitere Anlaufstellen sind Suchtberatungsstellen vor Ort sowie die haus- oder kinderärztliche Praxis.
Diese Seite stellt keine Diagnose
Sie erklärt, wie Fachleute problematische Mediennutzung beschreiben, und ordnet Zahlen ein. Ob eine Störung vorliegt, kann nur eine fachliche Untersuchung klären.

Nächster Schritt
Schauen Sie in Ihre Statistik nach Apps und rechnen Sie nur die Zeit hoch, die Sie selbst für verzichtbar halten. Das Ergebnis ist aussagekräftiger als die Summe.
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Quellen und Stand
- Bitkom: Das Smartphone wird 180 Minuten pro Tag genutzt – Befragung von 1.006 Personen ab 16 Jahren, darunter 861 Smartphone-Nutzer, Januar/Februar 2026
- DAK-Gesundheit und UKE: Zwischen Fortnite, TikTok und ChatGPT: Mediennutzung, Risiken und neue Nutzungstrends bei Kindern und Jugendlichen in Deutschland – Ergebnisbericht 2025/2026, achte Erhebungswelle September/Oktober 2025
- DAK-Gesundheit: DAK-Suchtstudie untersucht Jugendtrend: KI-Chatbots erhöhen riskanten Medienkonsum
- WHO: Addictive behaviours: Gaming disorder – Kriterien und Zeitraum von zwölf Monaten
- WHO Europa: Teens, screens and mental health – HBSC-Studie, Daten von 2022
- BIÖG: Tabelle: Wie oft und wie lange dürfen Kinder Medien nutzen? – aktualisiert am 2. Dezember 2025
- BIÖG: Ins Netz gehen – Beratung und Selbsttest
Geprüft am 4. Oktober 2026. Diese Seite ist keine medizinische oder psychologische Beratung.
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