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IP-Schutzklasse: Was IP67 und IP68 wirklich bedeuten

Von Alexander Müller Aktualisiert am 23. Juli 2026 Geprüft gegen Herstellerangaben 6 Minuten Lesezeit

Kurzantwort

Die beiden Ziffern stehen für zwei getrennte Prüfungen: Die erste beschreibt den Schutz gegen Staub, die zweite den gegen Wasser. IP67 bedeutet staubdicht und zeitweiliges Untertauchen, IP68 staubdicht und dauerhaftes Untertauchen unter vom Hersteller festgelegten Bedingungen. Entscheidend ist, was die Prüfung nicht abdeckt: Sie gilt für klares Süßwasser bei Raumtemperatur, für ein neues Gerät, im ruhenden Zustand. Nicht abgedeckt sind Salzwasser, Seife, heiße Flüssigkeiten, Wasserdruck durch Bewegung – und ein Gerät, dessen Dichtungen Jahre alt sind.

Kaum eine Angabe wird so oft als Garantie missverstanden wie die IP-Schutzklasse. Sie ist eine Laborangabe unter definierten Bedingungen – und der Abstand zwischen diesen Bedingungen und dem Alltag ist größer, als die schlichte Zahl vermuten lässt.

Was die beiden Ziffern bedeuten

Die zweite Ziffer beschreibt den Wasserschutz. Jede Stufe schließt die darunter liegenden ein – mit einer wichtigen Ausnahme bei Strahlwasser.
KennungStaubWasser
IP54geschütztSpritzwasser aus allen Richtungen
IP65staubdichtStrahlwasser aus einer Düse
IP67staubdichtzeitweiliges Untertauchen, meist 30 Minuten bis 1 Meter
IP68staubdichtdauerhaftes Untertauchen, Tiefe vom Hersteller festgelegt
IP69KstaubdichtHochdruck- und Dampfstrahlreinigung

Eine Feinheit, die selten erwähnt wird: IP68 schließt IP65 nicht automatisch ein. Untertauchen und Strahlwasser sind verschiedene Belastungen – ein Gerät kann im ruhigen Wasser dicht sein und unter dem Wasserstrahl trotzdem versagen. Deshalb geben robuste Geräte oft beide Kennungen an.

Die Bedingungen, unter denen geprüft wird

Was die Prüfung abdeckt und was nicht Gegenüberstellung: hilft: Klares Süßwasser – Leitungswasser bei Raumtemperatur ist der definierte Prüfstoff; hilft: Neuwertiger Zustand – Geprüft wird ein fabrikneues Gerät mit unversehrten Dichtungen; hilft: Ruhendes Eintauchen – Das Gerät liegt im Wasser, es bewegt sich nicht dagegen; schadet: Salzwasser und Chlorwasser – Meer und Pool sind nicht abgedeckt – Salz und Chlor greifen Dichtungen an; schadet: Heiße Flüssigkeiten und Seife – Kaffee, Duschgel und heißes Wasser verändern die Oberflächenspannung; schadet: Bewegung im Wasser – Schwimmen oder Duschen erzeugt Druck, für den die Prüfung nicht ausgelegt ist. Was die Prüfung abdeckt und was nicht Die Prüfbedingungen sind enger, als die Zahl vermuten lässt Klares Süßwasser Leitungswasser bei Raumtemperatur ist der definierte Prüfstoff Neuwertiger Zustand Geprüft wird ein fabrikneues Gerät mit unversehrten Dichtungen Ruhendes Eintauchen Das Gerät liegt im Wasser, es bewegt sich nicht dagegen × Salzwasser und Chlorwasser Meer und Pool sind nicht abgedeckt – Salz und Chlor greifen Dichtungen an × Heiße Flüssigkeiten und Seife Kaffee, Duschgel und heißes Wasser verändern die Oberflächenspannung × Bewegung im Wasser Schwimmen oder Duschen erzeugt Druck, für den die Prüfung nicht ausgelegt ist
Die Prüfbedingungen beschreiben ein Labor, nicht den Alltag. Drei der sechs Punkte deckt die Zertifizierung überhaupt nicht ab.

Warum die Angabe mit der Zeit an Wert verliert

Dichtungen altern. Sie werden spröde, verlieren an Spannung und setzen sich mit Staub zu. Hinzu kommt jeder Sturz, der das Gehäuse minimal verzieht, und jede Reparatur, bei der das Gerät geöffnet wurde. Nach einem Displaytausch ist die Schutzklasse nur dann noch gegeben, wenn die Dichtungen fachgerecht erneuert wurden – ein Grund, Reparaturen nicht nach dem billigsten Angebot auszuwählen.

Aus demselben Grund ist die IP-Angabe kein Argument gegen eine Schutzhülle: Sie schützt vor genau den Stürzen, die die Dichtigkeit unbemerkt beenden.

Wasserschäden sind meist von der Garantie ausgenommen

Auch bei zertifizierten Geräten: Die Herstellergarantie deckt Wasserschäden in der Regel nicht ab, weil sich im Nachhinein kaum belegen lässt, unter welchen Bedingungen das Wasser eingedrungen ist. Fast alle Geräte haben dafür einen Feuchtigkeitsindikator im SIM-Schacht, der sich rot verfärbt. Was im Ernstfall zu tun ist, steht im Ratgeber zum Wasserschaden.

MIL-STD ist etwas anderes als IP

Bei Outdoor-Geräten steht neben der IP-Kennung häufig ein Verweis auf MIL-STD-810. Das ist keine Zertifizierung, sondern eine Sammlung von Prüfverfahren – und welche davon durchlaufen wurden, entscheidet der Hersteller selbst. Die Angabe sagt also nichts Verlässliches aus, solange nicht dabeisteht, welche Tests unter welchen Bedingungen bestanden wurden. Wer robuste Geräte sucht, findet die Einordnung der Marken im Markenvergleich.

Was das für den Alltag heißt

Die Zertifizierung ist keine Erlaubnis, sondern eine Reserve für Unfälle. Wer sie als Freibrief liest, verliert genau die Sicherheit, für die er bezahlt hat. Die folgende Einordnung nach Situationen ist deshalb nützlicher als die Zahl selbst.

Alltagssituationen im Überblick Gegenüberstellung: hilft: Regen und Spritzwasser – Der Regelfall, für den die Prüfung ausgelegt ist – hier hilft sie zuverlässig; hilft: Sturz ins Waschbecken – Kurzes Eintauchen in klares Wasser übersteht ein zertifiziertes Gerät meist folgenlos; hilft: Staubige Umgebung – Die erste Ziffer ist der oft übersehene, im Alltag aber sehr wirksame Teil; schadet: Schwimmbad und Meer – Chlor und Salz greifen Dichtungen an, Bewegung erzeugt zusätzlichen Druck; schadet: Duschen und Sauna – Dampf und Temperaturwechsel belasten Dichtungen stärker als kurzes Eintauchen; schadet: Nach Sturz oder Reparatur – Die Dichtigkeit kann unbemerkt beendet sein – gedanklich Abstand davon nehmen. Alltagssituationen im Überblick Wofür die Zertifizierung gedacht ist – und wofür nicht Regen und Spritzwasser Der Regelfall, für den die Prüfung ausgelegt ist – hier hilft sie zuverlässig Sturz ins Waschbecken Kurzes Eintauchen in klares Wasser übersteht ein zertifiziertes Gerät meist folgenlos Staubige Umgebung Die erste Ziffer ist der oft übersehene, im Alltag aber sehr wirksame Teil × Schwimmbad und Meer Chlor und Salz greifen Dichtungen an, Bewegung erzeugt zusätzlichen Druck × Duschen und Sauna Dampf und Temperaturwechsel belasten Dichtungen stärker als kurzes Eintauchen × Nach Sturz oder Reparatur Die Dichtigkeit kann unbemerkt beendet sein – gedanklich Abstand davon nehmen
Regen und ein kurzer Sturz ins Waschbecken sind abgedeckt. Alles, was warm, salzig oder in Bewegung ist, fällt aus der Zusage heraus.

Ein Sonderfall verdient eine eigene Erwähnung: Nach jedem Kontakt mit Salzwasser sollte das Gerät mit klarem Wasser abgespült und getrocknet werden. Trocknet Meerwasser auf dem Gehäuse, kristallisiert das Salz in Dichtungen, Anschlüssen und Lautsprecheröffnungen und greift sie dauerhaft an – ein Schaden, der sich erst Monate später als undichtes Gerät bemerkbar macht.

Wenn doch Wasser eingedrungen ist

Die Reihenfolge in den ersten Minuten entscheidet – und der bekannteste Ratschlag ist der schädlichste.

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Häufige Fragen zur IP-Schutzklasse

Was bedeuten die Ziffern bei IP68?

Die erste Ziffer steht für den Schutz gegen feste Stoffe, also Staub, die zweite für den Schutz gegen Wasser. Die 6 bedeutet staubdicht, die 8 dauerhaftes Untertauchen unter Bedingungen, die der Hersteller festlegt – meist eine bestimmte Tiefe für eine bestimmte Dauer.

Ist ein IP68-Handy wasserdicht?

Unter Laborbedingungen ja, im Alltag nur eingeschränkt. Geprüft wird mit klarem Süßwasser bei Raumtemperatur, an einem neuen Gerät, das ruhig im Wasser liegt. Salzwasser, Chlorwasser, heiße Flüssigkeiten und Bewegung im Wasser sind nicht abgedeckt.

Was ist der Unterschied zwischen IP67 und IP68?

Beide sind staubdicht. IP67 steht für zeitweiliges Untertauchen, üblicherweise 30 Minuten in einem Meter Tiefe. IP68 bedeutet dauerhaftes Untertauchen, wobei Tiefe und Dauer vom Hersteller definiert werden – die Angaben unterscheiden sich deshalb zwischen Geräten.

Schließt IP68 den Schutz vor Strahlwasser ein?

Nicht automatisch. Untertauchen und Strahlwasser sind unterschiedliche Prüfungen. Ein Gerät kann im ruhigen Wasser dicht sein und unter einem Wasserstrahl dennoch versagen. Geräte, die beides abdecken, geben deshalb meist zwei Kennungen an.

Bleibt die Schutzklasse dauerhaft erhalten?

Nein. Dichtungen werden mit der Zeit spröde, setzen sich zu und verlieren Spannung. Jeder Sturz und jede Öffnung des Geräts kann die Dichtigkeit beenden. Nach einem Displaytausch besteht sie nur fort, wenn die Dichtungen fachgerecht erneuert wurden.

Zahlt die Garantie bei einem Wasserschaden?

In der Regel nicht, auch bei zertifizierten Geräten. Im Nachhinein lässt sich kaum belegen, unter welchen Bedingungen Wasser eingedrungen ist. Die meisten Geräte haben einen Feuchtigkeitsindikator im SIM-Schacht, der sich bei Kontakt mit Wasser verfärbt.

Darf ich mit einem IP68-Handy schwimmen?

Besser nicht. Beim Schwimmen entsteht durch die Bewegung Druck, für den die Prüfung nicht ausgelegt ist, und Chlor- oder Salzwasser greift die Dichtungen an. Für Wassersport ist eine echte wasserdichte Tasche die sichere Lösung.

Was bedeutet MIL-STD-810 bei Outdoor-Handys?

Es ist keine Zertifizierung, sondern eine Sammlung von Prüfverfahren. Welche davon ein Gerät durchlaufen hat und unter welchen Bedingungen, entscheidet der Hersteller selbst. Ohne diese Angaben sagt der Verweis wenig aus.

Was tue ich nach Kontakt mit Salzwasser?

Das Gerät mit klarem Wasser abspülen und trocknen lassen. Salz kristallisiert sonst in Dichtungen und Anschlüssen und greift sie an. Ist Wasser eingedrungen, hilft Trocknen allein nicht – dann ist eine professionelle Reinigung nötig.

Quellen und Stand: Herstellerangaben der Support-Seiten von Apple und Samsung · Erfahrungswerte von Reparatur- und Datenrettungsbetrieben · eigene Einordnung. Stand dieser Seite: 23. Juli 2026.

Dieser Ratgeber ersetzt keine Reparaturberatung. Bei sichtbaren Schäden, ausgefallenen Funktionen oder Geräten mit wichtigen Daten ohne Sicherung ist der Gang in einen Fachbetrieb die sichere Wahl – Wartezeit verschlechtert das Ergebnis.