Ratgeber

Geschichte des Handys: fast 70 Jahre Mobilfunk in Deutschland

Der Mobilfunk in Deutschland begann 1958 mit dem handvermittelten A-Netz. Es folgten das B-Netz (1972), das C-Netz mit persönlicher Rufnummer (1985) und 1992 die digitalen D-Netze, die das Handy zum Massenprodukt machten. Danach kamen UMTS (Versteigerung 2000, Start 2004), LTE (2010) und 5G (2019). Jede Generation wurde wieder abgeschaltet: UMTS im Jahr 2021, und das 1992 gestartete 2G-Netz endet 2028.

Von Geprüft am 6 Min. Lesezeit

Hände eines älteren Mannes halten ein klobiges Mobiltelefon aus den Neunzigern, davor liegt ein modernes Smartphone auf dem Holztisch
KI-generiert

Wer heute ein Handy in die Tasche steckt, hält das Ergebnis von fast siebzig Jahren Netzbau in der Hand. Die entscheidenden Sprünge lagen selten im Gerät, sondern in der Frage, wie das Netz einen Menschen findet: erst über eine Vermittlung von Hand, dann über eine Funkzone, die der Anrufer kennen musste, schließlich über eine Nummer, die mit ihrem Besitzer reist. 2028 endet mit dem 2G-Netz die Technik, mit der 1992 der Massenmarkt begann – siebzig Jahre nach dem Start des A-Netzes.

1958 bis 2000: drei analoge Netze

Von der Handvermittlung zum digitalen MassenmarktZeitleiste: 1958 – A-Netz: Handvermittelt, Autotelefone um 16 Kilogramm; 1972 – B-Netz: Selbstwahl, aber nur mit Zone des Angerufenen; 1985 – C-Netz: Erstmals eine persönliche Nummer für ganz Deutschland; 1992 – D1 und D2: GSM bringt digitale Handys für den Massenmarkt; 1994 – E-Plus: Drittes digitales Netz startet als E1; 1998 – VIAG Interkom: Viertes Netz E2, später o2Von der Handvermittlung zum digitalen MassenmarktDie Mobilfunknetze in Deutschland bis Ende der Neunziger1958A-NetzHandvermittelt,Autotelefone um16 Kilogramm1972B-NetzSelbstwahl, abernur mit Zone desAngerufenen1985C-NetzErstmals einepersönlicheNummer für ganzDeutschland1992D1 und D2GSM bringtdigitale Handysfür denMassenmarkt1994E-PlusDrittes digitalesNetz startet alsE11998VIAG InterkomViertes Netz E2,später o2Quellen: Informationszentrum Mobilfunk, Deutsche Telekom, techbook, teltarif
In vierzig Jahren wanderte die Erreichbarkeit vom Ort zur Person – und das Telefon aus dem Kofferraum in die Jackentasche.

Das A-Netz der Deutschen Bundespost startete 1958 als „öffentlicher beweglicher Landfunkdienst“. Jedes Gespräch wurde von Hand vermittelt, die Autotelefone wogen rund 16 Kilogramm und kosteten etwa so viel wie ein halbes Auto. 1977 wurde das Netz abgeschaltet.

Das B-Netz brachte 1972 die Selbstwahl, verlangte aber viel vom Anrufer: Das Land war in rund 150 Funkzonen mit bis zu 150 Kilometern Durchmesser aufgeteilt, und wer jemanden erreichen wollte, musste wissen, in welcher Zone sich die Person gerade aufhielt. Ins Ausland ließ sich nur in die Niederlande, nach Luxemburg und nach Österreich telefonieren. Das C-Netz löste das Zonenproblem 1985: Erstmals war ein Teilnehmer in ganz Deutschland unter seiner eigenen Nummer erreichbar. Die Geräte passten nun in kleine Koffer mit Tragegriff. Ende 2000 endete das C-Netz als letztes analoges Netz.

Der eigentliche Bruch lag damit vor der Digitalisierung. Mit dem C-Netz gehörte die Nummer nicht mehr zu einem Ort, sondern zu einem Menschen – eine Idee, die jede spätere Generation übernommen hat.

Verbreiteter IrrtumMobilfunk für alle begann mit dem Smartphone

Was stimmtSchon die digitalen D-Netze machten das Handy in den Neunzigern zum Massenprodukt: Die Telekom zählte Ende 1998 rund 5,5 Millionen Mobilfunkkunden – neun Jahre vor dem ersten iPhone.

1992: der digitale Massenmarkt

Am 1. Juli 1992 startete die Telekom ihr D1-Netz, Mannesmann betrieb das D2-Netz. Beide nutzten den europäischen Standard GSM, der Gespräche digital überträgt – das, was heute 2G heißt. Damit wurden Handys klein genug für die Jackentasche, und mit demselben Gerät ließ sich in anderen GSM-Ländern telefonieren. Im April 1993 hatte D1 rund 130.000 Kunden, Ende 1998 zählte die Telekom bereits 5,5 Millionen.

Weitere Betreiber kamen hinzu: E-Plus startete 1994 sein E1-Netz, VIAG Interkom am 1. Oktober 1998 als vierter Netzbetreiber das E2-Netz, zunächst nur in acht Ballungsräumen. Aus VIAG Interkom wurde später o2, das sich 2014 mit E-Plus zusammenschloss. Die SMS wurde zum Massenphänomen: Ihren Höhepunkt erreichte sie in Deutschland 2012 mit 59,8 Milliarden Kurznachrichten.

2000 bis 2021: vom Milliardenpoker zum mobilen Internet

Vom Milliardenpoker zum Abschied von 2GZeitleiste: 2000 – UMTS-Auktion: Rekorderlös für sechs Lizenzen; 2004 – UMTS-Start: Erstes Angebot ist eine Datenkarte fürs Notebook; 2010 – LTE: Start zuerst auf dem Land, so verlangten es die Auflagen; 2019 – 5G: Versteigerung im Juni, erstes Netz im Juli; 2021 – 3G-Ende: UMTS wird abgeschaltet, die Frequenzen gehen an LTE; 2028 – 2G-Ende: Telekom, Vodafone und o2 schalten GSM abVom Milliardenpoker zum Abschied von 2GDatenfunk ab 2000 und die Abschaltungen der alten Netze2000UMTS-AuktionRekorderlös fürsechs Lizenzen2004UMTS-StartErstes Angebotist eineDatenkarte fürsNotebook2010LTEStart zuerst aufdem Land, soverlangten es dieAuflagen20195GVersteigerung imJuni, erstes Netzim Juli20213G-EndeUMTS wirdabgeschaltet, dieFrequenzen gehenan LTE20282G-EndeTelekom, Vodafoneund o2 schaltenGSM abQuellen: Bundesverfassungsgericht, Vodafone, teltarif, Bundesnetzagentur
Jede neue Generation brauchte Frequenzen – die alten Netze wurden dafür abgeschaltet, 2028 zuletzt das GSM-Netz von 1992.

Vom 31. Juli bis 18. August 2000 versteigerte die damalige Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post die Frequenzen für UMTS, die dritte Generation. Die Gebote summierten sich auf 99,37 Milliarden D-Mark, rund 50,8 Milliarden Euro; im September erhielten sechs Bieter ihre Lizenzen. Der Markt brauchte länger als erwartet: Vodafone präsentierte das erste kommerzielle UMTS-Angebot am 12. Februar 2004 – eine Datenkarte für Notebooks.

Deutlich schneller wurde es mit LTE, der vierten Generation. Die Telekom nahm am 30. August 2010 ihren ersten LTE-Sender in Betrieb, Vodafone verkaufte ab 1. Dezember 2010 LTE-Surfsticks. Gestartet wurde auf dem Land, denn die Bundesnetzagentur hatte festgelegt, dass die 800-Megahertz-Frequenzen erst in Ballungsräumen genutzt werden dürfen, wenn die Provinz versorgt ist. 2019 folgte die Versteigerung der ersten 5G-Frequenzen für knapp 6,55 Milliarden Euro; Vodafone startete am 17. Juli 2019 das erste 5G-Netz.

2021 wurde UMTS abgeschaltet. Bei Vodafone verschwand das 3G-Symbol im Juli 2021 von den Displays; es war das erste Mal, dass in Deutschland ein so komplexes Mobilfunknetz vollständig vom Netz ging. Die Frequenzen nutzt seither LTE.

Was die Frequenzen kosteten

Jede neue Generation brauchte Funkfrequenzen, und die vergibt der Staat – heute die Bundesnetzagentur, im Jahr 2000 noch ihre Vorgängerin, die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Die Erlöse schwankten enorm:

Große Frequenzvergaben im deutschen Mobilfunk nach Angaben von Bundesnetzagentur und Bundesverfassungsgericht
JahrVerfahrenErgebnis
2000Versteigerung der UMTS-Frequenzen, 31. Juli bis 18. August99,37 Mrd. D-Mark, rund 50,8 Mrd. Euro
2010Versteigerung bei 800, 1.800, 2.000 und 2.600 Megahertz, 12. April bis 20. MaiGrundlage für LTE, verbunden mit der Auflage, zuerst das Land zu versorgen
2015Versteigerung unter anderem bei 700 und 900 Megahertz, 181 Runden bis 19. Juni5,1 Mrd. Euro
2019Versteigerung bei 2 und 3,6 Gigahertz für 5G, 19. März bis 12. Juniknapp 6,55 Mrd. Euro nach 497 Runden
2025Verlängerung der Frequenzen bei 800, 1.800 und 2.600 Megahertzkeine Auktion, Nutzung bis Ende 2030

Der Rekord von 2000 blieb einmalig. Spätere Verfahren brachten weit weniger ein; dafür knüpfte die Behörde die Frequenzen an Auflagen, 2010 etwa an die Pflicht, mit den 800-Megahertz-Frequenzen zuerst ländliche Gebiete zu versorgen. Wie die Bänder heute verteilt sind, steht unter Frequenzen.

Wie lange jede Generation lief

Der auffälligste Zug dieser Geschichte: Jede Netzgeneration endet. Rechnet man Start und Abschaltung gegeneinander, wird GSM mit rund 36 Jahren die langlebigste Technik – länger als jedes der analogen Netze und doppelt so lange wie UMTS.

Laufzeiten der Netzgenerationen in Deutschland, eigene Berechnung aus Start- und Abschaltjahr
NetzStartEndeLaufzeitWas neu war
A-Netz1958197719 JahreMobiltelefonie per Handvermittlung
B-Netz1972199523 JahreSelbstwahl, aber Zone des Angerufenen nötig
C-Netz1985200015 Jahrepersönliche Rufnummer, bundesweit erreichbar
GSM (2G)19922028rund 36 Jahredigital, Handy für die Jackentasche, SMS
UMTS (3G)2004202117 Jahremobile Datenübertragung
LTE (4G)2010offenbisher 16 Jahreschnelles mobiles Internet, Telefonie über VoLTE
5G2019offenbisher 7 Jahremehr Kapazität, später ein eigener 5G-Kern (Standalone)

Für die Praxis heißt das: Ein Gerät ist nur so lange nutzbar, wie das Netz existiert, für das es gebaut wurde. Ältere 4G-Handys ohne VoLTE, also ohne Telefonie über das LTE-Netz, fallen beim Telefonieren noch ins 2G-Netz zurück und verlieren mit dessen Abschaltung die Telefonfunktion. Wer betroffen ist und was zu tun ist, steht unter 2G-Abschaltung; warum LTE trotz 5G das Rückgrat bleibt, unter LTE und 4G.

Mobilfunk heute in Zahlen

106,4 Mio.aktiv genutzte SIM-Profile Ende 2025, rund 1,3 je Einwohner
57,9 Mio.Teilnehmer im 5G-Netz (Non-Standalone)
79,1 Mio.telefonieren über LTE (VoLTE)
2,9 Mrd.SMS im Jahr 2025 – nach 59,8 Mrd. im Rekordjahr 2012

Die Zahlen stammen aus dem Jahresbericht Telekommunikation 2025 der Bundesnetzagentur. Das LTE-Netz nutzten Ende 2025 90,1 Millionen der aktiven SIM-Profile; hinzu kommen 86,1 Millionen SIM-Profile für die Kommunikation zwischen Maschinen. Seit Ende 2025 führt 1&1 seine Kundschaft vollständig im eigenen Netz und ist damit ausschließlich Netzbetreiber, neben Telekom, Vodafone und o2 Telefónica; mehr dazu unter 1&1 als Netzbetreiber. Wie der 5G-Ausbau heute steht, zeigt die Seite 5G-Netz.

Woher das Wort „Handy“ kommt

Zum Wort selbst kursieren viele Erklärungen. Der Duden beschreibt das Handy als kleines Mobiltelefon, das man bei sich trägt, und leitet das Wort vom englischen Adjektiv handy ab, das griffbereit oder praktisch bedeutet. Als Name für das Telefon ist es aber eine deutsche Prägung; im Englischen heißt das Gerät mobile phone oder cell phone. Im Rechtschreibduden steht das Wort seit 1996. Was Handy und Smartphone heute unterscheidet, erklärt der Ratgeber Handy oder Smartphone.

Ältere Frau steht auf einem Balkon und hält ein klobiges Mobiltelefon mit langer Antenne ans linke Ohr
Mit den D-Netzen ab 1992 wurde das Handy vom Autozubehör zum Gerät für die Jackentasche. KI-generiert

Nächster Schritt

Die nächste Abschaltung steht fest. Prüfen Sie bei älteren Handys, Notrufgeräten und Tastentelefonen, ob sie VoLTE beherrschen.

Quellen und Stand

Geprüft am 4. Oktober 2026. Zu einzelnen Jahreszahlen kursieren leicht abweichende Angaben, weil Probebetrieb, offizieller Start und Abschaltung auseinanderfallen; wir nennen jeweils den offiziellen Start und das Ende des Regelbetriebs.

Häufige Fragen

Wann gab es das erste Handy in Deutschland?

Das hängt davon ab, was man Handy nennt. Mobile Telefone gab es ab 1958 im A-Netz, allerdings als fest eingebaute Autotelefone. Tragbare Geräte in Koffergröße brachte das C-Netz ab 1985, handliche Telefone für die Jackentasche kamen mit den D-Netzen 1992.

Wann wird das 2G-Netz abgeschaltet?

Die Telekom will 2G nach Angaben der Bundesnetzagentur voraussichtlich am 30. Juni 2028 abschalten, Vodafone im September 2028 und Telefónica Ende 2028. Betroffen sind reine 2G-Handys und ältere 4G-Geräte, die zum Telefonieren noch ins 2G-Netz wechseln.

Passt dazu

  • Ratgeber Handy am Steuer

    100 Euro und ein Punkt; Start-Stopp gilt laut StVO ausdrücklich nicht als Motor aus.

  • Ratgeber Handy recyceln

    Supermärkte ab 800 Quadratmetern nehmen alte Handys ohne Neukauf an – seit Juli 2026 mit Symbol am Eingang.

  • Ratgeber Handy oder Smartphone

    Jedes Smartphone ist ein Handy – für Tastenhandys zählen nach 2028 nur noch 4G und VoLTE.

  • Rechner Rechner

    15 Werkzeuge, die im Browser rechnen – jedes mit Rechenweg und Quelle für seine festen Werte.